Pensionskassen und Staat sollen beim Umbau der Industrie helfen

Digitalisierung und der starke Franken stellen die Schweizer Industrie vor Herausforderungen. Swissmem-Präsident Hans Hess will diesen mit Geld von den Pensionskassen für Risiko-Finanzierungen und mit Hilfe des Staates beim Aufbau eines dualen Erwachsenen-Bildungssystems begegnen.
18.06.2017 10:29

Mehr als die Hälfte der Schweizer Unternehmen im Bereich Maschinenbau, Metallindustrie, Präzisions- und Elektrotechnik haben 2016 zu wenig Gewinn erwirtschaftet, um ausreichend investieren zu können, konstatiert der Präsident des Branchenverbands Swissmem, Hans Hess, im Interview mit dem "SonntagsBlick".

Hingegen gebe es so viel Geld in der Schweiz, aber es fehle an Risikobereitschaft, diese Geld innovativen Firmen zur Verfügung zu stellen. "Ich kämpfe schon lange darum, dass nur ein einziges Prozent der Pensionskassengelder mit etwas mehr Risiko angelegt werden kann", sagte Hess. Er denkt dabei an die Finanzierung von Start-ups oder KMU.

Und von den Mitarbeitenden erwartet er die Bereitschaft, dass sie im Zusammenhang mit dem Wandel der Branche umdenken. Es reiche nicht mehr, sich "ein bisschen" weiterzubilden. Vielmehr müsse man sich heute darauf einstellen , im Leben mehrere Jobs zu erledigen.

Dazu brauche es ein "neues Erwachsenen-Bildungssystem, das auf dem dualen System" aufgebaut sei. Aber: "Das kann die Wirtschaft nicht alleine bewältigen", sagte Hess. Neben den Sozialpartnern oder den Bildungsinstituten müsse auch der Staat daran arbeiten. "Denn Arbeitslosigkeit ist allemal teurer als Umschulung", so Hess. Darüber hinaus sei die bessere Vernetzung von Industrie und Hochschulen "ein wichtiges Thema".

"Es gibt keine Deindustrialisierung"

Hess sieht jedoch die Maschinenindustrie nicht vor dem Untergang. Auch wenn nach der Aufhebung des Mindestkurses im Januar 2015 in der Schweizer Industrie rund 13'000 Stellen verloren gegangen seien, zeigt sich Hess überzeugt, dass es "gar keine Deindustrialisierung"gebe. Vielmehr sieht der Swissmem-Präsident hier eine Chance für Innovation, die er als "Lebenselixier" bezeichnet. Digitalisierung und starker Franken sind demnach laut Hess Herausforderung und Chance gleichermassen.

Dennoch räumt er ein, dass gewisse Arbeitsplätze verschwinden, "aber auch neue entstehen" werden. Dabei setzt er auf das Prinzip Hoffnung: "Dank der Digitalisierung werden wir in der Schweizer Industrie hoffentlich mehr Jobs neu schaffen, als alte verloren gehen."

(AWP)