Japans Notenbankchef will Geldhahn bei Bedarf weiter aufdrehen

Tokio (awp/sda/reu) - Im Kampf gegen die Konjunkturflaute in Japan will die Notenbank die Geldschleusen notfalls noch weiter öffnen. "Wir sollten damit nicht zögern, falls es für Japans Wirtschaft nötig werden sollte", sagte Zentralbankchef Haruhiko Kuroda am Montag.
05.09.2016 13:01

Selbst "drastische Massnahmen" könnten erforderlich werden. Die Bank von Japan (BoJ) hatte ihre Geldpolitik im Juli weiter gelockert und für September eine Überprüfung ihres Kurses angekündigt. An den Märkten war danach die Sorge aufgekommen, dass ihr angesichts der bereits sehr laxen Geldpolitik das Pulver ausgehen könnte.

Das sieht Kuroda anders: Es gebe noch "genügend Spielraum für eine weitere Lockerung". Bislang nahmen die Währungshüter jährlich 80 Billionen Yen (umgerechnet rund 754 Milliarden Franken) in die Hand, um Wertpapiere zu kaufen und so die Wirtschaftsflaute zu bekämpfen - doch bislang ohne durchschlagende Wirkung.

Denn die Wirtschaft stagnierte zuletzt. Und die Inflation liegt weit unter der angestrebten Zielmarke von zwei Prozent. Erklärtes Ziel der Notenbank ist es, für steigende Preise zu sorgen, nachdem das Land viele Jahre lang von einer Deflation geplagt wurde. Dabei fallen die Preise auf breiter Front und lösen eine Abwärtsspirale aus: Konsumenten halten sich in der Hoffnung auf Schnäppchen zurück, Löhne sinken und Firmen stellen Investitionen zurück.

In einem Arbeitspapier schlägt der Internationale Währungsfonds (IWF) Japan daher vor, den Firmen eine Richtschnur für das Lohnwachstum an die Hand zu geben. Unternehmen, die sich nicht darin hielten, sollten dann öffentlich die Gründe dafür darlegen, erläutern die IWF-Experten. Ziel solle es sein, dass die Gehälter um rund drei Prozent anziehen, um so die schwache Inflation anzuheizen.

Um die Preisentwicklung bereinigt waren die Löhne in dem Fernostland im Juli wie bereits im Juni um 2,0 Prozent gestiegen - das stärkste Plus seit sechs Jahren. In Japan liegt die Arbeitslosenquote mit 3,0 Prozent so niedrig wie seit mehr als 21 Jahren nicht mehr. Damit ist annähernd Vollbeschäftigung erreicht.

(AWP)