SNB Stabilitätsbericht: Keine Entwarnung für Immo-Markt - Stabile Zinsmargen

Zürich (awp) - Die Schweizerische Nationalbank (SNB) gibt keine Entwarnung für den Schweizer Hypothekar- und Immobilienmarkt. So seien die Ungleichgewichte im vergangenen Jahr wieder leicht angestiegen. Zwar sei das Kreditvolumen weniger stark gewachsen und auch das Wachstum der Immobilienpreise habe sich etwas verlangsamt. Gleichzeitig hätten sich aber auch die Wirtschaftsentwicklung, das Bevölkerungswachstum und die Mietpreise schwächer entwickelt, schreibt die SNB in ihrem am Donnerstag veröffentlichten Stabilitätsbericht.
16.06.2016 08:44

Das etwas schwächere Wachstum des Hypothekargeschäfts im vergangenen Jahr sei vor allem auf die beiden Grossbanken zurückzuführen, stellt die SNB fest. Bei den Inlandbanken habe sich dagegen keine Verlangsamung des Hypothekargeschäfts gezeigt: 2015 sei das Hypothekarvolumen erneut um 4,3% angestiegen, womit es klar über dem BIP-Wachstum lag. Auch der Anstieg der Immobilienpreise sei weiterhin höher als durch Fundamentaldaten wie BIP oder Bevölkerungswachstum erklärt werden könne.

STABILISIERTE MARGEN IM ZINSGESCHÄFT

Bei den neuen Hypothekarkrediten sei auch der Anteil der risikoreicheren Darlehen mit einer hohen Belehnung im Verhältnis zum Immobilienwert weiter angestiegen, stellt die SNB fest. Die durchschnittliche Laufzeit der Hypothekarkredite hat sich weiter erhöht. Dennoch machen Kredite, die über fünf Jahre oder mehr laufen, noch immer nur etwas über 25% aus - entsprechend wären fast 75% der Kredite in einem Fünf-Jahre-Horizont von einem Zinsschock oder auch einer Korrektur der Immobilienpreise betroffen. Rund 35% des Hypothekarvolumens habe gar eine Fälligkeit unter 12 Monaten.

Trotz des Negativzins-Umfelds hätten sich die Margen der Banken im Zinsengeschäft allerdings "auf niedrigem Niveau" stabilisiert - nachdem es zuvor während sieben Jahren nach unten ging, so der Bericht. Während die Banken die Zinsen für die Sparer trotz negativer Kapital- und Geldmarktsätze etwa bei Null beliessen, erhöhten sie die Margen auf den Neuhypotheken deutlich. Die Stabilisierung der Zinsmargen sei zwar "bemerkenswert" - gleichzeitig sei auch fraglich, wie lange diese Margen aufrechterhalten werden könnten, so die SNB.

VERBESSERTE KAPITALISIERUNG

Die Situation der Inlandsbanken bezüglich der Kapitalanforderungen sieht die SNB im vergangenen Jahr insgesamt verbessert an. Im Verhältnis zu den regulatorischen Minimalanforderungen hielten die Banken substanzielles Überschusskapital. Dieses scheine auch genügend gross, um die Verluste in den meisten ungünstigen Szenarien aufzufangen, stellt die Nationalbank fest. Dabei nennt sie namentlich die Szenarien einer Euro-Schuldenkrise mit einer hartnäckigen Rezession sowie eines Zinsschocks.

Die Banken hätten auch die zusätzlichen Anforderungen aus dem erhöhten antizyklischen Kapitalpuffer und den verschärften FINMA-Regelungen erfüllt, lobt die Nationalbank. Sie nennt in dem Bericht auch namentlich die als "systemrelevant" erklärten Zürcher Kantonalbank (ZKB) und Raiffeisen-Gruppe, welche ihre spezifischen Anforderungen übererfüllten. Für die PostFinance treten die Anforderungen erst Mitte 2016 in Kraft.

KAPITALPUFFER ÜBERPRÜFEN

Und die Risiken für die Finanzstabilität aus dem Schweizer Hypothekar- und Immobilienmarkt könnten auch weiterhin zunehmen, mahnt die SNB. Sie verweist dabei insbesondere auf den nur schwachen Anstieg der zugrundeliegenden Makrodaten. Auch dürfte der Preisdruck im Immobilienmarkt weiterhin hoch bleiben, solange sich die Zinssätze nicht wieder normalisierten - womit sich auch das Risiko eines künftigen starken Preisrücksetzers bei einem Wiederanstieg der Zinsen erhöhe.

Die SNB werde die Entwicklung in den Märkten und insbesondere auch die von den Banken eingegangenen Risiken weiter verfolgen, heisst es in dem Bericht. Gleichzeitig werde der Bedarf für eine Anpassung des antizyklischen Kapitalpuffers "regelmässig überprüft".

tp/ra

(AWP)