SNB bleibt unverändert expansiv - Franken weiter "deutlich überbewertet"

(Ausführliche Fassung) - Die Schweizerische Nationalbank (SNB) bekräftigt ihre seit der Aufhebung des Euro-Mindestkurses geltende Geldpolitik ein weiteres Mal und bleibt unverändert expansiv. Weiter gilt die Zweisäulenpolitik aus Negativzinsen und - falls nötig - Devisenmarktinterventionen. In Bezug auf die Konjunktur geben sich die hiesigen Währungshüter vorsichtig optimistisch.
15.06.2017 10:48

Im Detail belässt die SNB den Zins auf Sichteinlagen bei der Nationalbank bei -0,75% und das Zielband für den Dreimonats-Libor bei -1,25% bis -0,25%, wie sie am Donnerstag im Rahmen ihrer geldpolitischen Lagebeurteilung mitteilte. Gleichzeitig sei die SNB bei Bedarf weiterhin am Devisenmarkt aktiv, wobei die gesamte Währungssituation berücksichtigt werde. Insgesamt bleibe der Franken "deutlich überbewertet".

"EXPANSIVE GELDPOLITIK WEITER NÖTIG"

In seiner Rede vor den Medien in Bern betonte SNB-Präsident Thomas Jordan, dass der Franken vor allem in Phasen der Unsicherheit nach wie vor erhöhtem Aufwertungsdruck ausgesetzt sei. "Die beiden Säulen unserer Geldpolitik reduzieren diesen Druck." Der Negativzins vermindere die Attraktivität von Frankenanlagen, indem er die traditionelle Zinsdifferenz zum Ausland zumindest teilweise wieder herstelle.

Und über Interventionen stelle man dem Markt zusätzliche Franken zur Verfügung, wenn die Nachfrage nach dem Franken besonders stark werde. Jordan fasst die Situation folgendermassen zusammen: "Unsere expansive Geldpolitik ist weiterhin nötig, um die Preisstabilität unter Berücksichtigung der Konjunktur zu gewährleisten." Insgesamt sind die von den SNB-Verantwortlichen benützten Formulierungen zumeist identisch mit denjenigen vom März bei der letzten geldpolitischen Lagebeurteilung.

KONUNKTUR AUCH MIT ABWÄRTSRISIKEN

Bezüglich Wachstum bleibt die SNB bei ihrer eher vorsichtigen Prognose und erwartet für 2017 weiterhin ein Wachstum des realen Bruttoinlandprodukts (BIP) in der Schweiz von "rund 1,5%". Die hiesige Wirtschaft sei auf einem Erholungspfad. Eine positive Entwicklung gebe es in der verarbeitenden Industrie, in bedeutenden Teilen des Dienstleistungssektors und der Bauwirtschaft. Dies komme auch in einer verstärkten Investitionsbereitschaft zum Ausdruck.

Jordan fügt allerdings einige "Aber" an. So legten gewisse Indikatoren nahe, dass die konjunkturelle Erholung noch nicht überall in der Wirtschaft angekommen sei. In verschiedenen Branchen etwa sei die Auslastung der Produktionskapazitäten unbefriedigend und die Margen der Unternehmen bleiben gedrückt. Eine Mischung aus konjunkturellen und strukturellen Faktoren sei dafür verantwortlich. Und auch der starke Franken belastet weiterhin einige Sektoren. Zudem widerspiegle die Arbeitsmarktdynamik dieses geteilte Bild ebenfalls. "Die Verbesserung der Arbeitsmarktlage setzt sich zwar fort, bleibt aber bescheiden."

Das internationale Umfeld dürfte die hiesige Konjunktur derweil etwas stützen. Die Weltkonjunktur habe sich im Einklang mit den Erwartungen weiter gefestigt, so Jordan, und diese Entwicklung dürfte weitergehen. "Für 2017 zeichnet sich das höchste Wirtschaftswachstum der letzten sechs Jahre ab", sagte denn auch der SNB-Präsident. Allerdings gebe es weiterhin "bedeutende Abwärtsrisiken" in Bezug auf politische Unsicherheiten und strukturelle Probleme in verschiedenen Industrieländern.

INFLATIONSERWARTUNGEN LEICHT ANGESTIEGEN

Die Inflationserwartungen für die Schweiz sind gemäss Jordan über das vergangene halbe Jahr leicht angestiegen. Nun erwarteten Haushalte, Unternehmer und Finanzanalysten auch für die kurze Frist eine Inflationsrate von knapp über Null, in der längeren Frist lägen die Erwartungen bei rund 1%. "Die Inflationserwartungen liegen damit in dem Bereich, der für die Nationalbank mit Preisstabilität vereinbar ist", so Jordan.

Ihre eigene Prognose diesbezüglich hat die SNB gegenüber März nur leicht verändert. Für 2017 wird die Inflation weiterhin bei +0,3% gesehen, für 2018 bei +0,3% (bisher: +0,4%) und für 2019 bei +1,0% (bisher: +1,1%). Diese bedingte Inflationsprognose beruht bekanntlich auf der Annahme, dass der Dreimonats-Libor über den gesamten Prognosezeitraum unverändert bleibt.

uh/tp

(AWP)