Spanischer Anleihemarkt reagiert mit Erleichterung auf Wahlergebnis

FRANKFURT/MADRID (awp international) - Der spanischen Anleihemarkt hat am Montag mit Erleichterung auf das Wahlergebnis vom Wochenende reagiert. Die Gewinne für die bürgerliche Volkspartei (PP) von Ministerpräsident Mariano Rajoy und das eher schlechte Abschneiden der linken Partei Podemos sorgten für Zuversicht. Die Risikoaufschläge für spanische Anleihen gingen zurück. Die Unsicherheit dürfte jedoch anhalten, da eine Regierungsbildung noch nicht in Sicht ist.
27.06.2016 16:31

Die Rendite für zehnjährige spanische Staatsanleihen fiel um 19 Basispunkte auf 1,42 Prozent. Sie liegt damit wieder unter dem Niveau vor dem Brexit-Referendum. Nach der Entscheidung der Briten für einen Austritt aus der EU war die Rendite am Freitagmorgen noch bis auf 1,830 Prozent gestiegen. Der Rückgang der Rendite am Montag war der stärkste in der gesamten Eurozone.

Der spanische Aktienmarkt drehte am Nachmittag ins Minus. Der Leitindex IBEX-35 fiel um 1,62 Prozent auf etwa 7654 Punkte. Allerdings fielen die Verluste geringer aus als an den anderen Finanzplätzen der Eurozone.

SCHWIERIGE AUSGANGSPOSITION BLEIBT

Die Spanier haben am Sonntag zum zweiten Mal innerhalb von sechs Monaten ein neues Parlament gewählt. An der schwierigen Ausgangsposition für eine Regierungsbildung hat sich nichts geändert. Die bisher schon stärkste Volkspartei PP hat einige Stimmen hinzugewonnen. Eine Koalition mit den schwächelnden liberalen Ciudadanos ist aber weiter nicht möglich. Andererseits wäre eine linke Regierung aus den Sozialisten (PSOE) und Podemos nur durch die Unterstützung von Regionalparteien möglich.

Die Experten der Commerzbank sehen in einer Koalition von PP und PSOE das wahrscheinlichste Szenario. "Ein wirtschaftspolitischer Kurswechsel wie in Portugal bliebe bei dieser Kombination mit grosser Wahrscheinlichkeit aus", kommentierte Volkswirt Ralph Solveen von der Commerzbank. Die PSOE dürfte dann versuchen, einige soziale Härten zu entschärfen. Angesichts der von der PP versprochenen Steuersenkungen sei ein merklicher Rückgang des Budgetdefizits unwahrscheinlich. "Trotzdem wäre eine solche Kooperation von Volkspartei und Sozialisten aus Sicht der Investoren wohl die bessere Lösung."

Regierungschef Mariano Rajoy von der PP versprach am Montag, dass er innerhalb eines Monats eine neue Regierung auf die Beine stellen werde. Er habe die Möglichkeit dafür. Allerdings fand diese Aussage keinen Widerhall bei den anderen Parteien.

'VORMARSCH DER POPULISTEN GESTOPPT'

"Die politische Unsicherheit in Spanien setzt sich fort", kommentierte Holger Schmieding, Chefvolkswirt der Berenberg Bank. Die Tatsache, dass die linksgerichtete Podemos noch weiter von einer Regierungsbildung entfernt sei als zuvor, sei jedoch ein positiver Effekt aus den Wahlen. "Die Hauptbotschaft der Wahl für Europa ist jedoch, dass der Vormarsch der Populisten sich nicht fortgesetzt hat", sagte Schmieding. Insgesamt habe Spanien eine positive Haltung zur EU und wolle eine Konfrontation mit Brüssel vermeiden./jsl/tos/das

(AWP)