Notenbank von Neuseeland senkt Leitzins auf Rekordtief

(Ausführliche Fassung)
11.08.2016 10:05

WELLINGTON (awp international) - Die Notenbank von Neuseeland hat ihren Leitzins erwartungsgemäss auf den bisher niedrigsten Stand in der Geschichte gesenkt. Im Kampf gegen die zu geringe Inflation sei der Leitzins von 2,25 auf 2,0 Prozent reduziert worden, teilte die Zentralbank in der Nacht zum Donnerstag in Wellington mit. Von der Nachrichtenagentur Bloomberg befragte Experten hatten mit diesem Schritt gerechnet.

Jüngste Prognosen hätten gezeigt, dass eine weitere Lockerung der Geldpolitik notwendig sei, um das von der Notenbank anvisierte Inflationsziel zu erreichen, sagte Notenbankgouverneur Graeme Wheeler in einer Stellungnahme nach der Zinsentscheidung. Experten gingen nach den Aussagen davon aus, dass dem jüngsten Zinsschritt noch eine weitere Leitzinssenkung durch die neuseeländische Zentralbank folgen dürfte.

Eines der grössten Probleme für die Notenbank ist die ungewöhnlich schwache Inflation. Unter anderem sorgt eine vergleichsweise starke Währung dafür, dass die Inflation in Neuseeland auf einem historisch tiefen Niveau verharrt. Im Juli hatte die Inflation bei 0,4 Prozent gelegen und damit unter der von der Notenbank anvisierten Spanne von 1 bis 3 Prozent. Bereits seit mehr als einem Jahr liegt Teuerung in der Nähe der Nullmarke.

Ein Grund für die schwache Inflation ist der Wechselkurs. Eine starke Währung verbilligt die Importe und bremst somit die Preisentwicklung. Ausserdem behindert sie die Exporte und ist daher den Währungshütern des Landes ebenfalls ein Dorn im Auge. "Ein Rückgang des Wechselkurses ist nötig", hiess es in der Stellungnahme der Notenbank.

In der Regel reagieren Währungen mit Kursverlusten auf eine Lockerung der Geldpolitik. Beim Neuseeland-Dollar, oder auch Kiwi-Dollar genannt, zeigte sich am Morgen aber ein ungewöhnliches Bild: Trotz der Zinssenkung konnte die neuseeländische Währung auf breiter Front zulegen. Im Handel mit dem US-Dollar legte der Neuseeland-Dollar am Morgen um 0,8 Prozent zu, der Kurs stand zuletzt bei 1,3784 Kiwi-Dollar für einen US-Dollar.

Die ungewöhnliche Kursreaktion erklärte Devisenexperte Ulrich Leuchtmann von der Commerzbank mit einem Dilemma der Zentralbank in Wellington. Die Währungshüter hatten immer wieder deutlich gemacht, dass sie eine Abwertung des Kiwi-Dollars wünschen. Vor dem Hintergrund der hohen Erwartungen habe die Notenbank einfach zu wenig geliefert, um den gewünschten Effekt zu erzielen, sagte Leuchtmann./jkr/bgf/zb

(AWP)