Schweizer Hochbau schwächt sich 2016 ab - grössere Dynamik in 2017 erwartet

Basel (awp) - In der Schweiz dürfte sich die Dynamik im Hochbau im laufenden Jahr abschwächen. Die Ökonomen von BAK Basel prognostizieren für 2016 ein Wachstum der realen Hochbauinvestitionen um 0,6%, nachdem dieses im Vorjahr bei 2,0% zu liegen kam. Für das Jahr 2017 wird wieder mit einer schwungvolleren Entwicklung gerechnet. Der Anstieg der Hochbauaufwendungen wird auf +1,7% veranschlagt. Mittelfristig prognostiziert BAK Basel ein Wachstum um 0,9% pro Jahr.
08.09.2016 10:17

Das schwächere Wachstum im laufenden Jahr führen die Ökonomen in einer Mitteilung vom Donnerstag unter anderem auf den Wohnungsbau zurück. Hier steige die Nachfrage nicht mehr so stark, da die Nettozuwanderung nachgelassen hat und das in vielen Regionen hohe Preisniveau ein Hindernis beim Immobilienkauf für zahlreiche Haushalte darstelle. Der Wohnbau im Alpenraum werde zudem weiterhin durch die Nachwirkungen der Zweitwohnungsinitiative belastet.

Im Betriebsbau - womit die Erstellung von Büro- und Gewerbeliegenschaften gemeint ist - bremse der anhaltend starke Franken und die Unsicherheit über die Umsetzung der Masseneinwanderungsinitiative und der Unternehmenssteuerreform III die Investitionsbereitschaft der Unternehmen. Auch im Infrastrukturbau rechnen die Experten von BAK Basel nach dem Boom der letzten Jahre mit einem geringeren Wachstumstempo.

WOHNBAUTÄTIGKEIT NIMMT 2017 WEITER ZU

Das prognostizierte schwungvollere Wachstum im Jahr 2017 wird u.a. damit erklärt, dass gerade im Wohnneubau das Volumen der Baubewilligungen zuletzt wieder gestiegen sei. Dies dürfte sich in einer nochmals recht kräftig steigenden Wohnbautätigkeit widerspiegeln, wie es heisst.

Auch im Infrastrukturbau wird mit neuem Schwung gerechnet, da trotz des starken Wachstums der letzten Jahre immer noch viele Spitalbauprojekte in der Pipeline seien. Im Betriebsbau rechnet BAK Basel hingegen mit einer weiterhin verhaltenen Dynamik, da die Entwicklung der Baugesuche zwar auf eine anziehende Neubautätigkeit, aber zugleich auf deutlich sinkende Ausgaben für Umbauten und Renovationen hindeute.

MITTELFRISTIG GERINGERE DYNAMIK - INFRASTRUKTURBAU BESTE AUSSICHTEN

Mittelfristig bzw. für die Jahre 2018 bis 2022 werde die Dynamik insgesamt jedoch niedriger ausfallen als in den letzten Jahren, heisst es weiter. Die Wohnungsnachfrage (+0,9% p.a.) werde zwar vom Bevölkerungswachstum und den steigenden Einkommen der privaten Haushalte angekurbelt. Allerdings gehen die BAK-Basel-Ökonomen von einem restriktiven Impuls durch die von ihnen erwartete Zinswende aus. Auch wird davon ausgegangen, dass der aktuelle Anlagenotstand und die damit verbundene Flucht in "Betongold" mittelfristig nachlassen.

Für den Betriebsbau prognostizieren die Experten ebenfalls eine verhaltene Zunahme der Bauaufwendungen (+0,8% p.a.). Auch hier wird mit mittelfristig anziehenden Zinsen argumentiert, womit nicht mehr mit ganz so günstigen Finanzierungsbedingungen zu rechnen sei. Zudem hätten sich in einigen Betriebsbausparten wie Bürobau und Verkaufsflächen in den letzten Jahren Überkapazitäten aufgebaut, welche in den nächsten Jahren den Bedarf an neuen Bauten dämpften.

Die besten Aussichten wird dem Infrastrukturbau attestiert (+1,6% p.a.). Ein wichtiger Treiber seien zahlreiche geplante Spitalgrossprojekte, mit denen sich die Kantone auf den bevorstehenden demographischen Wandel vorbereiten würden. Durch den langfristig steigenden Anteil von älteren Personen an der Gesamtbevölkerung werde sich der Bedarf an Spitälern, Altersheimen und ähnlichen Institutionen deutlich erhöhen.

cp/rw

(AWP)