Präsident der deutschen Bundesbank mahnt zur Vorsicht bei EZB-Programms

HAMBURG/FRANKFURT (awp international) - Bundesbankpräsident Jens Weidmann hat zur Vorsicht bei Änderungen des Anleihekaufprogramms der Europäischen Zentralbank (EZB) gemahnt. "Wir müssen aus meiner Sicht sehr vorsichtig bei der Ausgestaltung sein", sagte Weidmann in einem am Donnerstag veröffentlichten Interview mit der Wochenzeitung "Die Zeit". Vor dem Hintergrund, dass es für die EZB am Markt für europäische Staatsanleihen immer schwieriger wird, geeignete Staatspapiere zu kaufen, räumte EZB-Ratsmitglied Weidmann aber ein: "Mit Blick auf das Programm gibt es Anpassungsmöglichkeiten."
04.08.2016 10:26

Die EZB kauft derzeit Anleihen am Markt in einem Volumen von durchschnittlich 80 Milliarden Euro pro Monat. Dabei geht die Notenbank nach einem selbst auferlegten Regelwerk vor, das den Kauf von Staatsanleihen beschränkt. Zuletzt gab es immer wieder die Befürchtung, dass für das umfangreiche Kaufprogramm der EZB künftig nicht mehr genügend Anleihen am Markt zur Verfügung stehen.

Weidmann sprach sich in diesem Zusammenhang strikt dagegen aus, beim Kauf von Staatsanleihen die nationalen Quoten auf Basis des Kapitalschlüssels der EZB zu ändern. Hier wird festgelegt, wie hoch der Anteil der Staatsanleihen der jeweiligen Mitgliedsländer ist, der von der EZB gekauft werden darf. "Wenn wir einzelnen Ländern Sonderkonditionen einräumen oder uns auf besonders hoch verschuldete Länder stärker konzentrieren, dann verwischen wir damit die Grenzen zwischen der Geldpolitik und der Fiskalpolitik immer weiter", warnte der Bundesbankchef.

Dagegen sieht Weidmann derzeit noch kein grösseres Problem durch das Brexit-Votum der Briten. "Mein Eindruck ist, dass sich der konjunkturelle Ausblick für den Währungsraum durch das Brexit-Votum nicht grundlegend ändert", sagte er. Es dürfte zwar einen kleinen Dämpfer geben, aber insgesamt werde sich die Aufwärtsbewegung fortsetzen. Allerdings räumte Weidmann ein, dass es derzeit "eine ausgeprägte Unsicherheit" gebe. "Wir müssen erst die allmählich eingehenden Wirtschaftsindikatoren abwarten, um die Konsequenzen des Brexit-Votums besser abschätzen zu können", sagte der Notenbanker./jkr/tos/fbr

(AWP)