Schöne neue Welt einer Gesellschaft uralter Menschen

Basel (awp/sda) - Novartis-Chef Joe Jimenez will das Prinzip des Alterns umkehren mit sogenannter regenerativer Medizin. Dank solcher Technologie werde sich die Lebenserwartung der Menschen in den nächsten 20 Jahren "dramatisch erhöhen".
04.12.2016 11:42

Novartis habe eine Plattform für regenerative Medizin, sagte Jimenez im Interview mit dem "SonntagsBlick": "Wir forschen, wie man Muskeln, Seh- und Hörvermögen wie auch Knorpel regenerieren kann."

Als Beispiel führt er Muskeln an, die sich ab dem 50. Lebensjahr nicht mehr selbst regenerieren. Diesen Effekt will Jimenez umkehren. Nachlassendem Hörvermögen will er eine Gentherapie entgegensetzten. Damit sollen Stammzellen stimuliert werden, Hörzellen zu vermehren. "Es funktioniert bei Tieren. Beim Menschen testen wir es gerade", sagt der Novartis-Chef.

Damit in einem "substantiell" höheren Alter auch die Lebensqualität noch stimmt, forscht Novartis an der Behandlung von Alzheimer. Der amerikanische Konkurrent Eli Lilly hatte damit jüngst einen Rückschlag einstecken müssen.

Doch Jimenez gibt sich für Novartis zuversichtlich: "Wir glauben, dass Alzheimer am besten behandelt werden könnte, indem man die Krankheit zu einem Zeitpunkt verlangsamt oder gar stoppt, bevor die Symptome eingesetzt haben." Für die Resultate dieser Forschung vertröstet er auf "bis zu zehn Jahre".

Auf konkrete Zahlen, wie alt Menschen künftig werden, lässt er sich nicht ein. Konsequenz werde jedoch sein, dass sich das Rentenalter erhöhe. Die Menschen werden künftig wohl länger arbeiten.

Konzern soll sparen

Was den Konzern Novartis anbetrifft, will Jimenez ab 2020 in der Produktion jährlich eine Milliarde Dollar sparen. Über den gesamten Konzern betrachtet, soll dieses Sparprogramm dennoch keine Stellen kosten. "Wir bauen nicht ab, verlagern aber einzelne Stellen in Länder mit tieferen Kosten." Servicecenter habe Novartis in Mexiko, Prag, Dublin, Kuala Lumpur und Hyderabad.

Weil gleichzeitig der Hauptsitz der Onkologie-Einheit nach Basel verlegt und die biotherapeutische Forschung in Basel und Cambridge konzentriert werden soll, entstehen hier jedoch auch neue Jobs, versichert Jimenez.

Die enttäuschende Entwicklung der Augensparte Alcon kommentiert der Konzernchef selbstkritisch: "Heute ist klar, dass wir früher und entschlossener hätten intervenieren müssen." Novartis hatte Alcon im Jahr 2010 von Nestlé für 51 Milliarden Franken übernommen - der damals teuerste Deal einer Schweizer Firma. Heute sagt Jimenez: "Was die Zukunft des Geschäfts betrifft, lassen wir uns alle Optionen offen."

(AWP)