KOF-Umfrage: Privatwirtschaft betrachtet eigenes Geschäft wenig optimistisch

(Vollständig umgeschrieben und erweitert nach MK) - Zum dritten Mal in Folge blickt die Schweizer Privatwirtschaft weniger optimistisch auf die eigene Geschäftslage. Der entsprechende Indikator der Konjunkturforschungsstelle (KOF) der ETH Zürich ist zum Jahresbeginn 2017 gesunken.
08.02.2017 13:56

"Das Eis für die Konjunktur ist relativ dünn", sagte Klaus Abberger von der KOF vor den Medien in Zürich. Schwierig sehe die Situation insbesondere für die Industrieunternehmen aus. Diese sind gemäss Abberger "relativ verwundbar".

Sie hätten noch nicht genug Fett ansetzen können, um dem Wiedererstarken des Frankens im vergangenen Herbst standzuhalten. Bei der Preisgestaltung seien die Unternehmen nach wie vor unter Druck. Die Erwartungen seien jedoch positiv, da die Nachfrage generell da sei.

SKEPTISCHE HÄNDLER

Ähnlich sieht es im Detailhandel aus, "hier stottert der Motor ziemlich", so Abberger. Die Lager der Unternehmen seien zu voll und es werde nicht erwartet, dass der Umsatz wieder steigen werde. Immerhin hätte die Abwärtsspirale der Preise zu drehen aufgehört. Diese hätten sich zudem wieder auf einem ähnlichen Niveau wie vor der Frankenabwertung eingependelt.

Auch die Grosshändler betrachten die Geschäftslage in der Januar-Umfrage "skeptisch". Sie erwarten, dass die Einkaufspreise - aber auch die Verkaufspreise - steigen werden. Vor einem Preisdruck, dem sie nachgeben müssen, fürchten sich nach wie vor auch die Hotelbetriebe. Sie erwarten aber, dass sie in den nächsten Monaten mehr Gäste empfangen können als im Herbst.

Zuversichtlich in die Zukunft blicken die Unternehmen der Dienstleistungsbranche wie IT-Unternehmen, Gärtner oder Beratungsfirmen. Sie erwarten eine positive Entwicklung der Nachfrage, wenngleich sich diese nicht mehr auf demselben Niveau befindet wie in den letzten Jahren.

BAUWIRTSCHAFT ALS STABILISIERENDER FAKTOR

Als "stabilisierenden Faktor der Schweizer Konjunktur" bezeichnet Abberger einzig die Bauwirtschaft. "Nach dem Einbruch nach den Boomjahren hat sich die Bauwirtschaft wieder auf einem hohen Level eingependelt", fasst Abberger zusammen. Wenngleich sich die Unternehmen in einem harten Preiskampf befänden und der Wettbewerb zugenommen hätte, gehe es dem Grossteil der Unternehmen gut.

"Bemerkenswert sind die Erwartungen der Banken", sagte Abberger zudem. Diese gingen davon aus, dass die Unternehmen vermehrt nach Krediten fragen würden. Daraus lässt sich lesen, dass die Unternehmen Investitionen zu tätigen beabsichtigen. Dies widerspiegelt sich in den von der KOF nachgefragten Investitionsabsichten. "Wir können nicht von einem Investitionsboom sprechen", relativiert Abberger. Einen Schritt nach vorn zeige es aber allemal.

WELTWEIT UNSICHERES UMFELD

Insgesamt, so wird nach den Ausführungen Abbergers deutlich, konnte die Schweizer Wirtschaft gegenüber dem Vorjahr etwas Boden gut machen. Dennoch befindet sich die Schweizer Konjunktur "weiterhin auf schwierigem Terrain", wie die KOF in ihrer Mitteilung zur Medienkonferenz schreibt. Sollte aber von ausserhalb der Schweiz ein Aufschwung kommen, würde dieser gemäss Abberger hierzulande auf fruchtbareren Boden fallen als auch schon.

Rund um den Globus sind derzeit jedoch eher Unsicherheiten denn ein Aufschwung anzutreffen. Mit US-Präsident Trump, dem bevorstehenden "Brexit" sowie den Wahlen in den Niederlanden und Frankreich gäbe es einige "Wolken am Himmel", sagte Abberger. Zumindest das Vorpreschen Trumps im Januar scheint die Unternehmerinnen und Unternehmer jedoch noch nicht gross verunsichert zu haben. "Die Risiken sind aber da, aber die Unternehmen wissen, dass sie besser aufgestellt sind als auch schon."

In die KOF-Konjunkturumfrage vom Januar 2017 sind die Antworten von über 4500 Unternehmen aus der Industrie, dem Baugewerbe und den wichtigsten Dienstleistungsbereichen eingeflossen.

(AWP)