Schweizer Wirtschaft profitiert laut KOF vom Aufschwung in Europa und in den USA

(Zusammenfassung) - Die ETH-Konjunkturforscher rechnen damit, dass die Schweizer Wirtschaft längerfristig vom globalen Aufschwung profitiert. Für das laufende Jahr revidierten die Experten ihre Prognose aufgrund des schwachen ersten Halbjahres allerdings deutlich nach unten. Am Arbeitsmarkt stehen dafür die Zeichen langsam wieder auf Erholung.
05.10.2017 13:05

Sowohl aus den USA als auch den EU-Ländern - allen voran Deutschland - dürften in den nächsten zwei Jahren deutliche Impulse für die Weltwirtschaft kommen. Davon geht die Konjunkturforschungsstelle der ETH Zürich (KOF) aus, wie sie am Donnerstag in ihrer Herbstprognose mitteilt.

Besonders profitieren werden von der guten internationalen Konjunktur laut KOF die Schweizer Exportunternehmen. Bisher sei dieser Sektor primär von starken Zahlen im Pharma- und Arzneimittelbereich gestützt worden, erklärte KOF-Direktor Jan-Egbert Sturm an einer Pressekonferenz.

EXPORTE SOLLEN AUCH IN INDUSTRIE UND UHRENBRANCHE WIEDER ANSTEIGEN

"Für die kommenden beiden Jahre gehen wir davon aus, dass sich auch die Exporte der Industrie sowie der Uhrenbranche wieder erholen werden", so Sturm. Konkret heisst dies, dass das Wachstum der Waren- und Dienstleistungsexporte laut KOF von 3% in diesem Jahr auf voraussichtlich 4,8% im kommenden Jahr und 2019 auf 3,5% steigen wird.

Nach einem schwachen Jahr 2016 dürfte sich ausserdem der Bausektor im aktuellen Jahr erst erholen und im nächsten dann an Schwung gewinnen. Verantwortlich hierfür seien Investitionen in die Infrastruktur und in den industriell-gewerblichen Bau. Allerdings werde der Bau neuer Wohnungen von steigenden Zinsen und einer schwächelnden Nachfrage gedämpft.

PROGNOSE DEUTLICH REVIDIERT

Trotz der positiven Einschätzung für die nächsten Jahre revidierte die KOF die Prognose für das laufende Jahr deutlich nach unten. Verantwortlich dafür sei die neu ausgewiesene schwache Entwicklung im Winterhalbjahr 2016/17. Neu rechnen die Experten für 2017 daher mit einem BIP-Wachstum von nur noch 0,8%, nach +1,3% in der Juni-Prognose.

Für 2018 erhöhen die KOF-Ökonomen ihre Prognose hingegen auf +2,2%, von bisher 2,1%. Neu wird auch eine Prognose für das Jahr 2019 ausgegeben. Die Experten rechnen dann mit einem BIP-Wachstum von 1,9%. Dabei gelte: Nachdem in den letzten Jahren das BIP nur dank Zuwanderung noch habe wachsen können, sei für die Zukunft auch wieder mit einem Anstieg pro Kopf zu rechnen.

EUROPAMEISTERSCHAFT GIBT SCHUB

An der Pressekonferenz betonte KOF-Direktor Sturm ausserdem die Rolle von grossen Sportereignissen auf die Schweizer Konjunktur. Weil die wichtigen Sportverbände FIFA, UEFA sowie das Internationale Olympische Komitee (IOC) ihren Sitz in der Schweiz haben, wirken sich deren Einnahmen an Fernsehgeldern während Sportereignissen deutlich auf das BIP-Wachstum aus. "Ohne die Europameisterschaft 2018 fiele die Wachstumsprognose für dieses Jahr circa 0,3% tiefer aus", so Sturm.

Mit Blick auf die Arbeitsmarktsituation erwartet die KOF eine etwas verzögerte Erholung. So wird für 2018 mit einer Arbeitslosenquote von 3,1% gerechnet, was nach internationalem Standard gemäss der International Labour Organization (ILO) einem Wert von 4,7% entspricht.

INFLATION ZIEHT WIEDER LEICHT AN

Umgekehrt zieht die Inflation in der Schweiz laut KOF wieder an. Das Preisniveau wird demnach von 0,4% im laufenden und im kommenden Jahr auf 0,5% im Jahr 2019 steigen. Für die Arbeitnehmer bedeute dies, dass sie trotz leicht steigender Nominallöhne wohl eher nicht von steigenden Reallöhnen ausgehen könnten.

Im Bezug auf die Geldpolitik der Schweizerischen Nationalbank (SNB) hiess es an der Pressekonferenz, dass die langfristigen Zinssätze ab nächstem Jahr langsam ansteigen könnten. Der kurzfristige Zinssatz dürfte aber erst dann zulegen, wenn der entsprechende Euro-Zinssatz durch die Europäische Zentralbank angehoben wird.

kw/cf

(AWP)