Ostschweizer Unternehmen rechnen mit schwierigem zweiten Halbjahr

Die Coronakrise hat auch die Ostschweizer Wirtschaft mit Wucht getroffen. Mit einer schnellen Erholung wird nicht gerechnet. Laut einer repräsentativen Umfrage waren neun von zehn Ostschweizer Unternehmen im ersten Semester mit deutlichen Erschwernissen in ihrer Geschäftsentwicklung konfrontiert und rund ein Drittel beurteilt die Geschäftsentwicklung insgesamt als "schlecht".
01.09.2020 11:07

Die Lage scheine sich insgesamt nur langsam zu normalisieren und bleibe fragil, wie die Industrie- und Handelskammer (IHK) St. Gallen-Appenzell und die IHK Thurgau am Dienstag schreiben. Während die Corona-Fallzahlen schweizweit wieder ansteigen, zeige die jüngste Umfrage, dass die Ostschweizer Unternehmen einem schwierigen zweiten Halbjahr gegenüberstünden.

Demnach war die Maschinen-, Elektro- und Metallindustrie (MEM-Industrie) von der Krise besonders stark betroffen. Die Mehrheit der befragten Unternehmen in diesem Sektor erwartet auch im zweiten Semester anhaltende Erschwernisse. Rund zwei Drittel rechnen nicht mit einem allgemeinen Aufholeffekt ist bis Ende Jahr, auch wenn die Umsätze nicht mehr so drastisch zurückgehen dürften wie im ersten Halbjahr.

Besser war die Lage im Baugewerbe. Hier seien nur geringe oder keine Umsatzeinbussen verzeichnet worden. Für das zweite Halbjahr wird jedoch auch hier eine Eintrübung erwartet.

Minderheit plant Anpassung der Läger

Durch die Grenzschliessungen wurden die internationalen Lieferketten teilweise oder ganz unterbrochen betonen die IHKs. Ende April war rund ein Viertel der befragten Unternehmen davon betroffen. Nun würde rund ein Drittel eine Anpassung der Lieferketten anstreben. Im Fokus stehe dabei die Überprüfung der bestehenden internationalen Lieferketten, der Aufbau von zusätzlichen Kanälen oder eine Konzentration auf europäische und inländische Partner. Die Mehrheit plane aber keinen Ausbau der Lagerkapazitäten und 7,2 Prozent würden sogar einen Abbau planen, wie es weiter heisst.

Eine zweite Welle könnte die Wirtschaft erneut hart treffen, heisst es weiter. Ein Grossteil der Ostschweizer Unternehmen wäre für eine mögliche zweite (Teil-)Lockdown-Phase nicht genügend vorbereitet, so die Autoren der Studie. Zwar würden mehr als 60 Prozent der befragten Unternehmen angeben, über Schutzkonzepte und die technische Infrastruktur zu verfügen. Weniger als die Hälfte besitze jedoch die notwendigen liquiden Reserven.

Nur knapp 30 Prozent nutzten Corona-Kredite

Im Frühjahr hätten nur knapp 30 Prozent der befragten Unternehmen einen staatlich verbürgten Überbrückungskredit beantragt, davon 85 Prozent als Vorsichtsmassnahme. Mit einer grösseren Konkurswelle rechnen rund 44 Prozent der Unternehmen, eine knappe Mehrheit rechnet nicht damit.

Auf ein rasches Ende der Krise hoffen immer weniger Firmen. Rund 70 Prozent rechnen auch im zweiten Halbjahr mit einer niedrigeren Nachfrage. 80 Prozent der Befragten glauben, dass die Erschwernisse über neun Monate andauern werden, im April waren dies rund 43 Prozent. Knapp 40 Prozent würden sogar von einer Dauer von über einem Jahr ausgehen.

Die Umfrage wurde zwischen dem 24. und dem 27. August bei Unternehmen in den Kantonen St. Gallen, Appenzell Ausserhoden und Innerrhoden sowie Thurgau durchgeführt. Insgesamt haben 457 Unternehmen daran teilgenommen.

yr/kw

(AWP)