Schweizer Wirtschaft wächst im Sommerquartal um 0,6%

(Meldung ausgebaut) - Die Schweizer Wirtschaft hat im dritten Quartal 2017 an Fahrt aufgenommen. Das Wachstum war nach Angaben des Staatsekretariats für Wirtschaft (Seco) breit über die Sektoren hinweg abgestützt. Die am Donnerstag veröffentlichte starke Wachstumsrate sei gewissermassen überfällig gewesen, heisst es in einem ersten Kommentar eines Ökonomen.
30.11.2017 09:10

Das reale Bruttoinlandprodukt (BIP) stieg von Juli bis September gegenüber dem Vorquartal um 0,6%, gegenüber dem entsprechenden Vorjahresquartal waren es +1,2%. Die Werte liegen damit im Vorquartalsvergleich im Rahmen der Ökonomen-Schätzungen und beim Vorjahresvergleich am oberen Rand.

Insbesondere das verarbeitende Gewerbe konnte stark zulegen. Es wuchs mit 2,2% noch stärker als im Vorquartal. Aber auch der Handel (+0,6%), die unternehmensnahen Dienstleistungen (+0,2%) und das Gesundheitswesen (+0,5%) trugen auf der Produktionsseite zum BIP-Wachstum bei.

Das Baugewerbe und der Finanzsektor (jeweils -0,6%) hingegen bremsten die Wirtschaft, da ihre Wertschöpfung leicht rückläufig war.

INVESTITIONEN ALS "GUTE NACHRICHT"

Auf der Verwendungsseite des BIP zeigte sich, dass der private Konsum eine Wachstumsstütze war. Er legte mit 0,4% ähnlich stark zu wie im langfristigen Mittel. Der Staatskonsum fiel mit 0,5% ebenfalls durchschnittlich aus. Die Ausrüstungsinvestitionen hätten mit 0,9% das leicht überdurchschnittliche Expansionstempo des Vorquartals fortgesetzt. Derweil gingen die Bauinvestitionen nach einigen positiven Quartalen leicht um 0,1% zurück.

Besonders die zunehmend wichtige Rolle der Investitionen sei eine "überaus gute Nachricht", urteilt Thomas Gitzel, Chefökonom bei der VP Bank. Denn so könne sich ein selbsttragender Aufschwung entwickeln. Die hiesige Volkswirtschaft profitiere aber auch massgeblich von der Erholung der angrenzenden Eurozone.

Ersichtlich ist dies am erfreulichen Exportwachstum und dem positiven Wachstumsbeitrag des Aussenhandels. Laut Seco hat sich insbesondere bei den Warenexporten (+2,1%) die Dynamik beschleunigt. Die Dienstleistungsexporte (-0,4%) gingen hingegen leicht zurück.

GUTE ZAHLEN WAREN "ÜBERFÄLLIG"

Noch im zweiten Quartal hatte das geschätzte Wachstum von lediglich 0,3% gegenüber dem Vorquartal die Experten auf dem falschen Fuss erwischt. Sie hatten mehr erwartet und mussten in der Folge ihre Wachstumsprognosen fürs Gesamtjahr nach unten korrigieren.

Mit den aktuellsten Zahlen zeigt sich jedoch auch das zweite Quartal in etwas besserem Licht: Das Seco hat das Wachstum auf 0,4%, respektive auf 0,5% im Vergleich zum Vorjahresquartal revidiert.

Die heute veröffentlichte starke Wachstumsrate war laut Ökonom Gitzel "gewissermassen überfällig". Der Schweizer Einkaufsmanagerindex weise eine der höchsten Notierungen weltweit aus, die BIP-Wachstumsraten seien jedoch deutlich dahinter geblieben. Nun schliesse sich diese Lücke etwas.

ra/rw

(AWP)