KMU sollen laut Swissmem-Präsident Innovationsdruck ernst nehmen

(Meldung umgeschrieben nach Medienkonferenz) - Die Schweizer Maschinen-, Elektro- und Metall-Industrie (MEM-Industrie) zeigt zwar Erholungstendenzen, steht aber zunehmend unter starkem Margendruck. Um diesem zu begegnen, sollten KMU vermehrt die Zusammenarbeit mit Hochschulen suchen, fordert der Präsident des Branchenverbands Swissmem, Hans Hess, am Dienstag anlässlich der Jahresmedienkonferenz.
28.02.2017 14:15

Denn viele Betriebe wirtschaften trotz steigenden Auftragszahlen laut einer Swissmem-Umfrage in der Verlustzone, da sie aufgrund der Währungssituation keine kostendeckenden Margen erzielen. Darüber hinaus habe der erneut stärkere Franken substanziell negative Auswirkungen insbesondere auf kleine Unternehmen, so Hess.

VERLUSTE TROTZ GUTER AUFTRAGSLAGE

"Es ist vielen MEM-Betrieben im vergangenen Jahr zwar gelungen mehr Aufträge zu gewinnen", freut sich Hess. Das vergangene Jahr sei im Vergleich zu 2015, als der Euromindestkurs aufgehoben wurde, für die MEM-Industrie wesentlich erfolgreicher verlaufen. "Aktuell verdienen aber zu viele Firmen zu wenig Geld mit ihren Aufträgen", erläutert der Swissmem-Präsident.

Konkret habe die Anfang Jahr durchgeführte Umfrage unter Swissmem-Unternehmen ergeben, dass über die Hälfte gerademal eine EBIT-Marge zwischen null und 5% erzielen oder sogar in der Verlustzone operieren. Davon seien kleinere Unternehmen zudem eher betroffen als Mittel- und Grossfirmen, ergänzt Swissmem-Direktor Peter Dietrich.

Folglich generiere knapp ein Viertel der Betriebe zu wenig Cashflow, um durch Investitionen in neue Innovationen nachhaltig erfolgreich zu sein. "Von der Substanz zu leben lässt sich eine Weile aushalten", so Dietrich, mittel- bis langfristig seien diese Unternehmen aber in ihrer Existenz bedroht.

STELLENABBAU UND WEGZUG ALS FOLGE

Um dieser Entwicklung entgegenzuwirken, hätten gemäss der Umfrage bereits 20% der angefragten Unternehmen die gesamte Produktion oder Teile davon ins Ausland verlagert. Rund 23% der Betriebe hätten Investitionen zurückgestellt und ein Drittel Stellen abgebaut. Konkret sind laut Dietrich in den letzten zwei Jahren 12'600 Stellen verlorengegangen, und 46% der Industriebetriebe prüfen eine Verlagerung der Geschäftstätigkeit ins Ausland innerhalb der nächsten drei Jahren.

"Im letzten August glaubten wir die Talsohle durchschritten zu haben, heute sehen wir, dass diese Talsohle breiter ist als damals erhofft", fasst Dietrich die Lage in der MEM-Industrie zusammen. Diese Negativdynamik führe dazu, dass der Standort Schweiz mangels Investitionen zurückfalle, ergänzt Hess.

TECHNOLOGIETRANSFER OPTIMIEREN

Der Swissmem-Präsident rechnet zudem nicht damit, dass sich der Schweizer Franken in nächster Zeit gegenüber dem Euro spürbar abwerten werde. "Viel eher bestehen Risiken für weitere Aufwertungen", so Hess. Der Produktionsstandort habe daher nur durch Produkt- und Prozessinnovationen die Möglichkeit wieder hinreichende Margen zu generieren. Der Innovationsfokus sei zwar in der Branche sehr ausgeprägt, vor allem aber die KMU hätten in Sachen Technologie- und Wissenstransfer Nachholbedarf.

Eine noch unveröffentlichte Studie des Instituts für Technologiemanagement der Universität St. Gallen zeige, dass nur gerademal 30% der MEM-Betriebe mit Hochschulen im Bereich Produkt- und Serviceinnovation kooperieren. "Dem gegenüber stehen fast 40% der Firmen, die das Wissen in ihrer unmittelbaren Nachbarschaft nicht nutzen", so Hess.

In Zeiten der Digitalisierung und Vernetzung müssten laut Swissmem-Präsident gerade diese Synergien konsequent genutzt werden. "Dieser Autismus führt in eine Sackgasse, die besonders für kleinere KMU den Untergang bedeuten kann."

sta/ys

(AWP)