SNB hält an expansiver Geldpolitik fest - Franken bleibt "deutlich überbewertet"

(Ausführliche Fassung)
15.12.2016 10:41

Zürich (awp) - Die Schweizerische Nationalbank (SNB) bekräftigt ihre seit der Aufhebung des Euro-Mindestkurses geltende Geldpolitik ein weiteres Mal und bleibt dabei "unverändert expansiv": Sie belässt das Zielband für den Dreimonats-Libor bei -1,25% bis -0,25% und den Zins auf Sichteinlagen bei der Nationalbank bei -0,75%.

Gleichzeitig bleibe man bei Bedarf weiterhin am Devisenmarkt aktiv, wobei die gesamte Währungssituation berücksichtigt werde, sagte SNB-Präsident Thomas Jordan am Donnerstag anlässlich der vierteljährlichen geldpolitischen Lagebeurteilung in Bern. Die expansive Geldpolitik verfolge das Ziel, die Preisentwicklung zu stabilisieren und die Wirtschaftsaktivität zu unterstützen.

Der Negativzins und die Bereitschaft der SNB, am Devisenmarkt einzugreifen, dienten derweil dazu, Anlagen in Schweizer Franken weniger attraktiv zu machen und so den Druck auf den Franken zu verringern, heisst es. Der Franken bleibe weiterhin deutlich überbewertet, betonte Jordan denn auch.

Insgesamt zeigte er sich vor den Medien aber zufrieden: "Unsere Geldpolitik hat sich auch im unruhigen letzten Halbjahr bewährt". Der Negativzins vermindere die Attraktivität von Frankenanlagen, indem er die frühere Zinsdifferenz zum Ausland teilweise wieder hergestellt habe. Und die Interventionsbereitschaft der SNB wirke in Phasen erhöhter Volatilität stabilisierend auf den Wechselkurs.

Beide Säulen der Geldpolitik - Negativzins und Interventionsbereitschaft - vermindern laut dem SNB-Chef zusammen den Druck auf den Franken. So sei der Franken trotz zeitweise stark erhöhter Unsicherheit in den letzten Monaten insgesamt "recht stabil" geblieben. Ausserdem habe der Negativzins zu niedrigeren Zinsen am Kapitalmarkt geführt, was die Finanzierung der Unternehmen erleichtere.

"Unsere expansive Geldpolitik ist also wirksam", so Jordans Fazit. Der Moment für eine Normalisierung ist aber offenbar noch nicht da: Der Negativzins und die Interventionsbereitschaft seien "weiterhin notwendig und angemessen", glaubt Jordan. Dies weil die Inflation immer noch sehr tief sei, die Produktionskapazitäten nicht ausreichend ausgelastet seien und der Franken weiterhin deutlich überbewertet sei.

INFLATIONSPROGNOSE LEICHT ANGEBPASST

Die (bedingte) Inflationsprognose für die Schweiz wurde gegenüber September gar leicht nach unten angepasst. Für 2016 wird die Inflation zwar unverändert bei -0,4% gesehen, für 2017 allerdings bei +0,1% (bisher: +0,2%) und für 2018 bei +0,5% (bisher: +0,6%). Die bedingte Inflationsprognose beruht dabei wie immer auf der Annahme, dass der Dreimonats-Libor über den gesamten Prognose-Zeitraum unverändert bleibt.

Bezüglich Wachstum bleibt die SNB bei ihrer Prognose und erwartet in der Schweiz für 2016 weiterhin ein Wachstum des realen Bruttoinlandprodukte (BIP) von "rund 1,5%". Erstmals prognostiziert sie auch das Wachstum für 2017 und erwartet dabei ebenfalls "rund 1,5%". Die Nationalbank geht davon aus, dass sich das moderate Wachstum der Weltwirtschaft im Jahr 2017 fortsetzen wird. Das Basisszenario unterliege jedoch weiterhin erheblichen Risiken.

Strukturelle Probleme in verschiedenen Industrieländern könnten zu Verwerfungen führen, meinen die hiesigen Währungshüter. Hinzu kämen zahlreiche politische Unsicherheiten, welche insbesondere mit der künftigen Ausgestaltung der US-Wirtschaftspolitik, mit anstehenden Wahlen in mehreren Ländern der Eurozone sowie mit den Brexit-Verhandlungen zwischen Grossbritanniens und der EU verbunden seien. Angesichts dieser Risiken seien die Unsicherheiten auch für die Schweiz bedeutend.

UNGLEICHGEWICHTE AM HYPOTHEKEN-MARKT NACH WIE VOR HOCH

Wie üblich äussert sich die SNB auch zum Hypotheken- und Immobilienmarkt. Das Wachstum in den vergangenen sechs Monaten sei auf einem relativ tiefen Niveau in etwa konstant geblieben, heisst es. Gleichzeitig seien die Ungleichgewichte auf diesen Märkten aufgrund der Entwicklung der Fundamentalfaktoren insgesamt leicht gesunken.

Die Ungleichgewichte seien jedoch immer noch ähnlich hoch wie im Jahr 2014, als der sektorielle antizyklische Kapitalpuffer auf 2% festgelegt worden sei, heisst es dazu. Die Nationalbank beobachte die Entwicklungen auf diesen Märkten entsprechend "weiterhin aufmerksam" und prüfe regelmässig, ob der Kapitalpuffer angepasst werden müsse.

uh/rw

(AWP)