Sinkende Nachfrage ausserhalb der EU dämpft Exportwachstum in Deutschland

(Ausführliche Fassung)
09.08.2016 12:59

WIESBADEN (awp international) - Die deutschen Ausfuhren haben im Juni überraschend schwach zugelegt und damit das Wirtschaftswachstum im zweiten Quartal weniger gestützt als erwartet. Deutsche Unternehmen hätten kalender- und saisonbereinigt 0,3 Prozent mehr exportiert als im Vormonat, teilte das Statistische Bundesamt am Dienstag mit. Insgesamt haben die Exporte demnach in der ersten Jahreshälfte 2016 wegen geringerer Nachfrage aus Ländern ausserhalb der Europäischen Union geschwächelt.

Bankvolkswirte hatten für Juni einen Anstieg um 1,1 Prozent erwartet. Die Einfuhren nach Deutschland stiegen im Monatsvergleich um 1,0 Prozent. Hier hatten Ökonomen nur einen Zuwachs um 0,6 Prozent erwartet.

Im Vergleich zum Juni 2015 stiegen die Exporte laut Bundesamt um 1,2 Prozent, während die Importe um 0,3 Prozent höher ausfielen. Die Aussenhandelsbilanz schloss im Juni laut Bundesamt mit einem Überschuss von 24,9 Milliarden Euro. Kalender- und saisonbereinigt lag der Überschuss bei 21,7 Milliarden Euro.

Die deutschen Exportdaten für Juni stützen damit das deutsche Wirtschaftswachstum im zweiten Quartal nur leicht. Das Bundesamt wird am Freitag eine erste Schätzung für das Bruttoinlandsprodukt (BIP) in den Monaten April bis Juni veröffentlichen.

Im ersten Halbjahr hat der deutsche Export insgesamt an Schwung verloren. Laut den Statistikern gingen Waren im Wert von 603,2 Milliarden Euro ins Ausland. Das waren zwar 1,4 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. In den ersten sechs Monaten 2015 hatte der damals schwache Euro den deutschen Exportunternehmen aber noch ein deutlich kräftigeres Plus von 7,7 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum beschert. Der Aussenhandelsverband BGA sprach am Dienstag von einem "kraftlosen" ersten Halbjahr.

"Angesichts eines unsicheren und risikoreichen weltwirtschaftlichen Umfelds sind wir mit diesem Ergebnis nicht unzufrieden", sagte BGA-Präsident Anton Börner laut Mitteilung. Weltbank und Internationaler Währungsfonds hatten zuletzt ihre Prognosen für das globale Wachstum gesenkt.

Angetrieben wurde das deutsche Export-Geschäft in diesem Jahr bisher vor allem von Ausfuhren in Mitgliedsländer der EU, die von Januar bis Juni um 3,3 Prozent zulegten. Positive Impulse kamen Börner zufolge unter anderem aus Grossbritannien. "Mit dem Brexit-Votum ist hier jedoch mit einer Abkühlung zu rechnen."

Die Nachfrage aus Ländern ausserhalb der Union sank gegenüber dem ersten Halbjahr 2015 dagegen um 1,2 Prozent. Der riesige chinesische Markt schwächelt, einstige Hoffnungsträger wie Brasilien stecken in der Rezession. Positiv entwickelte sich dem BGA zufolge dagegen die Nachfrage in den USA.

Mit Sorge betrachtet die Branche die Entwicklung in der Türkei nach dem gescheiterten Putsch Ende Juli. Zwar gestalte sich der Handel mit dem Land am Bosporus derzeit problemlos, "die politischen Unsicherheiten haben jedoch zu einem Stopp bei Investitionen geführt", sagte Börner. Zugleich wartet die Branche weiter auf eine Wiederbelebung des iranischen Marktes nach dem Ende des Atomkonflikts. Der Handel habe wegen der Zurückhaltung der Kreditinstitute bei Iran-Geschäften noch nicht in gewünschtem Masse an Fahrt aufgenommen./mar/DP/jkr/tos

(AWP)