Japans Zentralbank könnte Geldpolitik weiter lockern

(Neu: Aussagen Notenbankchef Kuroda) - Die japanische Notenbank scheint auf eine zusätzliche Lockerung ihrer bereits extrem lockeren Geldpolitik zuzusteuern. Sollten sich die Risiken für das globale Wachstum verstärken, sei man gewillt zu handeln, sagte Notenbankchef Haruhiko Kuroda am Donnerstag nach der Zinssitzung der Zentralbank. Bereits im Vorfeld der Sitzung gab es Spekulationen, die Bank of Japan könnte ihre Geldpolitik weiter lockern. Zunächst handelte sie jedoch nicht.
19.09.2019 12:00

Weder änderte die Notenbank der drittgrössten Volkswirtschaft der Welt etwas an ihrer Zinskurvenkontrolle, mit der sie die kurz- und langfristigen Kapitalmarktzinsen steuern will, noch wurden die Mengen an Wertpapieren, die sie regelmässig von den Banken kauft, geändert. Analysten hatten mehrheitlich mit einer unveränderten Geldpolitik gerechnet. Einige Fachleute hielten es aber für möglich, dass die Währungshüter es anderen grossen Notenbanken gleichtun könnten. Vor einer Woche hatte die Europäische Zentralbank (EZB) ein umfangreiches Lockerungspaket beschossen, am Mittwoch zog die US-Notenbank Fed mit einer Zinssenkung nach.

Er sei einer zusätzlichen Lockerung eher zugeneigt als noch auf der vorherigen Zinssitzung, sagte Kuroda vor Journalisten. Das bedeute jedoch nicht, dass man auf der nächsten Sitzung Ende Oktober in jedem Fall handeln werde. Zugleich kündigte die Notenbank an, im Oktober eine umfangreiche Überprüfung der wirtschaftlichen Lage vorzunehmen. Sie äusserte die Sorge, dass sie noch grössere Probleme bei der Erreichung ihres Inflationsziels von zwei Prozent bekommen könnte. Diese Marke hat die Notenbank seit langem nicht mehr erreicht - trotz Zinsen unterhalb der Nulllinie und einer riesigen Geldschwemme in Form von Staatsanleihekäufen.

Kuroda sagte, die Notenbank werde "ohne zu Zögern" handeln, falls sich grössere Problem bei der Erreichung ihres Inflationsziels ergäben. "Ich glaube nicht, dass die Wirtschaft in eine Rezession fallen und der Schwung zur Erreichung des Preisziels verloren gehen wird. Aber wir müssen die Auswirkungen grösserer Risiken für die Weltwirtschaft auf Japans Wirtschaft genau analysieren", resümierte der Notenbankchef.

Gefragt nach denkbaren Lockerungsschritten, nannte Kuroda unter anderem niedrigere Leitzinsen oder zusätzliche Wertpapierkäufe. Gegen noch niedrigere Leitzinsen dürften jedoch die japanischen Banken Sturm laufen. Sie leiden schon jetzt unter den negativen Kurzfristzinsen. Zwar räumt die Bank of Japan ihnen einige Entlastungen ein. Die flache Zinsstruktur beschädigt aber das klassische Einlagen- und Kreditgeschäft der Geldhäuser.

Diskutiert wird unter Ökonomen daher, dass die Bank of Japan über gezielte Westpapierkäufe eine steilere Zinskurve anpeilen könnte. Eine Überlegung lautet, dass die Notenbank mehr kurz- anstatt langfristiger Staatsanleihen erwerben oder letztere sogar veräussern könnte. Fachleute sprechen von einer "umgekehrten Operation Twist" - in Anlehnung an ein Vorgehen von der US-Notenbank Fed während der Finanzkrise./bgf/jsl/nas

(AWP)