Rasche US-Zinserhöhung nach Konjunkturdaten unwahrscheinlich

Washington (awp/sda/reu) - Nach eher enttäuschenden Konjunkturdaten rechnen viele Ökonomen nicht mehr mit einer Zinserhöhung der US-Notenbank noch in diesem Monat. Während die Industrie ihre Produktion im August unerwartet kräftig drosselte, sanken die Detailhandelsumsätze laut Handelsministerium überraschend stark um 0,3 Prozent zum Vormonat.
15.09.2016 18:58

"Die Zahlen tragen insgesamt nicht zu einer Belebung der US-Zinsfantasien bei", sagte Ökonomin Viola Julien von der Landesbank Helaba am Donnerstag. Auch James Knightley von der Grossbank ING geht nicht davon aus, dass die Federal Reserve (Fed) bei ihrer bevorstehenden Sitzung die Geldpolitik strafft. "Eine Mischung aus schwachen Konsumdaten und geringem Preisdruck dürfte die feste Erwartung schüren, dass die Fed ihren Kurs nächste Woche nicht ändert."

Im Dezember 2015 hatte die US-Notenbank erstmals seit fast zehn Jahren den Schlüsselsatz für die Versorgung der Banken mit Geld wieder angehoben. Seitdem liegt er in einer Spanne zwischen 0,25 und 0,5 Prozent. Viele Experten rechnen damit, dass die Fed auf ihrer Sitzung am 20. und 21. September noch stillhält und frühestens im Dezember - und damit nach der US-Präsidentenwahl - die Zinsen anheben wird.

Denn Äusserungen von Fed-Vertretern hatten kürzlich die Annahme gestützt, dass ein baldiger Schritt unwahrscheinlich sein dürfte. So warnte die einflussreiche Notenbank-Direktorin Lael Brainard vor einem zu frühen Ende der lockeren Geldpolitik zur Stützung der Wirtschaft.

Die Detailhändler hatten im Juli ihre Erlöse noch leicht um 0,1 Prozent gesteigert. "Besonders der jetzt rückläufige Detailhandel enttäuscht, denn der Konsum stellt das Rückgrat der US-Wirtschaft dar", sagte Helaba-Analystin Julien. Grund für die Schwäche im August war vor allem das Autogeschäft, das um 0,9 Prozent zurückging.

Auch von der Industrie kamen wenig vielversprechende Daten. Die Betriebe stellten nach Fed-Angaben im August 0,4 Prozent weniger her als im Vormonat. Von Reuters befragte Ökonomen hatten nur mit einem Rückgang um 0,3 Prozent gerechnet, nach einem Anstieg von 0,6 Prozent im Juli.

In der Stagnation der Erzeugerpreise sehen viele Ökonomen einen weiteren Beleg dafür, dass die Fed unter ihrer Chefin Janet Yellen nächste Woche zunächst noch abwarten wird. Denn die Preise - auch für die Konsumenten - steigen derzeit kaum. "Eine Erhöhung im September ist einfach zu früh", sagte Brittany Baumann vom Finanzdienstleister TD Securities in New York mit Blick auf die Notenbank.

(AWP)