Schweizer Wirtschaft profitiert laut KOF-Ökonomen von Aufschwung im Ausland

(Meldung ausgebaut) - Die ETH-Konjunkturforscher rechnen damit, dass die Schweizer Wirtschaft vom globalen Aufschwung profitiert. Auf dem Arbeitsmarkt ist allerdings noch etwas Geduld gefragt.
23.06.2017 13:21

Von den entwickelten Volkswirtschaften, allen voran der EU, werden weiterhin deutliche Impulse für die Weltwirtschaft kommen. Davon geht die Konjunkturforschungsstelle der ETH Zürich (KOF ) am Freitag in ihrer Sommerprognose aus. Auch die Wirtschaft in den USA dürfte nach einem verhaltenen Jahresauftakt wieder stärker expandieren.

Dank der guten internationalen Konjunktur und der jüngsten Entspannung an der Währungsfront könnten die Schweizer Exportunternehmen ihre Margen etwas verbessern, folgern die Forscher. Sie rechnen mit einem Exportwachstum von 2,9% in diesem und 3,3% im kommenden Jahr.

GROSSE BRANCHENUNTERSCHIEDE

Getragen wird das Wachstum von jenen Branchen, die sich bereits in der Vergangenheit als relativ krisenresistent erwiesen haben, allen voran der pharmazeutischen und chemischen Industrie und der Medizinaltechnik. Doch auch für die Uhrenindustrie, die stärker von Fernmärkten abhängig ist, sind die Experten nach den letzten erfreulichen Ausfuhrzahlen wieder zuversichtlicher gestimmt.

Angespannt bleibt die Situation dagegen im Detailhandel und im Tourismus. In diesen Branchen sieht die KOF einen wohl irreversiblen Strukturwandel im Gang. Der Detailhandel tue sich immer noch schwer mit dem Einkaufstourismus. Und im Tourismus verschiebe sich die Nachfrage von den Berggebieten hin zu den Städten. Immerhin erwarten die Forscher in beiden Branchen keine Verschlechterung der Situation.

PROGNOSE REVIDIERT

Trotz der insgesamt positiven Einschätzung zur gegenwärtigen und künftigen Entwicklung revidieren die Experten die Prognose zum Wirtschaftswachstum für das laufende Jahr von 1,5% auf 1,3% nach unten. Der Grund liegt im schwachen ersten Quartal. Dieses wird allerdings mehr als Ausreisser nach unten denn als eine nachhaltige Eintrübung interpretiert. Für das nächste Jahr prognostiziert die KOF bei konstanter Konjunkturlage eine Wachstumsrate des Bruttoinlandprodukts von 2,1%.

Bis der Aufschwung auf den Arbeitsmarkt durchschlägt, wird aber wohl noch etwas Zeit vergehen. Hier klingt der Frankenschock am stärksten nach. Bei der Arbeitslosigkeit zeichnet sich laut den Konjunkturauguren weder eine Zunahme noch eine Verringerung ab. Die Arbeitslosenquote gemäss Definition der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) dürfte dieses Jahr 4,9% und nächstes Jahr 4,8% betragen.

Dagegen kehrt nach fünf Jahren rückläufiger Konsumentenpreise die Teuerung langsam zurück. Der Anstieg wird mit geschätzten 0,3% in diesem und im nächsten Jahr aber sehr gering ausfallen. Für die Arbeitnehmer ist das insofern positiv, als dass die Reallöhne weiter steigen dürften, wenn auch nur geringfügig. Das durchschnittliche Arbeitnehmereinkommen, das auch Strukturveränderungen und leistungsabhängige Lohnkomponenten mit einschliesst wächst laut KOF mit weniger als 1%.

ra/

(AWP)