Kritik an G20-Staaten: Klimavertrag wird zum 'Papiertiger'

HANGZHOU (awp international) - Die Entwicklungsorganisation Oxfam hat scharfe Kritik an der Klimapolitik der führenden Industrie- und Schwellenländer (G20) geübt. "Dass die G20-Länder die Ratifizierung des Pariser Klimaschutzabkommens anstreben, ist kein Erfolg, sondern sollte eine Selbstverständlichkeit sein", sagte Oxfam-Sprecher Jörn Kalinski am Montag der Deutschen Presse-Agentur. Immerhin sei das Abkommen 2015 im Konsens verabschiedet worden.
05.09.2016 12:40

Oxfam zeigte sich enttäuscht, dass die Gruppe keine neuen Zusagen zur Verringerung der Treibhausgase gegeben habe. Die nationalen Pläne reichten nicht aus, um das festgelegte Ziel zu erreichen, die globale Erwärmung auf deutlich unter zwei Grad zu begrenzen. "So wird der Klimavertrag schnell zum Papiertiger, mit katastrophalen Folgen für die ärmsten und vom Klimawandel besonders betroffenen Länder."

Nicht akzeptabel sei auch, dass keine Massnahmen beschlossen worden seien, um die alte G20-Verpflichtung umzusetzen, klimaschädliche Subventionen abzubauen, sagte Kalinski. Das Papier bekräftigt doch die früheren Zusage, aber ohne Zeitrahmen. Auch Greenpeace war kritisch. Es sei zwar ein gutes Signal, dass die G20 das Paris-Abkommen "so schnell wie möglich" ratifizieren wolle. "Aber es fehlen konkrete Verpflichtungen, etwa zum Stopp von Kohle-Subventionen."

Wenn die kommende G20-Vorsitzende Angela Merkel die Gruppe zu einem echten Klima-Vorreiter machen wolle, müsse sie zuallererst im eigenen Land den Abschied von der Kohle einläuten, sagte der Greenpeace-Experte Tobias Münchmeyer./lw/DP/fbr

(AWP)