OECD-Chef mahnt offene Märkte an - Spitzentreffen bei Merkel

(mehr Details und Hintergrund) - Der Chef der Industrieländerorganisation OECD, Ángel Gurría, hat vor Marktabschottung gewarnt und eine verstärkte internationale Kooperation angemahnt. "Offene Märkte bleiben die Garanten für Wachstum und Wohlstand", sagte Gurría der Deutschen Presse-Agentur vor einem Treffen von Kanzlerin Angela Merkel mit den Spitzen internationaler Finanz- und Wirtschaftsorganisationen am Montagabend in Berlin.
10.04.2017 12:54

Merkel setzt nach den Worten Gurrías mit dem Treffen "ein deutliches Zeichen für Multilateralismus und globale Zusammenarbeit". Weltwirtschaft und globaler Handel erholten sich nur schleppend: "Wir brauchen deshalb gezielte Reformen, die Wachstum und gleichzeitig den sozialen Zusammenhalt fördern."

Wirtschaftsministerin Brigitte Zypries erklärte: "Gerade jetzt, wo der Freihandel unter Beschuss ist, brauchen wir eine starke WTO." Deutschland setze sich mit der Welthandelsorganisation (WTO) gegen Abschottung und Protektionismus ein: "Denn sie führen in wirtschaftliche Sackgassen", sagte die SPD-Politikerin vor einem Treffen mit WTO-Generaldirektor Roberto Azevêdo.

Merkel trifft sich alljährlich mit den Spitzen internationaler Finanz- und Wirtschaftsorganisationen. An dem Treffen nimmt neben Gurría und Azevêdo auch die Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF), Christine Lagarde, teil. Vertreten sind zudem Weltbank-Präsident Jim Yong Kim und der Chef der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO), Guy Ryder.

Bei dem Treffen im Kanzleramt geht es um die Gefahr zunehmender protektionistischer Tendenzen. Unter US-Präsident Donald Trump, der die heimische Wirtschaft stärken will, droht ein Handelskrieg. Die neue US-Regierung hatte zuletzt signalisiert, stärker auf bilaterale Vereinbarungen zu setzen, statt auf multilaterale Regeln.

Deutschland hat in diesem Jahr den Vorsitz in der G20-Gruppe der führenden Industrie- und Schwellenländer und richtet Anfang Juli in Hamburg den Gipfel der G20-Staats- und Regierungschefs aus.

OECD-Chef Gurría forderte, internationale Regeln und Standards zu stärken. Er verwies auf die von der OECD angestossenen und von den Top-Wirtschaftsmächten G20 aufgegriffenen Massnahmen gegen Steuerflucht und unfaire Steuerpraktiken. Damit werde ein wichtiger Beitrag für mehr Steuergerechtigkeit geleistet. Auch könnten so Mittel für Zukunftsinvestitionen gesichert werden./sl/DP/jha

(AWP)