SNB bestätigt Negativzinspolitik - Franken bleibt "deutlich überbewertet"

(Mit weiteren Angaben ergänzt)
15.09.2016 10:28

Zürich (awp) - Die Schweizerische Nationalbank (SNB) bekräftigt ihre Geldpolitik, wie sie seit der Aufhebung des Euro-Mindestkurses gilt. Den Franken hält sie nach wie vor für "deutlich überbewertet". Für die Weltwirtschaft sind die Währungshüter verhalten optimistisch, betonen aber zugleich die Abwärtsrisiken.

Die Geldpolitik der SNB bleibt "unverändert expansiv", wie sie am Donnerstag nach ihrer Lagebeurteilung mitteilte. Sie belässt das Zielband für den Dreimonats-Libor bei -1,25% bis -0,25% und den Zins auf ihren Sichteinlagen bei -0,75%.

Der Franken sei nach wie vor deutlich überbewertet, hält die SNB zudem fest. Der Negativzins mache Anlagen in Franken weniger attraktiv. Gleichzeitig bleibe die Nationalbank am Devisenmarkt aktiv, um bei Bedarf Einfluss auf die Wechselkursentwicklung zu nehmen. Letztmals hat dies die SNB offiziell nach dem "Brexit" getan.

LEICHT HÖHERE BIP-PROGNOSE

Für die weitere Wirtschaftsentwicklung in der Schweiz sind die obersten Währungshütern etwas optimistischer als zuletzt. Sie erhöhen ihre BIP-Prognose für 2016 auf "rund 1,5%" (bisher: "rund 1 bis 1,5%"). Begründet wird dies mit der revidierten Quartalsschätzung für das BIP. Diese deuteten auf eine etwas stärkere Wiederbelebung der Schweizer Wirtschaft seit Mitte letzten Jahres hin, so die SNB. Die Erholung dürfte laut ihr "allmählich" auch den Arbeitsmarkt erfassen, es sei in den kommenden Monaten mit einer Stabilisierung der saisonbereinigten Arbeitslosigkeit zu rechnen.

Allerdings bleibe die Auslastung der Produktionskapazitäten insgesamt unbefriedigend, wird betont. Ausserdem habe die Erholung nicht alle Branchen gleich stark erfasst. Die Margenlage bleibt in den Augen der SNB daher in zahlreichen Unternehmen angespannt. Zudem sei in der zweiten Jahreshälfte mit einem bescheideneren Wachstum als im ersten Semester zu rechnen.

TIEFERE PROGNOSE FÜR EU WEGEN BREXIT

Letzteres wird mit einer "vorübergehenden Abschwächung des Wachstums in Europa" begründet. Insgesamt werde sich das moderate Wachstum der Weltwirtschaft in den kommenden Quartalen jedoch fortsetzen, meint die SNB. Zuletzt sei das Weltwirtschaftswachstum vor allem von der Binnennachfrage und vom Dienstleistungssektor getrieben gewesen. Die globale Industriekonjunktur und der Welthandel hätten sich hingegen verhalten entwickelt.

Die Risiken für die Weltwirtschaft bleiben jedoch laut SNB bestehen. Die Entscheidung Grossbritanniens für einen Austritt aus der Europäischen Union habe beachtliche Unsicherheit ausgelöst und mache die Einschätzung der globalen Konjunkturaussichten schwieriger. Die Nationalbank hat daher laut der Mitteilung ihre Wachstumserwartungen für Grossbritannien und die Eurozone nach unten revidiert. Zudem bestünden angesichts "zahlreicher struktureller Probleme" weiterhin Abwärtsrisiken für die gesamte Weltwirtschaft.

LEICHT TIEFERE INFLATIONSPROGNOSE

Die Inflationsprognosen für die Schweiz wurden gegenüber Juni leicht nach unten angepasst. Für 2016 wird zwar weiterhin mit einer Inflation von -0,4% gerechnet, die Vorhersagen für 2017 (+0,2% von +0,3%) und 2018 (+0,6% von +0,9%) wurden jedoch leicht reduziert. Die etwas weniger günstigen Aussichten für die Weltwirtschaft dämpften die Teuerung in der Schweiz, heisst es zur Begründung.

Diese bedingten Inflationsprognose beruhen laut der Mitteilung wie immer auf der Annahme, dass der Dreimonats-Libor über den gesamten Prognosezeitraum unverändert bleibt.

WEITERHIN UNGLEICHGEWICHTE AUF DEM HYPOMARKT

In der Schweiz bleiben gemäss Einschätzung der Nationalbank zudem die Ungleichgewichte auf dem Hypothekar- und Immobilienmarkt nach wie vor bestehen. Zwar habe sich der Preisanstieg auf dem Immobilienmarkt im zweiten Quartal abgeschwächt, das Wachstum der Hypothekarkredite sei hingegen im Vergleich zum Vorquartal praktisch unverändert gewesen.

Die Entwicklung auf diesen Märkten werde weiterhin aufmerksam beobachtet, so die SNB. Sie prüfe regelmässig, ob der antizyklische Kapitalpuffer angepasst werden müsse.

rw/ra

(AWP)