Preise in Eurozone ziehen spürbar an - Deutschlands Inflation auf Zweijahreshoch

(Ausführliche Fassung)
28.10.2016 14:49

WIESBADEN/MADRID/PARIS (awp international) - In führenden Volkswirtschaften der Eurozone ist nach einer langen Phase mit stagnierenden oder fallenden Preisen wieder eine spürbare Inflation zu verzeichnen. Im Oktober haben die Verbraucherpreise im Jahresvergleich in Deutschland und Spanien unter anderem wegen steigender Energiekosten zugelegt. In Deutschland erreichte die Inflation den höchsten Stand seit zwei Jahren. In Spanien legten die Verbraucherpreise erstmals seit Mai 2014 wieder zu. In Frankreich verharrte die Inflation bei 0,5 Prozent. Der Anstieg im September war der grösste seit Oktober 2014.

Für Deutschland meldete das Statistische Bundesamt am Freitag einen Anstieg der Verbraucherpreise im Oktober um 0,8 Prozent im Jahresvergleich. Die Inflation erreichte damit den höchsten Stand seit Oktober 2014. Volkswirte hatten mit diesem Anstieg gerechnet. Seit dem Frühjahr sind die deutschen Verbraucherpreise in der Tendenz gestiegen. Im Vergleich zum Vormonat meldete das Statistische Bundesamt für Oktober einen Preisanstieg um 0,2 Prozent.

LICHTBLICK IN SPANIEN

Der für europäische Zwecke berechnete Harmonisierte Verbraucherpreisindex (HVPI) für Deutschland legte im Oktober im Jahresvergleich voraussichtlich um 0,7 Prozent zu. Im Vormonat hatte die Rate noch bei 0,5 Prozent gelegen. Im Vergleich zum Vormonat kletterte der HVPI um 0,2 Prozent und damit etwas stärker als von Ökonomen erwartet.

Einen überraschend deutlichen Anstieg der Inflation gab es in Spanien. In der viertgrössten Volkswirtschaft der Eurozone sind die Preise im Oktober nach den für den europäischen Vergleich harmonisierten Daten erstmals seit mehr als zwei Jahren wieder gestiegen. Anfang 2015 waren die Preise noch um 1,5 Prozent gesunken. Seit diesem Frühjahr hat die Teuerung in Spanien Stück für Stück zugelegt und den negativen Bereich zuletzt verlassen.

ÖLPREISE SORGEN FÜR STEIGENDE INFLATION

In Frankreich haben die Verbraucherpreise im Oktober hingegen stagniert, die Inflation liegt aber nach europäischen Massstäben mit 0,5 Prozent weiter deutlich über der Nullmarke.

Die Rückkehr der Inflation im Euroraum ist vor allem durch die zuletzt gestiegenen Ölpreise zu erklären, die Energie im Währungsraum teurer machen. "Die Energiepreise werden die Inflation auch in den kommenden Monaten kräftig anschieben", sagte Experte Marco Wagner von der Commerzbank.

GELDFLUT DER EZB

Allerdings geht Wagner davon aus, dass die Kerninflation ohne die schwankungsanfälligen Preise für Energie und Nahrungsmittel vergleichsweise schwach bleiben wird. "Dies dürfte für die Europäische Zentralbank (EZB) einer der Gründe sein, ihre Geldpolitik im Dezember ein weiteres Mal zu lockern", sagte der Commerzbank-Experte.

Die Europäische Zentralbank (EZB) strebt für den gesamten Währungsraum eine Inflationsrate von knapp zwei Prozent an. Sie versucht dies durch eine lockere Geldpolitik zu erreichen. Die Notenbank sorgt für eine beispiellose Geldflut im Währungsraum, indem sie jeden Monat Anleihen in einem Volumen von 80 Milliarden Euro kauft./jkr/jsl/stb

(AWP)