Swiss Re rechnet weltweit mit deutlich höheren Katastrophenschäden

Zürich (awp) - Im Jahr 2016 haben Katastrophen weltweit deutlich mehr Kosten verursacht als noch im Jahr davor. Der Rückversicherer Swiss Re schätzt den weltweiten gesamtwirtschaftlichen Schaden aus Natur- und sogenannten Man-made-Katastrophen auf mindestens 158 Mrd USD. Im Jahr 2015 beliefen sich diese Kosten auf 94 Mrd. Für diesen Anstieg seien in erster Linie grosse Katastrophen wie Erdbeben und Überschwemmungen verantwortlich, wie die Swiss Re am Donnerstag schreibt.
15.12.2016 10:12

Damit müssen auch die Versicherungsgesellschaften weltweit im zu Ende gehenden Jahr höhere Schadenskosten bewältigen. Vom gesamtwirtschaftlichen Schaden waren gemäss den vorläufigen sigma-Schätzungen rund 49 Mrd USD versichert nach 37 Mrd im Vorjahr. Die grosse Lücke zwischen Gesamtschaden und versichertem Schaden zeige, dass sich 2016 viele Katastrophen in Regionen mit geringer Versicherungsdeckung ereignet hätten, so die Swiss Re weiter.

Naturkatastrophen alleine verursachten weltweit einen gesamtwirtschaftlichen Schaden von 150 Mrd USD, wovon 42 Mrd (VJ 28 Mrd) versichert waren. Damit bewege man sich immer noch leicht unterhalb des Durchschnitts der vergangenen zehn Jahren von 46 Mrd. Die Man-made-Katastrophen von knapp 9 Mrd lösten derweil Versicherungsansprüche in Höhe von 7 Mrd aus.

Das Schadenjahr 2016 hätten starke Erdbeben etwa in Taiwan, Japan, Ecuador, Italien und Neuseeland geprägt. Dabei gehörte jenes zu den grössten, welches sich am 16. April in der japanischen Präfektur Kumamoto mit einer Stärke auf der Richterskala von 7,0 ereignet habe, so die Swiss Re. Das Erdbeben forderte 137 Todesopfer, der wirtschaftliche Schaden betrug 20 Mrd USD, wovon 5 Mrd versichert sind. Das Beben in Mittelitalien im August verursachte Kosten für den Wiederaufbau von rund 5 Mrd, wobei allerdings lediglich 70 Mio von Versicherungen gedeckt sind.

Die Gesellschaft sei zu wenig gegen Erdbebenrisiken versichert, wird Kurt Karl, Chefökonom bei Swiss Re, zitiert. "Italien ist beispielsweise die achtgrösste Volkswirtschaft der Welt, doch nur 1% aller Häuser sind gegen Erdbeben versichert." Daher müssten die Haushalte und die Gesellschaft als Ganzes den Grossteil der Wiederaufbaukosten infolge der diesjährigen Erdbeben tragen.

Erhebliche Schäden hat im Oktober auch der Hurrikan Matthew angerichtet, der von der östlichen Karibik herkommend über den Südosten der USA hinweggefegt ist. Der wirtschaftliche Schaden belief sich daraus auf 8 Mrd USD, der nicht versicherte Schaden wird auf über 4 Mrd geschätzt. Matthew forderte 733 Todesopfer, die meisten Menschen starben in Haiti.

Ausserdem waren die USA 2016 von verschiedenen schweren Überschwemmungen betroffen. Am schlimmsten waren die Überschwemmungen in Louisiana und Mississippi infolge heftiger Regenfälle. Der wirtschaftliche Schaden aus diesem Ereignis betrug 10 Mrd USD, während die privat versicherten Schäden sich auf mindestens 1 Mrd beliefen.

mk/cp

(AWP)