Risikomanagement von Schweizer Unternehmen laut Studie ausbaubar

Luzern (awp) - Viele Schweizer Unternehmen verkennen die Risiken ihres ökonomischen Umfelds. Eine grosse Mehrheit fördert zwar das Risikomanagement und erachtet dieses als wichtig, räumt aber laut einer Studie des Instituts für Finanzdienstleistungen Zug (IFZ) der Hochschule Luzern in Zusammenarbeit mit SwissERM der Risikobereitschaft einen zu geringen Stellenwert ein.
28.11.2016 14:55

Hiesige Firmen verfügen laut IFZ zwar über effektives Risikomanagement, zeigen aber Nachholbedarf hinsichtlich ihrer Risikopolitik und ihres Verhaltens- und Ethikkodex. Diese seien meist nur unzureichend dokumentiert und nur die Hälfte aller untersuchten Unternehmen sei sich diesem Risiko bewusst: "Mit der Risikopolitik werden die Grundsätze festgehalten, wie Risiken identifiziert, bewertet und gesteuert werden", so der Risikoexperte Stefan Hunziker von der Hochschule Luzern. Fehle ein solches Papier, fehle eine wichtige Grundlage für das Risikomanagement.

RISIKOFAKTOR FINANZEN

Gemäss der am Montag veröffentlichten Studie stehen finanzielle Risiken bei der Mehrheit der Unternehmen an erster Stelle. 90% der Firmen berücksichtigen diese bei der Risikoidentifikation mehrheitlich oder vollständig, heisst es. Strategische Risiken werden hingegen nur von 78% beachtet. Die geringste Aufmerksamkeit erhalten Reputations- und Technologierisiken bzw. -chancen. Je ein Drittel der Unternehmen benennt diese Risikokategorien nicht oder nur teilweise als Bestandteil des Risiko-Chancen-Profils.

Die Grundlage für erfolgreiches Risikomanagement sei aber gegeben, da sich mehr als drei Viertel der befragten Unternehmen explizit zu ethischem und integerem Verhalten bekennen. "Dieser sogenannte 'tone at the top' stellt die Basis für ein erfolgreiches Risikomanagement dar", so Hunziker. Wenn Verwaltungsrat und Geschäftsleitung demnach eine Vorbildfunktion einnähmen, habe dies einen positiven Einfluss auf das Risikobewusstsein bei der Belegschaft. Dabei könnte gerade dies den Unternehmen helfen, mögliche erfolgskritische Szenarien rechtzeitig zu erkennen und sich darauf vorzubereiten.

RISIKOMANAGER IM FOKUS

Positiv sehen die Studienautoren aber, dass mit 79% ein Grossteil der Unternehmen Risiken im Strategieentwicklungsprozess berücksichtigt und mit einbezieht, wenn eine neue Strategie evaluiert wird (77%). Damit man aber sinnvolle strategische Entscheide fällen kann, brauche es ein Umdenken vom traditionellen zum modernen Risikomanagement. Konkret soll der Risikomanager nicht als "Verhinderer" gesehen werden, sondern als "Ermöglicher" oder "Abwäger".

Als Fazit halten die Autoren fest, dass in hiesigen Unternehmen noch viel Potenzial brach liege. Das Risikomanagement sei zwar ein unumstrittenes und vielbeachtetes Thema, führe aber nur dann zu Mehrwert, wenn Firmen einen Bezug zum strategischen Management herstellen können und die Risikobereitschaft klar definieren sowie die Wirksamkeit regelmässig prüfen.

Die Ergebnisse basieren auf den Antworten der "Enterprise Risk Management 2016" Studie unter 189 Unternehmen, die mehr als 50 Vollzeitmitarbeitende zählen.

sta/cp

(AWP)