Studie: Schweiz bietet überwiegend positive Standortfaktoren für KMU

(Meldung nach Telefonkonferenz ergänzt)
01.09.2016 14:45

Zürich (awp/sda) - Die Schweiz bietet laut einer Studie der Credit Suisse überwiegend gute Standortfaktoren für kleine und mittlere Unternehmen (KMU). Sieben von neun Standortfaktoren sind positiv. Negativ werden von den Firmen indes das wirtschaftliche Umfeld und die Auslandsverflechtung beurteilt.

Hier schlägt der starke Franken durch. Durch die Frankenaufwertung im vergangenen Jahr hätten viele KMU erneut an Wettbewerbsfähigkeit im In- und Ausland eingebüsst, was letztlich auch das Wachstum der Binnenwirtschaft gebremst habe, schreibt die Credit Suisse in der Studie, die am Donnerstag veröffentlicht wurde. So habe etwa der Detailhandel unter dem Einkaufstourismus gelitten.

Viele exportierende Industrieunternehmen hatten bereits vorher infolge der Frankenaufwertung zwischen 2010 und 2011 an Konkurrenzfähigkeit bei den Preisen ihrer Produkte eingebüsst. 2015 verschärfte sich die Lage indes nochmals und veranlasste viele Schweizer Unternehmen dazu, Gegenmassnahmen zu ergreifen.

FRANKENSCHOCK HALLT NACH

"Der Prozess der Verdauung des Frankenschocks dürfte auch bei den KMU noch nicht komplett abgeschlossen sein", hiess es. Allerdings "haben wir das Schlimmste des Frankenschocks hinter uns", sagte CS-Chefökonom Oliver Adler in einer Telefonkonferenz. Die Wirtschaftsentwicklung sei aber flau, und die Exporte zeigten trotz leichter Erholung ein gemischtes Bild.

Die wichtigste Massnahme gegen die Standortnachteile ist für Schweizer KMU die Einführung neuer Technologien. 72 Prozent der 1942 befragten KMU würden stark bis sehr stark auf diese Massnahme setzen, stellte Studienautorin Patricia Feubli fest.

Dabei dürfte die zunehmende Vernetzung von Arbeits- und Produktionsprozessen mit dem Internet, was mit dem Modewort Industrie 4.0 umschrieben wird, eine bedeutende Rolle spielen. Damit wollen die Firmen ihre Wettbewerbsfähigkeit erhöhen. Bereits über ein Fünftel der befragten KMU verwenden neuste digitale Technologien wie sich selbst organisierende Produktionssysteme oder Big-Data-Auswertungen stark bis sehr stark.

Zweitwichtigste Massnahme gegen Standortnachteile ist die Entwicklung neuer Produkte oder Dienstleistungen, gefolgt von Investitionen in Mitarbeiter und verstärktem Import von Vorleistungen.

AUSLAGERUNGEN INS AUSLAND

Auslagerungen ins Ausland stehen am Schluss der Rangliste der Gegenmassnahmen. Lediglich knapp ein Viertel der KMU betrachtet Auslagerungen ins Ausland als wichtige Massnahme gegen Standortnachteile der Schweiz. Allerdings sind es bei KMU mit mindestens einem Auslandsstandort gar mehr als die Hälfte, bei exportierenden KMU immer noch 40 Prozent.

"Insgesamt stellen alle Branchen dem Standort Schweiz ein gutes Zeugnis aus", sagte Feubli. Es gebe aber Unterschiede. Die Unternehmensdienstleistungen, Gesundheit und soziale Dienste sowie die Informatik- und Telekombranche gäben eine überdurchschnittlich gute Bewertung ab.

Am schlechtesten fällt die Bewertung der Branche Verkehr und Transport aus. Hier dürfte das überlastete Strassennetz auf den wichtigsten Verkehrsachsen eine Rolle gespielt haben.

In der Schweiz sind weit über eine halbe Million KMU tätig. Diese Firmen mit weniger als 250 Mitarbeitern stellen mehr als zwei Drittel der hiesigen Arbeitsplätze.

(AWP)