Südkoreas Zentralbank senkt Leitzins überraschend auf Rekordtief

(Ausführliche Fassung)
09.06.2016 10:31

SEOUL (awp international) - Die Zentralbank von Südkorea hat die geldpolitischen Zügel überraschend weiter gelockert. Der Geldmarktausschuss der Bank of Korea beschloss am Donnerstag, den Leitzins von 1,50 Prozent auf das Rekordtief von 1,25 Prozent herabzusetzen. Der Markt wurde von der Zinssenkung überrascht. Nur einer von 18 Experten, die von der Nachrichtenagentur Bloomberg befragten wurden, hatte eine Zinssenkung für möglich gehalten.

Gründe für die Zinssenkung in einer der wichtigsten Wirtschaftsnationen der Welt sind eine zu niedrige Inflation und zuletzt vergleichsweise schwache Exporte. Die Notenbank sieht wachsende Risiken für die Wirtschaft des Landes. Südkorea leidet unter der schwächeren Weltwirtschaft. Diese bremst den globalen Handel und belastet die stark exportabhängigen koreanischen Konzerne.

FIRMEN LEIDEN UNTER HOHER VERSCHULDUNG

Ausserdem leiden viele koreanische Unternehmen unter einer hohen Verschuldung. Vor allem die Werften des Landes haben wegen der Krise in der Schifffahrt hohe Verbindlichkeiten aufgetürmt.

Zuletzt hatte auch die Geldpolitik in den USA einen starken Einfluss auf die Entwicklung in Südkorea. Nach enttäuschenden Arbeitsmarktdaten aus den USA waren die Erwartungen an eine baldige Zinserhöhungen durch die amerikanische Notenbank Fed schlagartig gegen Null gesunken. Dies hatte zu einer starken Abwertung des Dollar geführt, während andere wichtige Währungen, darunter der Won, im Gegenzug an Wert gewonnen hatten. Eine stärkere Währung belastet die Exportgeschäfte des Landes.

WON TROTZ ZINSSENKUNG KAUM VERÄNDERT

Die Aussicht einer schwächeren Entwicklung der koreanischen Wirtschaft habe die Zinssenkung notwendig gemacht, kommentierte Experte Park Jong Youn vom Finanzdiesntleister NH Investment & Securities. Seiner Einschätzung nach haben jüngste Pläne der Regierung in Seoul im Kampf gegen die hohe Verschuldung der Firmen den Zinsschritt beschleunigt.

Nach der Zinsentscheidung versicherte Notenbankchef Lee Ju Yeol, dass die Bank of Korea ihre lockere Geldpolitik zur Stützung der Wirtschaft fortsetzen werde. Die heimische Währung Won geriet aber nur für kurze Zeit unter Druck und hielt sich zuletzt zum US-Dollar kaum verändert./jkr/bgf/fbr

(AWP)