Medtech-Branche kommt 2016 wieder aus dem Umsatztief - Übernahmefieber bleibt

(Ergänzt um weitere Details aus der Telefonkonferenz)
19.10.2016 15:16

Zürich (awp) - Die globale Medtech-Industrie dürfte sich 2016 wieder erholen, nachdem sie im letzten Jahr weltweit rückläufige Umsätze verbuchen musste. Die Umsätze seien im ersten Halbjahr wieder klar angestiegen, heisst es in dem am Mittwoch vom Unternehmensberater EY veröffentlichten Medtech Report 2016. Dennoch dürften Aktionäre nicht auf steigende Dividenden hoffen, denn die Unternehmen seien weiter daran, ihre Mittel in Akquisition zur Steigerung des Wachstums zu investieren.

Die globale Medtech-Branche musste 2015 erstmals seit fast zehn Jahren sinkende Umsätze hinnehmen. Insgesamt hätten diese im vergangenen Geschäftsjahr um 1,2% auf gut 337 Mrd USD abgenommen, hält EY in der Studie fest. Dabei verzeichneten die US-Gesellschaften einen Rückgang von 11% auf rund 209 Mrd USD, während die europäischen Unternehmen, unter denen sich auch einige namhafte Schweizer Firmen befinden, ihre Umsätze um 21% auf rund 129 Mrd USD steigerten.

Allerdings relativieren sich die starken prozentualen Umsatzverschiebungen zwischen Europa und den USA. Denn es müsse berücksichtigt werden, dass nach der im Januar 2015 abgeschlossenen über 40 Mrd USD schweren Übernahme von Covidien durch Medtronic die Umsätze nach Verlegung des Hauptsitzes nun in Europe und nicht mehr in den USA gebucht werden, ergänzte Siegfried Bialojan, Leiter Life Science Center EY Germany, an einer Telefonkonferenz.

Der kumulierte Nettogewinn der gesamten Branche sank 2015 insgesamt um 15% auf noch 13,7 Mrd USD.

NACHLASSENDE IPO-AKTIVITÄT

Trotz dieser rückläufigen Zahlen sei die Medtech-Branche an den Kapitalmärkten sehr gut dagestanden, heisst es weiter. Die Marktkapitalisierung aller untersuchten Medtech-Unternehmen stieg bis Ende 2015 um 13% auf 717 Mrd USD. Im laufenden Jahr deutet gemäss EY alles auf eine weiter wachsende Börsenbewertung der Branche hin: In den ersten neun Monaten 2016 stieg der Marktwert bereits um knapp 15% auf 822 Mrd USD.

Dem Ende entgegen geht gemäss EY indes das IPO-Feuerwerk an den Aktienmärkten: Wurden von Juli 2014 bis Juni 2015 noch 41 Neuzugänge verzeichnet, wagten im gleichen Zeitraum 2015/16 noch 15 Medtech-Unternehmen den Gang an die Börse. Und im laufenden Jahr öffneten sich bis Ende September noch gerade mal zwei Firmen weltweit dem Publikum. Investoren würden zunehmend Start-ups entdecken und hätten solche Unternehmen 2015 mit so viel Venture Capital (1,7 Mrd USD) wie noch nie ausgestattet.

ÜBERNAHMEN ALS WEITERHIN VORHERRSCHENDE WACHSTUMSSTRATEGIE

Ungebremst weiter entfalten sich dagegen die M&A-Aktivitäten der Unternehmen: Von Juli 2015 bis Juni 2016 belief sich das Volumen an Zusammenschlüssen und Übernahmen auf 77,4 Mrd USD, was einer Zunahme von 28% entspricht. Die Zahl der Transaktionen stieg um 37% auf 213 Mrd USD. Damit ist gemäss der Studie ein neuer Rekordwert erzielt worden. Die anhaltende rege M&A-Aktivitäten führt Jürg Zürcher, Medtech Leader EY Switzerland, einerseits darauf zurück, dass sich Konglomerate von Geschäftsfeldern trennen, die nicht mehr zum Portefeuille passen, und anderseits, dass einige vor allem auf Grösse und Portfoliotiefe setzen und nach geeigneten Übernahmekandidaten suchen würden.

"Wachstum durch Akquisition war die vorherrschende Strategie der Medtech-Branche in den vergangenen Jahren. Das dürfte so bleiben, da sich die Unternehmen weiterhin auf ihre strategischen Prioritäten konzentrieren", sagte Zürcher weiter. In diesem Umfeld können Unternehmen nicht Geld an die Aktionäre auszahlen, sondern müssten in strategische Übernahmen und Partnerschaften investieren und die Forschung effizienter gestalten, um die dringend benötigten innovativen Produkte entwickeln zu können.

sig/cf

(AWP)