SNB-Maechler: Franken bleibt hoch bewertet - Halten an unserer Politik fest

Für die Schweizerische Nationalbank (SNB) gibt es nach wie vor keinen Grund, von ihrer expansiven Geldpolitik abzurücken. "Die Abschwächung des Frankens in den letzten Monaten hat zu einem gewissen Abbau der deutlichen Überbewertung beigetragen; dennoch bleibt der Franken hoch bewertet", sagte Direktoriumsmitglied Andréa Maechler am Donnerstag laut Redetext am Geldmarkt-Apéro der SNB in Genf.
16.11.2017 19:20

"Vor diesem Hintergrund hält die SNB unverändert an ihrer expansiven Geldpolitik fest", so Maechler weiter. Diese beruhe nach wie vor auf der Negativzinspolitik und der Bereitschaft, bei Bedarf am Devisenmarkt zu intervenieren.

Sie verwies dabei auch auf die Effekte der SNB-Politik auf den Kapitalmarkt. So sei der Anleihenmarkt trotz "deutlich günstigerer Finanzierungsbedingungen" in den letzten Jahren nicht gewachsen. Dies im Gegensatz zu anderen Ländern mit expansiver Geldpolitik. Als einen Grund nannte Maechler, dass das Auslandsegment geschrumpft sei. Im Inland hingegen hätten die tiefen Zinsen den Anleihenmarkt sehr wohl belebt.

SNB-MOSER: KEIN AKUTER AUFWERTUNGSDRUCK MEHR

Laut Dewet Moser, stellvertretendem Mitglied des SNB-Direktoriums, haben sich in den letzten Monaten am Devisenmarkt gleichwohl "bemerkenswerte Entwicklungen" ereignet. "Aus Sicht der SNB besteht der grosse Unterschied zu früher darin, dass auf dem Franken zumindest aktuell kein akuter Aufwertungsdruck mehr lastet."

Der Aufwertungsdruck sei gewichen, weil sich in der Eurozone die Lage und die Stimmung positiv gewandelt hätten, die Entwicklung in den USA weiterhin günstig verlaufe und auch die Verfassung der Weltwirtschaft insgesamt solide geblieben sei, so Moser.

Die Dynamik der Frankenabschwächung im Juli sei "zweifellos beträchtlich" gewesen, meinte er weiter. Insgesamt sei das Geschehen jedoch "stets in geordneten Bahnen" und bei intakter Marktliquidität verlaufen. Er räumte jedoch ein, dass etliche Akteure von den Ereignissen überrascht worden sein dürften - "insbesondere diejenigen, die davon ausgegangen waren, die Risiken im Franken seien stets einseitig verteilt".

Auch wenn die Analysten nun von einer dauerhaften Abschwächung ausgingen, bleibt für Moser die Lage am Devisenmarkt "fragil". Daher sei die expansive Geldpolitik angemessen. "Die SNB bleibt sowohl am Devisenmarkt als auch am Geldmarkt am Ball, um ihren Auftrag erfüllen zu können", sagte Moser. "Wir beobachten, analysieren und interpretieren weiterhin das Geschehen, die Trends und die strukturellen Veränderungen mit Akribie."

rw/tp

(AWP)