Mittelständische Unternehmen sind optimistischer geworden

(Mit weiteren Details ergänzt) - Das Geschäftsklima in der Schweiz hat sich zwar zum ersten Mal seit drei Jahren wieder verbessert. Allerdings zeigt sich im Vergleich zum Vorjahr nur eine leichte Verbesserung. Damit sind die Unternehmen vorsichtiger als die Konsumenten.
07.02.2017 13:10

Die überwiegende Mehrheit mittelständischer Unternehmen in der Schweiz bewertet ihre aktuelle Geschäftslage positiv. Zudem bleiben die Firmen zuversichtlich, was ihre weitere Entwicklung anbetrifft. Das zeigt das Unternehmensbarometer 2017, das die Prüfungs- und Beratungsgesellschaft EY am Dienstag vorlegte.

Demnach hat sich das Geschäftsklima in der Schweiz, das ein Mittelwert aus Geschäftslage und Erwartungen ist, nun zum ersten Mal seit Anfang 2014 wieder verbessert.

Doch der Wert von 43,8 Punkten liegt im Vergleich zum Vorjahr zwar leicht höher, aber immer noch deutlich unter den 55,1 Punkten vom Jahresbeginn 2014 und ebenfalls unter dem Wert von 45,2 Punkten im Januar 2015, unmittelbar nach dem Frankenschock. Mit dem leichten Anstieg nun zu Beginn 2017 zeigt sich immerhin eine Trendwende.

UNTERNEHMEN FÜRCHTEN STARKEN FRANKEN

Die KMU sind damit zurückhaltender als die Konsumenten. Das Konsumklima hat sich, wie das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) am Dienstag mitteilte, deutlicher aufgehellt.

Laut Seco beurteilen die Konsumenten den Arbeitsmarkt in den nächsten 12 Monaten weniger pessimistisch als zuvor und sie erwarten eine bessere finanzielle Lage ihrer Haushalte. Deshalb liegt der Index der Konsumentenstimmung auf dem höchsten Stand seit Juli 2014.

Die mittelständischen Unternehmen als wichtigste Arbeitgeber in der Schweiz spiegeln diese Situation zwar. Aber für ihre vorsichtigere Stimmungslage sind vor allem der Mangel an Fachkräften auf dem Arbeitsmarkt und der starke Franken im Vergleich zum Euro, der Währung auf dem wichtigsten Aussenhandelsmarkt, ausschlaggebend.

So rechnet zwar ein grösserer Anteil als noch vor einem Jahr mit einer Verbesserung der Konjunktur. Aber die Mittelständler fürchten weiterhin den starken Franken. Dieser bremse viele Unternehmen in ihrer Entwicklung, schreibt EY.

FACHKRÄFTEMANGEL ALS WEITERES PROBLEM

Zudem hat sich gegenüber dem Vorjahr die Beschäftigungsdynamik leicht abgeschwächt: Wollten vor einem Jahr noch 23% der befragten 700 Unternehmen zusätzliche Mitarbeiter einstellen, waren es zum Jahreswechsel 2017 noch 21%.

Verschärft hat sich aus der Sicht der Unternehmen das Problem, geeignete Fachkräfte zu finden. Vor allem im Dienstleitungsbereich und besonders in der Deutschschweiz fällt es den Unternehmen eher oder sehr schwer, ausreichend qualifizierte Mitarbeitende zu finden. Insgesamt für 61% der befragten Unternehmen ist dies ein Problem.

Bei den mittelständischen Unternehmen ist denn auch, anders als bei den Konsumenten, die Stimmung schon nach Februar 2014 eingebrochen, nach der Annahme der Masseneinwanderungsinitiative.

Weiter abwärts ging es dann im Januar 2015, nachdem die Nationalbank den Franken-Euro-Mindestkurs aufgehoben hatte und sich die Unternehmen mit einem anhaltend starken Franken konfrontiert sahen. Die Konsumentenstimmung hingegen war erst nach dem Frankenschock eingebrochen.

ZUVERSICHTLICHE LIFE SCIENCE-BRANCHE

Hinsichtlich der Branchen zeigt das EY-Barometer, dass Unternehmen aus dem Bereich Life Sciences am zuversichtlichsten sind, was die aktuelle Geschäftslage als auch die Entwicklung der nächsten sechs Monate anbetrifft. In der Rangliste folgen die Dienstleistungsbranche, der Handel, die Branche Bau und Energie und die Industrie. Unternehmen aus der Romandie zeigen sich optimistischer als jene der Deutschschweiz und des Tessins.

Die überwiegende Zuversicht hat zur Folge, dass der Anteil jener Unternehmen gestiegen ist, die in den nächsten Monaten mehr investieren wollen. "So investitionsfreudig waren die Unternehmen zuletzt zu Jahresbeginn 2014", heisst es in der EY-Mitteilung.

Für das aktuelle Barometer wurden letzten Dezember 700 nicht börsennotierte Unternehmen mit 20 bis 200 Mitarbeitenden und einem Umsatz von 30 Mio bis über 100 Mio CHF befragt.

cp/

(AWP)