SNB hält Einlagensatz bei -0,75% - Franken weiter "deutlich überbewertet"

(Meldung ausgebaut)
16.06.2016 10:33

Zürich (awp) - Die Schweizerische Nationalbank (SNB) bekräftigt ihre seit der Aufhebung des Euro-Mindestkurses geltende Geldpolitik ein weiteres Mal und bleibt dabei "unverändert expansiv": Sie belässt das Zielband für den Dreimonats-Libor bei -1,25% bis -0,25% und den Zins auf Sichteinlagen bei der Nationalbank bei -0,75%.

Der Franken sei nach wie vor deutlich überbewertet, so die SNB in ihrer geldpolitischen Lagebeurteilung vom Donnerstag. Der Negativzins mache Anlagen in Franken weniger attraktiv. Gleichzeitig bleibe die Nationalbank am Devisenmarkt aktiv, um bei Bedarf Einfluss auf die Wechselkursentwicklung zu nehmen.

RISIKOFAKTOR BREXIT

Bezüglich Konjunkturentwicklung im laufenden Jahr rechnet die SNB unverändert mit einem BIP-Wachstum von "rund 1 bis 1,5%". Die verfügbaren Indikatoren deuteten auf eine moderate, aber kontinuierliche Erholung hin, die sich seit Jahresbeginn fortgesetzt habe. Dies dürfte nach Einschätzungen der SNB in einem wieder höheren Wachstum im zweiten Quartal 2016 zum Ausdruck kommen.

Auch die Weltwirtschaft setze ihre moderate Erholung fort und dürfte dies auch in den kommenden Quartalen tun, so die SNB. Besonders fortgeschritten sei sie in den USA, in der Eurozone gewinne das Wirtschaftswachstum allmählich an Breite. In China bleibe das Wachstum dank der wirtschaftspolitischen Massnahmen zur Stimulierung der Nachfrage "robust", so die SNB-Einschätzung.

Die Risiken für die Weltwirtschaft blieben jedoch erheblich, warnt sie. Zudem könne es im Zusammenhang mit der bevorstehenden Abstimmung in Grossbritannien über den weiteren Verbleib in der Europäischen Union vermehrt zu Unsicherheiten und Turbulenzen kommen.

ERHOLUNG AUCH IN ANDEREN BRANCHEN

Die allmähliche Verbesserung des internationalen Umfeldes komme auch der Schweiz zugute und die Erholung der Exporte dürfte sich fortsetzen. Bisher sei die positive Entwicklung aber zu einem wesentlichen Teil von den Ausfuhren der pharmazeutischen Industrie getrieben gewesen. Mit der allmählichen Festigung der internationalen Konjunktur dürfte die Erholung auch andere Branchen erfassen, so die SNB.

So hätten seit Jahresbeginn auch die Exporte von Maschinen, Präzisionsinstrumenten und Metallwaren wieder etwas zugelegt. Somit sollte sich die Auslastung der Produktionskapazitäten in der verarbeitenden Industrie weiter verbessern. Dies dürfte die Investitionsneigung der Unternehmen stärken und positive Auswirkungen auf dem Arbeitsmarkt zeigen. So rechne die SNB mit einer Stabilisierung der Arbeitslosenquote in der zweiten Jahreshälfte.

Doch nicht alle Branchen und Unternehmen würden gleich stark von der Belebung der Nachfrage profitieren, warnen die Währungshüter. Und unabhängig von der konjunkturellen Lage seien die Unternehmen mit technologischen, institutionellen und marktbedingten Veränderungen konfrontiert. Um die Herausforderungen zu meistern, müssten die Unternehmen weiterhin mit Innovationen und neuen Geschäftsideen ihre Produkte erfolgreich positionieren. "Gleichzeitig muss die Schweiz weiterhin alles daran setzen, Rahmenbedingungen zu bieten, die es den Unternehmen ermöglichen, im globalen Wettbewerb zu bestehen", sagte SNB-Präsident Thomas Jordan vor den Medien.

KEINE ENTWARNUNG AM IMMOBILIENMARKT

Die neue Inflationsprognose der SNB zeigt derweil einen rascheren Anstieg der Inflation als noch im März. Konkret wird für 2016 die Inflation im Durchschnitt bei -0,4% nach -0,8% und für 2017 bei +0,3% (alt: +0,1%) gesehen. Für 2018 wurde sie auf +0,9% belassen. Grund dafür sei der zuletzt deutlich gestiegene Ölpreis. Nach dem ersten Quartal 2017 entfalle dann der Effekt dieser Ölpreiserhöhung auf die Jahresteuerung.

Keine Entwarnung gibt die SNB mit Blick auf den Immobilienmarkt. Zwar habe sich das Hypothekenwachstum im ersten Quartal 2016 nochmals leicht verlangsamt, dafür seien aber die Preise auf dem Immobilienmarkt wieder etwas rascher gestiegen. Daher hätten die Ungleichgewichte am Hypothekar- und Immobilienmarkt leicht zugenommen. Die Nationalbank beobachte die Entwicklungen weiterhin aufmerksam und prüfe regelmässig, ob der antizyklische Kapitalpuffer angepasst werden müsse.

ra/uh

(AWP)