Schweizer hinken bei Iran-Geschäften deutlich hinterher

Zürich (awp/sda) - Die Geschäfte von Schweizer Unternehmen mit der Iran haben nach Aufhebung der Sanktionen noch nicht an Fahrt gewonnen. Die Schweizer Exporte in die Islamische Republik brachen von Januar bis Juli sogar um 66% auf rund 236 Mio CHF ein.
23.08.2016 17:00

Dies geht aus den neuesten Zahlen zum Aussenhandel der Eidgenössischen Zollverwaltung vom Dienstag hervor. Als Hauptgrund für diesen starken Rückgang gibt die Behörde an, dass im Vorjahresvergleich fast sämtliche Ausfuhren an Edelmetallen und Schmucksteinen, also auch an Gold- und Silberbarren, im Wert von rund 458 Mio CHF wegfielen.

Exportschlager der Schweiz nach Iran waren in den ersten sieben Monaten aber chemisch-pharmazeutische Produkte, deren Ausfuhrwert sich um 3% auf rund 136 Mio CHF erhöhte. Als zweitgrösste Kategorie bei den Exporten legten Präzisionsinstrumente, Uhren und Bijouterie um rund 6% auf rund 49 Mio CHF zu.

FAST NUR EBBE

Von einem Ausfuhrboom bei Schweizer Maschinen und Elektronik in die Islamische Republik kann derzeit auch keine Rede sein. Die Exporte dieser Warengruppe waren rückläufig und sanken von Januar bis Juli im Vorjahresvergleich um 4% auf lediglich noch 29 Mio CHF.

Ganz anders sieht es dagegen beim Exportweltmeister Deutschland aus. Laut einer Meldung der Nachrichtenagentur Reuters vom Montag betrugen die Exporte aus dem "grossen Kanton im Norden" nach Iran allein im ersten Halbjahr, also sogar ohne den Monat Juli, rund 1,1 Mrd Euro und erhöhten sich damit um rund 15% gegenüber dem Vorjahr.

Die Iran-Geschäfte der Deutschen legten darüber hinaus überproportional zu den gesamten Ausfuhren zu, die im ersten Semester nur um 1,4% stiegen.

ANDERE SEHR ERFOLGREICH

Für das Gesamtjahr rechnet die Deutsch-Iranische Handelskammer laut Reuters mit einem Zuwachs zwischen 20 und 25%. Für 2017 erwartet die Institution sogar einen weiteren Anstieg der deutschen Ausfuhren in die Islamische Republik um 30%.

Diese Zahlen zeigen, dass Schweizer Unternehmen beim Export in den rund 80 Mio Einwohner zählenden Absatzmarkt Iran durchaus noch viel Potenzial haben. Der Staatsbesuch von Bundespräsident Johann Schneider-Ammann im Februar 2016 in die Islamischen Republik, mit dem er Türöffner für Schweizer Firmen spielen wollte, trug offenbar bisher noch kaum Früchte.

mk

(AWP)