Reiseland Bulgarien rechnet mit Rekordjahr

Sofia (awp/sda/dpa) - Nach terroristischen Anschlägen in Ägypten, Tunesien, Frankreich und der Türkei erwartet das als sicher gelobte Reiseland Bulgarien eine rekordverdächtige Sommersaison. "Wir hatten das beste Halbjahr seit der politischen Wende 1990", sagte Tourismusministerin Nikolina Angelkowa in Sofia.
21.08.2016 13:41

Grund sind insbesondere Touristen aus Deutschland und Russland. Allein im Juni reisten mehr als 120'000 Deutsche in das Schwarzmeerland, ein Plus von 65 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat. Im gesamten Jahr 2015 waren es gut 825'000 Touristen aus Deutschland gewesen.

Eine wichtige Rolle spielen auch russische Reisende, die sich aufgrund der ähnlichen Sprache und der gemeinsamen orthodoxen Religion eng mit Bulgarien verbunden fühlen. "Wir haben die russischen Touristen zurückgeholt", erklärte Angelkowa.

Im Mai stieg die Zahl der russischen Touristen um gut ein Fünftel im Vergleich zum Vorjahresmonat. Das hatte auch politische Gründe: angesichts der monatelangen politischen Spannungen zwischen Moskau und Ankara war die Türkei bis vor kurzem als Tourismusort weggebrochen.

Und auch das beliebte Ziel Ägypten hat seit dem Anschlag auf ein russisches Passagierflugzeug über dem Sinai deutlich an Zugkraft verloren.

13 Prozent des BIP

"Ich hoffe, dass wir mit diesem Tempo weitermachen, so dass wir das erfolgreichste Jahr für den bulgarischen Tourismus verzeichnen können", sagte Angelkowa. 2015 hatte Bulgarien etwa 7,1 Millionen Feriengäste aus dem Ausland gezählt - das entspricht etwa einem Touristen je Einwohner. Im ersten Halbjahr 2016 kamen rund 3,1 Millionen Touristen.

Tourismus ist ein wichtiger Faktor im ärmsten Land der Europäischen Union: Der Fremdenverkehr steuert 13 Prozent zur Wirtschaftsleistung bei. Die Einnahmen beliefen sich 2015 auf 10,5 Milliarden Lewa (5,8 Mrd. Fr.). Die Branche beschäftigt 338'000 Menschen.

Alternative zu Ibiza

Eine der wichtigsten Ferienhochburgen ist die Bucht von Burgas am Schwarzen Meer, rund um die viertgrösste Stadt Bulgariens. Die Region ist vor allem bei jüngeren Leuten als günstiger Gegenentwurf zu Ibiza beliebt. Denn Orte wie Slantschew Brjag (Sonnenstrand) locken mit vielen Clubs und Discos sowie im EU-Vergleich sehr niedrigen Preisen für Bier und Spirituosen.

Ausser Partygästen setzt Bulgarien, das bereits vor der politischen Wende ein beliebtes Badeziel im einstigen Ostblock war, auch auf anspruchsvolle Touristen. Mit archäologischen Sehenswürdigkeiten, Skiorten und Wellnesszentren will das Land zum Ganzjahres-Reiseziel werden.

(AWP)