Schweizer Rohstoffhändler im Fokus von Aktivisten

Bern (awp/sda) - Die Organisation Public Eye, die besser als "Erklärung von Bern" bekannt ist, hat am Donnerstag erneut mit einer Kampagne zugeschlagen. Diesmal trifft es die Schweizer Rohwarenkonzerne, die mit mehreren Aktionen zur Schau gestellt werden.
15.09.2016 10:30

Public Eye prangert in der neuesten Aktion an, dass Schweizer Rohstoffhändler und -produzenten für ihre Geschäfte lasche Standards in Afrika ausnutzten. So verkaufen die betroffenen Firmen, zu denen etwa Vitol, Trafigura oder auch Addax & Oryx gehören, laut einer Medienmitteilung der Aktivisten stark schwefelhaltige, und somit gesundheitsschädliche Treibstoffe auf dem schwarzen Kontinent.

Damit trügen die Schweizer Firmen massgeblich zur rasant steigenden Luftverschmutzung in Afrika bei und gefährdeten die Gesundheit von Millionen von Menschen, hiess es von Public Eye.

Dass die aufgeworfene Thematik ein wichtiges Problem ist, verdeutlicht die Nichtregierungsorganisation in mehrfacher Hinsicht. So hat unlängst die UNO in einer Studie auf die weltweit steigende Luftverschmutzung in Afrika aufmerksam gemacht. Zudem schätzt die amerikanische Organisation ICCT (International Council on Clean Transportation), dass es in Afrika im Jahr 2030 dreimal mehr Todesfälle durch verkehrsbedingte Feinstaubbelastung geben wird als in Europa, den USA und Japan zusammen.

Die Schweizer Umwelt- und Menschenschützer nahmen obendrein selbst Dieselproben an Zapfsäulen in acht afrikanischen Ländern. Die Analysen ergaben, dass die Proben einen bis zu 378-Mal höheren Schwefelgehalt enthielten als hierzulande erlaubt wäre. Die Proben enthielten ausserdem toxische Substanzen wie Benzol und gewisse Kohlenwasserstoffe in Konzentrationen, die in Europa ebenfalls verboten seien.

VIELE MISSSTÄNDE

Public Eye dokumentiert die Recherchen in einem rund 160-seitigen Report, dessen Erstellung laut eigenen Angaben drei Jahre dauerte. Mit dem Bericht konfrontieren die Aktivisten nunmehr zahlreiche Schweizer Unternehmen und bemängeln, dass sich die Konzerne nicht gegen die als "African Quality" bekannten Treibstoffe einsetzen.

Symbolisch soll der international tätige Rohstoffkonzern Trafigura per Ende September einen Container mit Luft aus Accra, der Hauptstadt Ghanas, erhalten. Bereits am Donnerstag zeigten die Aktivisten ein Video auf ihrer Webseite mit den Vorbereitungen zu der Aktion in der westafrikanischen Metropole.

Mit diesen Massnahmen will die Organisation besonders auf die von Trafigura und die Tochtergesellschaft Puma Energy ausgehenden Verschmutzungen in Afrika aufmerksam machen. Gleichzeitig möchten die Aktivisten das Unternehmen damit an seine eigenen Vorsätze erinnern, ein Branchenführer für Nachhaltigkeit werden zu wollen und seine Geschäftspraktiken an den UNO-Richtlinien für Wirtschaft und Menschenrechte auszurichten, bei denen indirekt ein Recht aller Menschen auf Gesundheit verankert sei.

LÖSUNGEN BEREITS GESUCHT

Trafigura erklärte diesbezüglich gegenüber der Nachrichtenagentur sda, dass der Konzern in zahlreichen Märkten in Afrika tätig sei und die nationalen Vorschriften jeweils genauestens einhalte. Zudem könne ein einzelner Anbieter praktisch kaum von den Marktgegebenheit sowie den vorherrschenden Normen abweichen.

Trafigura unterstützt laut einer Mediensprecherin ausserdem die Bestrebungen der Afrikanischen Raffinerievereinigung (African Refiners Association), den zulässigen Schwefelgehalt in Treibstoffen für afrikanische Märkte zu reduzieren. Der Konzern erachte dieses Vorgehen als den besseren und effektiveren Weg für die notwendigen Veränderungen in diesem Bereich.

Bezüglich der Tochtergesellschaft Puma Energy erklärt die Sprecherin, dass das Unternehmen als einer der führenden Treibstofflieferanten Afrikas den Aufruf von Public Eye nach einer verträglicheren Zusammensetzung von Treibstoffen in Afrika begrüsst. Der Konzern werde sich weiterhin dafür einsetzen, diesem Ziel zwischen Regierungsstellen und der Branche näherzukommen.

Die zulässigen Höchstwerte für Schwefel in Benzin und Diesel, die von Land zu Land variieren, müssten aber die jeweiligen Regierungen und nicht einzelne Anbieter am Markt festlegen. Es sei angesichts der uniformen Lieferketten schlicht unmöglich, dass ein Marktteilnehmer von den Vorgaben der jeweiligen nationalen Aufsichtsbehörden abweiche.

Puma Energie bedauerte am Donnerstag zudem, dass Public Eye in einer sehr vereinfachten Sichtweise auf dieses Problem aufmerksam mache und die zahlreiche Initiativen zur Verbesserung der Situation bei der Treibstoffqualität in Afrika in seinem Report verschweige. Auch substanzielle Lösungsvorschläge zu dem identifizierten Problem legten die Schweizer Aktivisten gemäss dem Unternehmen nicht vor.

(AWP)