Pensionskassen erzielen 2016 mit mehr Risiko höhere Renditen

(Zusammenfassung) - Die Schweizer Pensionskassen sehen sich im schwierigen Zinsumfeld insgesamt gut aufgestellt. Zu diesem Schluss kommt der Fondsanbieter Swisscanto in seiner diesjährigen Pensionskassen-Studie. Die im Vergleich zum Vorjahr höheren Renditen gehen aber einher mit grösseren Risiken und tieferen Umwandlungssätzen.
17.05.2017 15:05

Konkret haben die Schweizer Vorsorgeeinrichtungen im Anlagejahr 2016 im Durchschnitt eine Rendite von 3,6% erzielt. Im Vorjahr waren es gerademal 1,1% gewesen. Die deutliche Steigerung ist laut der "Schweizer Pensionskassenstudie 2017" der ZKB-Tochter Swisscanto anlageseitig auf höhere Risiken und leistungsseitig auf die Senkung des technischen Zinssatzes sowie der Umwandlungssätze zurückzuführen.

LEISTUNGEN WEITER ABBGEBAUT

Dass aber weiterhin Handlungsbedarf hinsichtlich Renditenerhalt bestehe, zeige sich an den im Schnitt verfehlten Zielrenditen in den letzten zehn Jahren, wurde betont. Daher müsse im Zuge der Rentenreform 2020 auch der Einnahmeseite der 2. Säule mehr Beachtung geschenkt werden, sagte Iwan Deplazes, Leiter Asset Management bei Swisscanto, am Mittwoch. "Wenn das Potenzial des 'dritten Beitragszahlers' - also der Kapitalerträge - genutzt wird, können die Pensionskassen ihre Renditen elegant verbessern", ist er überzeugt.

Leistungsseitig haben die Kassen nämlich den Umwandlungssatz weiter gesenkt. Er beträgt jetzt im Durchschnitt noch 6,0%. 2016 verzinsten die Kassen das Altersguthaben der einzahlenden Versicherten im Durchschnitt noch mit 1,72%. Dem Guthaben der Rentner dagegen wurde ein Zins von 2,53% gutgeschrieben. Die Umverteilung zugunsten der Pensionierten hält demnach an.

Der Unterschied zwischen den Kassen sei aber immer noch gross, meinte Swisscanto-Geschäftsführer Othmar Simeon. So wendeten die grosszügigsten Kassen noch immer einen Umwandlungssatz von 7,2% an. Andere dagegen hätten diesen Satz auf 4,0% gesenkt, womit eine Pensionskasse kaum noch Sinn mache. Denn das bedeute eine Null-Rendite, so Simeon. In einem solchen Fall würde demnach ein Versicherter meist besser fahren, wenn er sich das gesamte Altersguthaben auszahlen lasse.

ANLAGERISIKO LEICHT ERHÖHT

Hinzu komme, dass die Kassen vermehrt höhere Risiken eingehen. Die Aktienanteile und Immobilienanlagen stiegen um je 0,6 Prozentpunkte auf 30,7% respektive 22,5% an. In der Anlageklasse der alternativen Anlagen haben die Investitionen von 6,1% auf 6,3% zugenommen, wobei vor allem grössere Kassen verstärkt in die gesetzlich begrenzte Anlageklasse investieren. Gerade hier gebe es aber noch viel Luft nach oben, so Deplazes.

Noch scheuten sich aber viele Vorsorgeeinrichtungen, die Obergrenzen der alternativen Anlagen auszureizen. Sei es aufgrund des hohen Risikos, der mangelnden Transparenz oder der zu hohen Kosten. Aktuell liege der Anteil alternativer Anlagen bei 6,3% und damit weit weg von der verordneten Obergrenze von 15%. Zudem werde das Spektrum alternativer Anlagen vor allem von grossen Pensionskassen genutzt, kleine Vorsorgeeinrichtungen stehen derweil laut Deplazes "an der Seitenlinie, was Performance kostet".

AUFHEBUNG DER OBERGRENZEN GEFORDERT

Fast jede zweite Pensionskassen sei zudem der Ansicht, dass die Verordnungen zur Anlagegestaltung zu starr sind. Und rund zwei Drittel der insgesamt 507 befragten Vorsorgeeinrichtungen würden es laut Studie begrüssen, wenn die verordneten Obergrenzen bestimmter Anlageklassen fallen würden.

Zudem verfüge eine Pensionskassen grundsätzlich über den notwendigen langfristigen Anlagehorizont dafür. Die zuständigen Behörden sollten diese Notwendigkeit erkennen und es den Pensionskassen ermöglichen, neue Wege einzuschlagen, heisst es im Fazit der Studie.

Swisscanto hat für die Pensionskassenstudie die Daten von 507 Vorsorgeeinrichtungen gesammelt, die insgesamt 3,6 Millionen Versicherte aufweisen und ein Vermögen von 650 Mrd CHF verwalten. Damit deckt die Studie gemäss Swisscanto rund 80% des Schweizer Vorsorgemarktes ab.

sta/rw

(AWP)