Leitzinsen USA - Ökonomen erwarten trotz Yellen-Aussagen keine rasche Zinserhöhung

US-Notenbankchefin Janet Yellen hat am Dienstag mit ihren Aussagen vor dem US-Senat die Märkte bewegt. Dabei hat sie den Märkten keine Neuigkeiten verkündet.
15.02.2017 12:35
Bewegte am Dienstag die Märkte, ohne etwas Neues zu sagen: US-Notenbankchefin Janet Yellen.
Bewegte am Dienstag die Märkte, ohne etwas Neues zu sagen: US-Notenbankchefin Janet Yellen.
Bild: Bloomberg

Falls die Wirtschaft wie erwartet auf Kurs bleibe, seien weitere Leitzinserhöhungen "wahrscheinlich angemessen", sagte Yellen. Zu lange mit Zinserhöhungen zu warten, könne unklug seien. Ökonomen rechnen überwiegend im Juni mit einer erneuten Leitzinsanhebung. Einig sind sie sich jedoch nicht.

Besonders profitierte der Dollar von den Yellen-Aussagen. "Vor dem Hintergrund, dass Yellen in ihrer Rede im Grunde genommen nur das Communiqué der letzten Fed-Sitzung wiedergegeben hat und somit eigentlich nichts Neues erzählt hat, erscheint die Reaktion etwas übertrieben", schreibt Devisenexpertin Thu Lan Nguyen von der Commerzbank.

Tatsächlich sei die dahinter stehende Logik aber nachvollziehbar. "Denn wenn die Fed auch ohne fiskalische Impulse oder protektionistische Massnahmen gedenkt , ihre Zinsen schneller als bisher anzuheben, wie aggressiv wird sie erst agieren, wenn Trump tatsächlich all seine Pläne umsetzt?", fragt die Analystin. Da in den USA Vollbeschäftigung erreicht sei, drohe bei einer zusätzlichen Stimulierung die Wirtschaft zu überhitzen und die Inflation zu überschiessen.

Uneinheitliche Konjunkturdaten

"Angesichts der hohen Unsicherheit um Trumps Fiskalpolitik hatten aber doch die meisten Finanzmarktteilnehmer damit gerechnet, dass die Fed mit einem Zinsschritt abwarten wird, bis Details zu Trumps Plänen veröffentlicht werden", erklärt Christiane von Berg, Analystin bei der BayernLB die Kursreaktionen. Yellens Äusserung spreche nun dafür, dass die Fed wohl nicht diese Geduld aufbringen wird, sondern ihre Geldpolitik nur an den Konjunkturdaten orientiert. Die BayernLB geht jedoch weiterhin davon aus, dass die Fed erst im Juni den nächsten Zinsschritt wagt und nicht schon im März. Schliesslich seien die Konjunkturdaten zuletzt uneinheitlich ausgefallen.

Die Analysten der Berenberg-Bank zeigen sich noch skeptischer mit Blick auf eine baldige Leitzinsanhebung. So habe sich die US-Wirtschaft in den vergangenen Jahren günstig entwickelt. Die Fed habe jedoch immer wieder unterschiedliche Begründungen gefunden, warum sie die Leitzinsen nicht angehoben habe. So seien auch die Voraussetzungen für eine Leitzinsanhebung im März gegeben. "Die Fed dürfte aber auch jetzt einen Grund finden, um eine Normalisierung der Zinsen zu verschieben", schreiben die Berenberg-Experten. Beim Bankhaus Metzler erwartet man sogar im gesamten Jahr keine Leitzinsanhebung.

Aus den Äusserungen der obersten US-Währungshüterin ergibt sich auch laut HSBC Trinkaus nicht, dass zwingend schon auf der nächsten FOMC-Sitzung im März mit einer weiteren Zinserhöhung zu rechnen ist. "So unterstrich Yellen die hohen Unsicherheiten, die mit der künftigen Fiskalpolitik der neuen US-Regierung verbunden sind und dass es zu signifikanten Änderungen in der Wirtschaftspolitik kommen könnte." Daher dürfte sie abwarten, um mehr Klarheit über diese Änderungen zu bekommen.

(AWP)