Tagesüberblick Wirtschaft

Mittwoch, 18. Januar 2017
18.01.2017 17:33

GELD-ZURÜCK-GARANTIE: Die Pharmaindustrie will ihr Imageproblem mit einer Art Geld-zurück-Garantie bekämpfen. Am Weltwirtschaftsforum (WEF) in Davos wirbt Novartis-Chef Joe Jimenez für ein neues Preissystem, bei dem Medikamente nur bezahlt werden, wenn sie wirken. Die jüngsten Kontroversen über Medikamentenpreise hätten die bereits angeschlagene Reputation der Pharmaindustrie weiter geschädigt, schreibt Novartis-Chef Joe Jimenez in einem Gastbeitrag auf der Webseite des Forums. Die Branche muss sich laut Jimenez stärker bemühen, zu zeigen, dass sie ihr Geld auch wert ist. Um das zu erreichen, schlägt der Chef des Basler Pharmariesen eine Änderung im Preissystem vor: Die Pharmaindustrie soll sich für die Wirksamkeit ihrer Therapien bezahlen lassen anstelle für die Zahl der verkauften Pillen.

LICHTBLICKE: Die Schweizer Uhrenindustrie ist nach zwei Jahren der Exportflaute zuversichtlich für das laufende Geschäftsjahr. Am dritten Tag der internationalen Genfer Luxusuhrenmesse, des Salons International Haute Horlogerie (SIHH), äusserten sich einige Uhrenmarken-Chefs von der Richemont-Gruppe vorsichtig optimistisch zu den Geschäftsaussichten. Der Direktor der Uhrenmarke Vacheron Constantin, Juan-Carlos Torres, sagte, er sehe für seine Firma nun Licht am Ende des Tunnels und die Produktion werde für die kommenden zwei Jahre stabil bei 25'000 Stück liegen. Die Monate November sowie Dezember seien besser als der Rest des Jahres gewesen und im Januar festigte sich der Aufwärtstrend. Wilhelm Schmid, der Chef der Marke A. Lange & Söhne schaut nach einem guten Geschäftsjahr 2016 auch einem erfolgreichen 2017 entgegen. Zuversichtlich zeigte sich obendrein der künftige Firmenchef der Schaffhauser Uhrenmanufaktur IWC. Chris Grainger-Herr sieht positive Entwicklungen, da preisgünstigere Modelle für eine steigende Nachfrage sorgten. Für 2017 stimme ihn ausserdem positiv, IWC eine neue Fabrik sowie weitere Geschäftseröffnungen plane.

PASSAGIERREKORD: Auf dem Flughafen Basel-Mülhausen hat sich das Wachstum der Passagierzahlen im vergangenen Jahr verlangsamt. Mit rund 7,3 Millionen Fluggästen wurde dennoch ein neuer Rekord erzielt - der sechste in Folge. Auf dem binationalen EuroAirport (EAP) sind letztes Jahr exakt 7'314'269 Passagiere verzeichnet worden, wie der EAP mitteilte. Das sind 4 Prozent mehr als 2015. Die Wachstumsrate war damals aber mit 8 Prozent doppelt so hoch. Die Flughafendirektion ist jedoch zufrieden, dass trotz einem wirtschaftlich schwierigeren Umfeld und Terroranschlägen ein weiteres Rekordergebnis erzielt werden konnte. Für das laufende Jahr rechnen die Verantwortlichen im Passagierverkehr mit einem Plus von 3 bis 4 Prozent. Im Frachtgeschäft erwartet der EAP dagegen auch für 2017 eine Stagnation.

LEERE BÜROS: In den grossen Schweizer Städten hat es im letzten Jahr eine markante Zunahme an leeren Büros gegeben. Das Angebot an verfügbaren Büroflächen in Zürich, Genf, Bern, Lausanne und Basel wuchs um gut 7 Prozent auf 791'000 Quadratmeter. Dies sind die höchsten Leerstände seit über zehn Jahren. Am stärksten stiegen die Leerstände in Basel, wo sie gegenüber dem Vorjahr 2015 um die Hälfte auf 61'000 Quadratmeter zunahmen. Dennoch hat das Angebot erst wieder etwa das Niveau von 2010 bis 2012 erreicht. Die Leerstandsquote ist mit 2,8 Prozent nach wie vor tief. Auch in Lausanne haben die leeren Büroflächen im 2016 deutlich um gut ein Viertel zugenommen. In Bern stieg das Angebot in den ersten zehn Monaten um knapp 7 Prozent auf 100'000 m2. Die Leerstände dürften in den nächsten Jahren weiter zunehmen aufgrund von Neubauten durch den Bund. Unterdurchschnittlich waren die Anstiege in Zürich und Genf.

SEITWÄRTSBEWEGUNG: Der Schweizer Werbemarkt hat sich 2016 seitwärts bewegt. Das Werbeaufkommen betrug 5,370 Milliarden Franken. Das entspricht gerade mal einem Plus von 3,7 Millionen Franken oder 0,07 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Trotz der Integration der Google Werbedaten in die Statistik bleibe der Schweizer Werbemarkt erstarrt, teilte Media Focus mit. Der heimische Werbemarkt stagniere bereits seit zirka 2011, erklärte eine Media Focus-Sprecherin auf Anfrage. Da der Werbemarkt sehr ereignisgetrieben sei, könne keine Prognose für das laufende Jahr gemacht werden. Bei einem gesamthaft stagnierenden Markt legten die elektronischen Medien 2016 werbemässig um 2,8 Prozent auf neu 12 Prozent zu. Auch die Aussenwerbung verzeichnete einen Zuwachs um 8,2 Prozent auf einen Marktanteil von 12 Prozent. Weiter an Boden verloren haben die gedruckten Medien. Der Werberückgang bei den Printmedien lag bei 5,3 Prozent. Ihr Marktanteil sank auf 39 Prozent aus.

