KOF-Ökonomen erhöhen BIP-Schätzung für 2016 - Transithandel gewinnt Bedeutung

Zürich (awp) - Die Schweizer Wirtschaft findet laut der Konjunkturforschungsstelle KOF nach einer "Durststrecke" auf einen moderaten Wachstumskurs zurück. Neu gehen die KOF-Ökonomen von einem BIP-Wachstum im laufenden Jahr von 1,6% aus, nachdem sie bisher lediglich ein Wachstum von 1,0% prognostiziert hatten. Für das kommende Jahr 2017 bleibt die Einschätzung der KOF mit einem Plus von 1,8% (bisher +1,9%) allerdings wenig unverändert.
06.10.2016 13:01

Mit der weiteren Belebung der Weltwirtschaft nehme die Nachfrage nach Schweizer Waren und Dienstleistungen langsam zu, so die Konjunkturforscher der ETH Zürich in ihrer am Donnerstag veröffentlichten Herbstprognose. Auch zwei Jahre nach dem Frankenschock sei der Druck auf die Unternehmen hoch, allerdings sei das Niveau "etwas erträglicher" geworden als in der ersten Zeit nach der Aufgabe des Euro-Mindestkurses durch die SNB.

Am schweizerischen Arbeitsmarkt erwartet die KOF eine "langsame Erholung" in der zweiten Jahreshälfte 2016 sowie im kommenden Jahr. Die schleppende Entwicklung der Weltwirtschaft, eine gedämpfte Konsumentenstimmung und strukturelle Probleme etwa in der Industrie und im Bankensektor würden die Beschäftigungsentwicklung belasten. Im laufenden Jahr lautet die KOF-Prognose für die Arbeitslosenrate auf 3,3% und im kommenden Jahr auf 3,4%.

BEDEUTENDERER TRANSITHANDEL

Die jüngsten Zahlen zeigten, dass die Industrie im vergangenen Jahr durch die Franken-Aufwertung sehr viel stärker getroffen wurde als zunächst angenommen, betonte KOF-Direktor Jan-Egbert Sturm am Donnerstag bei der Präsentation der Prognosen. "Das wurde aber mehr als kompensiert durch den Handel." Der Transithandel der in der Schweiz ansässigen grossen Öl- und Rohstoffkonzerne wird laut den Ökonomen als Wachstumstreiber des Schweizer BIP immer bedeutender.

Für die Weltwirtschaft erwartet die KOF wie bereits in den vergangenen Quartalen "moderate Zuwächse". Vom angestrebten Austritt des Vereinigten Königreichs aus der EU erwarten die Ökonomen in ihrer Prognose weder kurz- noch mittelfristig grössere Verwerfungen: Weil die britische Wirtschaft durch eine etwas expansivere Fiskal- und Geldpolitik unterstützt werde, dürfte die Abschwächung der Wirtschaftsleistung beschränkt bleiben. Im Euroraum erwarten sie die Fortsetzung einer moderaten Erholung.

BESCHEIDENES KONSUMWACHSTUM

Das Wachstum der Konsumausgaben in der Schweiz dürfte gemässe der Prognose "bescheiden" bleiben, da die privaten Haushalte nach wie vor skeptisch seien. Im Jahresergebnis werde der private Konsum 2016 um 1% zulegen, auch im kommenden Jahr dürfte er nur leicht stärker ansteigen (+1,2%).

Die Investitionsneigung der Privatwirtschaft sei weiter verhalten, so die KOF. Für die Bauwirtschaft gehen die Prognostiker von einer Stagnation im laufenden Jahr aus, im kommenden Jahr sollen sich die Bauinvestitionen allerdings etwas erholen. Impulse kämen vor allem von Infrastrukturprojekten oder Spitalbauten. Der Wohnbauboom in der Schweiz dürfte allerdings "hinter uns liegen", meinte KOF-Direktor Sturm.

Der Aussenhandel scheine "auf den ersten Blick" den Frankenschock vom Vorjahr verdaut zu haben. Allerdings sei die Exportentwicklung zuletzt sehr unterschiedlich gewesen: Angestiegen seien vor allem die Exporte pharmazeutischer Produkte. Eine breit abgestützte Exporterholung erwartet die KOF erst im nächsten Jahr. Auch bei den Importen prognostiziert das Institut im laufenden Jahr nur eine verhaltene Entwicklung, im kommenden Jahr sollen die Importe von Waren und Dienstleistungen wieder stärker zulegen.

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(AWP)