Kräftige Nachfrage nach Zentralbank-Geld in Grossbritannien

London (awp/sda/reu) - Nach dem Brexit-Votum schiesst bei britischen Geldhäusern die Nachfrage nach Geldspritzen durch die Zentralbank in die Höhe. Institute reichten bei der Bank von England (BoE) am Dienstag Gebote für Sechsmonatsgeldsalven im Gesamtvolumen von 6,33 Milliarden Pfund ein, wie die Notenbank mitteilte.
28.06.2016 15:26

Das ist das höchste Volumen seit Februar 2014, dem Start der Kreditauktionen im aktuellen Format. BoE-Gouverneur Mark Carney hatte nach Bekanntwerden des Abstimmungsergebnisses am Freitag Banken zusätzliche 250 Milliarden Pfund an Liquidität in Aussicht gestellt, um Engpässe in der Geldversorgung zu verhindern.

Die Gebote der Institute wurden zum grössten Teil mit Kreditsicherheiten der niedrigsten Gütestufe unterlegt, die die Notenbank akzeptiert. Auch waren die meisten Bieter nicht bereit, einen Zinssatz von mehr als 0,2 Prozentpunkte über dem aktuellen Leitzins von 0,5 Prozent zu zahlen.

Hätten Geldhäuser aktuell Schwierigkeiten, sich mit Geldmittel aus anderen Kanälen zu versorgen, hätten sie wahrscheinlich bei der BoE-Auktion stärkere Gebote eingereicht. Die Zuteilung lag mit 3,072 Milliarden Pfund unter der des vorangegangenen Geschäfts von Anfang Juni.

Die BoE teilt ihre Zentralbankkredite nach einer komplizierten Formel zu. Diese berücksichtigt die Gesamtgebote und die Güteklasse der Kreditsicherheiten. Auch wird eingerechnet, wie wieviel an Aufschlag auf den geltenden Mindestsatz für das jeweilige Pfand ein Geldhaus zu zahlen bereit ist.

Britische Bankaktien hatten am Montag an der Börse massiv Federn gelassen. Barclays -Papiere waren zeitweise 17 Prozent in den Keller gerauscht, Royal Bank of Scotland (RBS) um 15 Prozent. Am Dienstag erholten sie sich leicht.

(AWP)