Nach Putschversuch senkt S&P die Kreditwürdigkeit der Türkei

LONDON (awp international) - Die Ratingagentur Standard & Poor's hat nach dem versuchten Militärputsch die Kreditwürdigkeit der Türkei um eine Stufe gesenkt. Die Bonitätsnote werde von bisher "BB+" auf "BB" reduziert, teilte S&P am Mittwoch in London an. Die Note rutscht damit noch tiefer in den sogenannten Ramschbereich. Gleichzeitig wird dem Land eine weitere Herabstufung angedroht: Der Ausblick für das neue Rating ist negativ.
20.07.2016 18:17

Nach dem gescheiterten Militärputsch habe sich die politische Landschaft weiter polarisiert und das Institutionengefüge sei weiter erodiert, begründete S&P die Entscheidung. Es stehe dem Land eine längere Phase der politischen Unsicherheit bevor. Dies dürfte die Kapitalzuflüsse aus dem Ausland belasten, so S&P. Die Türkei ist aufgrund ihres hohen Leistungsbilanzdefizits stark auf Kapitalzuflüsse angewiesen.

S&P hält eine weitere Verschlechterung der Wirtschafts- und Schuldenentwicklung für möglich. Daher sei der Ausblick für das Rating negativ. Die politische Unsicherheit könnte das Investitionsumfeld schwächen. Dies könnte den Druck auf die Leistungsbilanz verstärken.

Die beiden anderen grossen Ratingagenturen Moody's und Fitch bewerten die Türkei derzeit noch zwei Noten besser. Hier befindet sich die Bewertung noch nicht im Ramschbereich. Allerdings hat Moody's dem Land bereits am Montag eine Herabstufung angedroht. Der US-Dollar stieg zur türkischen Lira nach der S&P-Entscheidung auf einen Rekordstand von 3,0834 Lira./jsl/he

(AWP)