SNB bestätigt Negativzinspolitik - Analysten: Keine baldige Normalisierung

(Zusammenfassung)
15.09.2016 14:06

Zürich (awp) - Die Schweizerische Nationalbank (SNB) hält den Franken nach wie vor für "deutlich überbewertet" und bekräftigt ihre entsprechend lockere Geldpolitik. Analysten hatten mit einem solchen Entscheid gerechnet und erwarten auch für die nächsten Quartale keine Zinswende. An den Märkten hinterlässt dies kaum Spuren.

Erneut kein Überraschungscoup der SNB: Die obersten Schweizer Währungshüter um Thomas Jordan haben am Donnerstag an ihrer vierteljährlichen Lagebeurteilung die Eckwerte ihrer Geldpolitik bestätigt, wie sie seit der Aufhebung des Euro-Mindestkurses im Januar 2015 gilt.

Die Geldpolitik bleibt somit "unverändert expansiv". Konkret beliess die SNB das Zielband für den Dreimonats-Libor bei -1,25% bis -0,25% und den Zins auf den Sichteinlagen, zu dem Banken Gelder bei der SNB parkieren können, bei -0,75%. Der Franken sei nach wie vor deutlich überbewertet, und der Negativzins mache Anlagen in Franken weniger attraktiv, hiess es zur Begründung.

Gleichzeitig hält die SNB - als zweite Waffe gegen den starken Franken - an der Option für Devisenmarktinterventionen fest. Letztmals hat die SNB offiziell nach dem "Brexit" interveniert. Ob und in welcher Höhe sie dies zuletzt getan hat, wollte Präsident Jordan gegenüber Radio SRF am Donnerstag nicht sagen: Die SNB äussere sich grundsätzlich nicht dazu.

LEICHT HÖHERE BIP-PROGNOSE

Obwohl der Schweizer Franken laut der SNB nach wie vor deutlich überbewertet ist, sind die obersten Währungshüter für die weitere Wirtschaftsentwicklung in der Schweiz etwas optimistischer als zuletzt. Sie erhöhen ihre BIP-Prognose für 2016 auf "rund 1,5%" (bisher: "rund 1 bis 1,5%").

Allerdings wurde dies hauptsächlich mit der revidierten Quartalsschätzung für das BIP begründet. Die Erholung dürfte laut der SNB "allmählich" auch den Arbeitsmarkt erfassen; es sei in den kommenden Monaten mit einer Stabilisierung der saisonbereinigten Arbeitslosigkeit zu rechnen.

Jordan verwies dabei auf die nach wie vor vorhandenen Branchenunterschiede. Unternehmen, die besonders unter dem starken Franken und einer relativ geringen Weltnachfrage litten, hätten nach wie vor Schwierigkeiten - zum Beispiel die Maschinen-, Elektro- und Metallindustrie (MEM). Doch auch da gebe es eine positive Tendenz, hielt er fest.

HÖHERES RISIKO NACH BREXIT

Das grösste Risiko für die Schweizer Wirtschaft ist laut dem SNB-Präsidenten die internationale Entwicklung. "Die Ungewissheit ist nach dem Brexit deutlich angewachsen", meinte er. Wegen einer "vorübergehenden Abschwächung des Wachstums in Europa" sei in der zweiten Jahreshälfte in der Schweiz denn auch mit einem bescheideneren Wachstum als im ersten Semester zu rechnen. Zudem bestünden angesichts "zahlreicher struktureller Probleme" weiterhin Abwärtsrisiken für die gesamte Weltwirtschaft.

Die Inflationsprognosen für die Schweiz wurden gegenüber Juni zum Teil leicht nach unten korrigiert. Für 2016 wird zwar weiterhin mit einer Inflation von -0,4% gerechnet, die Vorhersagen für 2017 (+0,2% von +0,3%) und 2018 (+0,6% von +0,9%) wurden jedoch leicht reduziert. Die etwas weniger günstigen Aussichten für die Weltwirtschaft dämpften die Teuerung in der Schweiz, hiess es zur Begründung.

"ZINSANSTIEG FRÜHESTENS ENDE 2017"

An der Börse warfen die Entscheide der SNB keine grossen Wellen. Das Währungspaar EUR/CHF-Kurs notiert nach wie vor knapp unterhalb von 1,0950; auch an den Aktien- und Bondmärkten waren keine deutlichen Bewegungen erkennbar.

Analysten hatten im Vorfeld mit einem Festhalten am Status quo gerechnet. Insbesondere wurde keine Verschärfung der Negativzinspolitik erwartet, nachdem die Europäische Zentralbank (EZB) in der Vorwoche ihre Geldpolitik ebenfalls bestätigt hatte. Nur wenige Experten rechnen aktuell damit, dass die EZB in den nächsten Monaten nochmals tief in den geldpolitischen Massnahmenkoffer greifen wird - und die SNB nachziehen muss.

Auf der anderen Seite zeichnet sich gemäss den Experten aber auch keine baldige "Normalisierung" ab. Die UBS zum Beispiel erwartet erst für Dezember 2017 eine leichte Zinserhöhung auf -0,50%. Eine offene Frage sei, wie die SNB die "Normalisierung" einleiten werde, meinten die UBS-Ökonomen. Möglich seien Erhöhungen der Freibeträge oder (verbale) Zurückhaltung beim Thema Devisenmarktinterventionen.

rw/uh

(AWP)