Schweizer Wirtschaft wächst solide weiter

(Zusammenfassung)
15.12.2016 14:36

Bern/Zürich (awp/sda) - Trotz der politischen Unsicherheiten in den USA, Italien, Frankreich oder Grossbritannien nach dem Brexit-Entscheid dürfte die Schweizer Wirtschaft solide weiterwachsen. Die Konjunkturauguren des Bundes und der Forschungsstelle KOF gehen von einer leichten Beschleunigung in den nächsten beiden Jahren aus.

So prognostiziert die Expertengruppe des Bundes nach einem Plus von 1,5% im 2016 ein Wachstum des Bruttoinlandprodukts (BIP) von 1,8% im nächsten Jahr und von 1,9% für 2019. Dies gab das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) am Donnerstag bekannt.

Auch die Konjunkturforschungsstelle der ETH Zürich (KOF) geht von einer leichten Temposteigerung auf 1,6% im 2017 und auf 1,9% im 2018 aus. Allerdings war die KOF im Herbst noch etwas optimistischer gewesen.

Die Schweizerische Nationalbank (SNB) sieht indes ein unverändertes Tempo. So rechnet die Nationalbank wie schon für das laufende Jahr mit einem BIP-Wachstum von rund 1,5% im 2017. Die Aussichten für das nächste Jahr seien verhalten positiv, schreibt die SNB in ihrer Mitteilung.

SOLIDES WACHSTUM

"Die Schweizer Wirtschaft würde damit nicht sehr stark expandieren, aber zum soliden Wachstumstempo der Jahre vor dem Frankenschock zurückkehren", bilanziert das Seco. Die Indikatoren im vierten Quartal würden auf eine Beschleunigung hindeuten.

Zwar liege die Konsumentenstimmung unter dem langjährigen Mittel, doch die Erwartungen der Konsumenten hätten sich aufgehellt. Die Inlandnachfrage dürfte sich als Konjunkturstütze erweisen. Der Privatkonsum sollte sich dank der stärkeren Kaufkraft der Haushalte und der sinkenden Arbeitslosigkeit festigen.

Nach dem Schub durch die boomende Pharmaindustrie im laufenden Jahr dürften die Exporte an Schwung verlieren. "Für die kommenden Jahre ist von einer gewissen Normalisierung des Exportwachstums auszugehen", schreibt das Seco.

Gleichzeitig dürften aber die vom Frankenschock stark gebeutelten Exportbranchen Tourismus sowie die Maschinen- und Metallindustrie wieder mehr ausführen. Die Exportaussichten seien damit zwar uneinheitlich, insgesamt aber freundlicher, schlussfolgern die Experten des Bundes.

INDUSTRIE UNTER DRUCK

Etwas andere Töne schlägt dagegen die KOF an: Die Industrie werde weiterhin an Bedeutung für die Schweizer Wirtschaft verlieren. Derzeit mache sie etwa 18% der gesamten Wertschöpfung aus. Lediglich die derzeit florierende Pharmabranche werde noch an Gewicht zulegen können, heisst es.

Das Gastgewerbe leide ebenso wie die Industrie unter dem hohen Wechselkurs und dürfte weitere Einbussen erleiden. Auch beim Konsum und bei den Bauinvestitionen ist die KOF nicht mehr so optimistisch wie noch im Oktober.

UNSICHERHEIT NACH TRUMP-WAHL

Unisono wiesen SNB, KOF und Seco auf die internationalen Risiken für die Konjunktur hin. Die Wahl von Donald Trump zum US-Präsidenten erhöht laut der KOF die Prognoseunsicherheit. Derzeit sei unklar, inwieweit Trump seine Wahlversprechen von riesigen Infrastrukturprogrammen, Steuersenkungen und einem stärkeren Protektionismus umsetzen könne und wolle.

Diese Fiskalmassnahmen würden die Importnachfrage der USA direkt zwar nur geringfügig steigern. Allerdings dürften sie sich auf den Dollarkurs auswirken. Denn "die fiskalischen Impulse werden den Preisdruck in den USA ab 2018 erhöhen, die US-Notenbank Fed wird entsprechend die Zinsen etwas stärker ansteigen lassen als bisher angenommen", schreibt die KOF.

Zudem geht die Forschungsstelle davon aus, dass sich die protektionistische Ausrichtung der neuen US-Regierung mittel- bis längerfristig hemmend auf den internationalen Handel auswirken wird. Weitere Risiken seien die Auswirkungen des Brexit, die Regierungsturbulenzen in Italien, sowie die anstehenden Wahlen in den grossen EU-Ländern Frankreich und Deutschland.

(AWP)