Starker Yen lastet auf japanischer Industrieproduktion

TOKIO (awp international) - Die japanische Industrie ächzt unter der starken heimischen Währung. Im Mai ist die Fertigung der Industrieunternehmen im Vergleich zum April überraschend deutlich um 2,3 Prozent zurückgegangen. Das geht aus am Donnerstag in Tokio veröffentlichten Zahlen der Regierung hervor. Experten hatten im Mittel nur einen leichten Rückgang um 0,2 Prozent erwartet.
30.06.2016 12:53

Im März und April hatte sich die Produktion zunächst wieder erholt, nachdem sie im Februar um 5,2 Prozent eingebrochen war und damit so stark wie seit der Atomkatastrophe von Fukushima im März 2011 nicht mehr.

Besonders stark fielen im Mai die Produktionsrückgänge in der Elektronikindustrie und im Maschinenbau aus. Beide Sektoren hängen erheblich von Aufträgen aus dem Ausland ab. Die japanischen Exporte waren im Mai insgesamt um 11,3 Prozent eingebrochen. Durch die inländische Nachfrage konnte dies nicht ausgeglichen werden. Der Einzelhandel verzeichnete im Mai eine Stagnation.

"Der starke Yen schwebt wie ein Damoklesschwert über der japanischen Wirtschaft", kommentiert Stefan Grosse, Experte bei der Landesbank Nord/LB. Eine starke heimische Währung schwächt tendenziell die inländische Exportindustrie, weil sie die heimischen Produkte aus Sicht des Auslands teurer macht.

Trotz der Einführung von Negativzinsen durch die japanische Notenbank im Januar hat der Yen seither mehr als 15 Prozent aufgewertet. Und Besserung ist nicht in Sicht. Im Gegenteil: Nach dem Brexit-Votum hat die japanische Währung erneut kräftig an Wert gewonnen./tos/bgf/fbr

(AWP)