SNB-Direktionsmitglied Maechler sieht keine Ende der Negativzinsen

(Meldung ausgebaut)
28.08.2016 15:07

Bern (awp/sda) - Die positiven Effekte des Negativzinses überwiegen die negativen. Mit dieser Argumentation verteidigt Andréa Maechler, Direktionsmitglied der Schweizerischen Nationalbank (SNB), das Instrument ein weiteres Mal und sie deutet an, dass sich keine Kehrtwende abzeichnet.

Ohne Negativzinsen wäre der Franken deutlich stärker, sagte Maechler im Interview mit dem "SonntagsBlick". Dies hätte negative Auswirkungen auf die Wirtschaft. Die Negativzinsen seien aber weiterhin ein "ausserordentliches Instrument", sagte Maechler weiter. Sie würden aufgehoben, "sobald dies möglich ist".

Maechler lässt allerdings durchblicken, dass die Zinsen wegen des internationalen Umfeldes noch eine Weile unter Null bleiben dürften. Die Finanzmärkte erwarteten in Grossbritannien und in der Eurozone eine weitere Lockerung der Geldpolitik und in den USA gehe die Erhöhung der Zinsen auch nur sehr langsam voran, weshalb die Zinsen auf absehbare Zeit global tief blieben. "So lange dies der Fall ist, hat die SNB kaum Spielraum, die Zinsen zu erhöhen."

VINCENZ WIDERSPRICHT

Gegenteiliger Meinung als Maechler ist Pierin Vincenz, ehemaliger Chef der Raiffeisen-Bank und nun Präsident der Helvetia Versicherungen. Für ihn ist der Nutzen der Negativzinses "kleiner als der gefühlte und erwartete Schaden, den er langfristig anrichten könnte, insbesondere im Hinblick auf das Sparen und die Vorsorge". Dies sagt er im Interview mit der Zeitung "Schweiz am Sonntag".

Aus Vincenz' Sicht hat die Nationalbank die Folgen der Negativzinsen falsch eingeschätzt: "Wenn der Kunde auf seinem Sparkapital Negativzinsen fürchten muss und er auch weiss, dass bei seiner Altersvorsorge die Erträge der Zinseszinsen wegfallen, dann steigert er nicht die Konsumausgaben, sondern er spart mehr." Vincenz spricht sich für eine Anbindung des Frankens an einen Währungskorb aus.

Die Schweiz hat laut Maechler aus einem anderen Grund als andere Länder Negativzinsen eingeführt: Während die meisten Länder damit die Nachfrage und die Kreditvergabe stützen wollten, kämpfe die SNB damit gegen den Aufwertungsdruck auf den Franken. "Wir haben keine Kreditklemme. Wir haben die Negativzinsen eingeführt, um die Zinsdifferenz zum Ausland zu erhalten." Und: "Wir sind überzeugt, dass im Fall der Schweiz die positiven Effekte des Negativzinses überwiegen."

HELIKOPTERGELD EIN "NO-GO"

Eine deutliche Absage erteilt Maechler der unter dem Titel Helikoptergeld bekannten Idee, die Wirtschaft mit der Auszahlung von Geld an Bürger oder den Staat anzukurbeln: "Für die SNB ist das ein No-Go." Das gehe gar nicht.

Auch der Abschaffung des Bargeldes erteilt Maechler eine Absage. "In der Schweiz wird noch lange mit Bargeld bezahlt werden", erklärt sie. Manchmal sei Bargeld sogar unverzichtbar. Wenn man beispielsweise in den Bergen wandere, sei man ohne Bargeld aufgeschmissen. "Solange das so ist, stellt sich für die SNB die Frage gar nicht, ob man das Bargeld abschaffen soll", stellt sie klar.

Es gebe gute Gründe, warum es in der Schweiz gesetzlich verboten ist, dass die SNB dem Staat Geld gibt, sagte Maechler. "Auch international setzt sich die Einsicht durch, dass die Geldpolitik bereits sehr viel getan hat. Es ist wichtig, dass auch die Fiskal- und die Strukturpolitik ihren Teil leisten."

ra/

(AWP)