Mietwohnungen werden 2017 laut CS günstiger - Stabilisierung bei Büroflächen

(Durchgehend umgeschrieben und ergänzt mit Aussagen aus der MK) - Im letztem Jahr vollzog sich gemäss den Immobilienexperten der Credit Suisse eine Trendwende auf dem Mietwohnungsmarkt. Weil wegen der Suche nach Renditeobjekten immer noch fleissig gebaut wird, die Nettozuwanderung aber zurück geht, steuert der Wohnungsmarkt auf einen Angebotsüberhang zu. Das Überangebot wird sich laut Fredy Hasenmaile, Leiter Immobilienresearch bei der CS, nicht so schnell abschwächen. Dafür stabilisiere sich die Nachfrage nach Büroflächen aufgrund der robusten Wirtschaft.
07.03.2017 13:11

Insbesondere in grösseren Städten war lange Zeit unvorstellbar, dass Wohnungssuchende Forderungen stellen können. Der Markt für Mietwohnungen steht aber laut der am Dienstag veröffentlichten Studie "Schweizer Immobilienmarkt 2017" vor einem weiteren deutlichen Abschwung. Daher seien Vermieter gezwungen die Preise zu senken, sagt Hasenmaile. "Damit sitzen nach langer Zeit erstmals wieder die Mieter am längeren Hebel."

VOR ALLEM HOHE MIETEN WERDEN SINKEN

Ein Grund für mittelfristig sinkende Mietpreise sei neben der regen Bautätigkeit die rückläufige Zuwanderung aus den EU-Ländern. Da im Verhältnis mehr Personen aus Drittstaaten zuwandern, die weniger Mietkaufkraft aufweisen, seien insbesondere Wohnungen im oberen Preissegment zunehmend schwer zu vermieten. Vor allem auch weil bessergestellte hiesigen Haushalte wegen den günstigen Hypothekarzinsen Wohneigentum erwarben und teure Mietwohnungen meiden. Dies führe zu weiterhin steigenden Leerständen: "Darüber können sich Mieter zwar freuen, die Belastung für Vermieter durch höhere Vermarktungskosten steigt aber," meint Hasenmaile

Das Überangebot sei insbesondere in den Agglomerationen spürbar, wo sich die rege Bautätigkeit vor allem bemerkbar mache. In den städtischen Zentren herrsche dagegen weiterhin Bodenknappheit und hohe Regulierungsdichte, was das Angebotswachstum hemme und Wohnraum knapp halte. Zudem erwarten die Experten eine weitere Senkung des Referenzzinssatzes im Sommer. Da gemäss Hasenmaile die daraus resultierende Mietzinssenkung vermehrt eingefordert werde, müssen Vermieter grundsätzlich mit weniger Mieteinnahmen rechnen. Dies sei auch bei Gewerbeobjekten beobachtbar.

NACHFRAGE NACH BÜROFLÄCHEN ERHOLT SICH LANGSAM

Da auch bei Gewerberäumen der Quadratmeterpreis sinke, steige aber die Nachfrage nach Büroflächen nach den Sparmassnahmen infolge des Frankenschocks wieder an. Die CS-Ökonomen gehen demnach davon aus, dass insbesondere das robuste Wirtschaftswachstum die Flächennachfrage im laufenden Jahr weiter ankurbeln dürfte.

Hier zeige sich im Gegensatz zum Wohnungsmarkt, dass sich die Leerstände auch in den teuren städtischen Regionen stabilisieren. Trotzdem gebe es noch keine Entwarnung. Der Abschwung verlangsame sich zwar, die Talsohle sei aber noch nicht erreicht, ist Hasenmaile überzeugt: "Die Leerstände verlagern sich einfach auf schlecht erschlossene und alte Büroflächen."

Hinzu komme die mittel- bis langfristige Nachfrageschwäche aufgrund der Digitalisierung. Da klassische Bürotätigkeiten wie die Buchhaltung oder Sekretariatsarbeiten zunehmend wegfallen, rechnen die Studienautoren mit dem Wegfall von bis zu 20% der Büronachfrage. Entscheidend sei daher, ob die Umschulung von Mitarbeitenden für komplexere Tätigkeiten schnell genug gelinge, um die Kosten für Büroflächen nicht ins Ausland zu verlagern. "Es bleibt daher abzuwarten, ob neue Tätigkeiten die wegrationalisierten Büroarbeitsplätze kompensieren", resümiert Hasenmaile.

sta/rw

(AWP)