ÜBERNAHME: Der Luzerner Milchverarbeiter Emmi baut sein Geschäft mit Desserts aus. Emmi übernimmt das italienische Familienunternehmen Italian Fresh Foods (IFF). Mit der Akquisition verstärkt Emmi einen attraktiven Nischenmarkt. Seit der Übernahme der italienischen Dessertspezialisten A-27 im Jahr 2012 und Rachelli im Jahr 2013 habe man eine solide Position im Bereich der italienischen Dessertspezialitäten, teilte Emmi mit. Mit dem Zukauf von IFF könne das Know-how weiter vertieft und die Position in diesem wachsenden Nischenmarkt gefestigt werden. Zudem ermögliche die Übernahme den Zugang zu den niederländischen, kanadischen und US-amerikanischen Märkten, in denen Emmi mit Desserts bisher kaum präsent war. Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart. IFF mit Sitz in Lasnigo bei Como, erzielt einen Umsatz von knapp 20 Millionen Euro. 85 Prozent davon ausserhalb Italiens.

IM HOCH: Die US-Grossbanken Goldman Sachs hat den Gewinne 2016 deutlich steigern können. Unter dem Strich stieg der Gewinn im Vergleich zum Vorjahr um 27 Prozent auf 7,1 Milliarden Dollar. Die Finanzinstitute profitierten unter anderem vom Börsen-Boom und Kursausschlägen im Zuge der US-Präsidentschaftswahlen und des Brexits. Der Gewinn fiel jedoch auch wegen gesunkenen Personalkosten höher aus. Die Erträge dagegen gingen wegen der eher ruhigen Lage an den Märkte zum Jahresbeginn um neun Prozent auf 30,6 Milliarden Dollar zurück.

BONIKÜRZUNG: Die Deutsche Bank kürzt die Boni ihrer Führungskräfte drastisch. Für das Jahr 2015 war der Bonuspool mit 2,4 Milliarden Euro gefüllt. Für das Geschäftsjahr 2016 dürfte er jetzt jedoch um mindestens die Hälfte schrumpfen. So erhalten Mitarbeiter ab der mittleren Führungsebene für 2016 gar keine individuellen Boni, auch die gesamte Geschäftsleitung verzichtet erneut auf eine variable Vergütung. Betroffen von den Einschnitten sind rund ein Viertel der gut 100'000 Mitarbeiter des Konzerns. Die Kürzungen sind ein möglicher Hinweis darauf, dass die Deutsche Bank auch 2016 schlecht abgeschnitten hat. 2015 resultierte ein Rekordverlust von 6,8 Milliarden Euro.

VERLAGERUNG: Europas grösste Bank HSBC will nach einem EU-Austritt Grossbritanniens einen Teil ihrer Aktivitäten nach Paris verlagern. Frankfurt, Dublin und Luxemburg, die ebenfalls auf Zugänge hoffen, dagegen gehen leer aus. Etwa 20 Prozent der Handelsumsätze würden nach dem Brexit in die französische Hauptstadt gehen, kündigte Konzernchef Stuart Gulliver am Rande des Weltwirtschaftsforums in Davos an. "Wir gehen nicht dieses Jahr und vielleicht auch nicht nächstes Jahr", sagte Gulliver. "Wir gehen in etwa zwei Jahren, wenn der Brexit wirksam ist." HSBC habe alle notwendigen Lizenzen für solch einen Schritt. Nach dem Brexit-Entscheid im Juni 2016 hatte die Bank von etwa 1000 Jobs gesprochen, die aus London abwandern könnten.

ARBEITSLOSIGKEIT: Die Zahl der Beschäftigten in Grossbritannien ist zum zweiten Mal in Folge gesunken. Zwischen September und November fiel sie um 9000 auf rund 31,8 Millionen Erwerbstätige, wie das Statistikamt ONS mitteilte. Die Beschäftigungsquote verharrte aber mit 74,5 Prozent auf einem Rekordhoch, die Arbeitslosenquote mit 4,8 Prozent auf dem niedrigsten Stand seit elf Jahren. Die Löhne legten in den drei Monaten um 2,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum zu und damit so kräftig wie seit rund einem Jahr nicht mehr. Nach dem Brexit-Votum hat die britische Wirtschaft die erste Unsicherheit vergleichsweise gut weggesteckt.

FIRMENINSOLVENZEN: Die in der Kreditversicherung tätige Euler-Hermes-Gruppe sieht die Zahl der Insolvenzen im Jahr 2017 weltweit um 1 Prozent steigen. Das ist der erste Anstieg der Firmenpleiten seit sieben Jahren. Als Haupttreiber hinter diesem Zuwachs der globalen Firmenkonkurse sieht der Versicherer die negativen Prognosen für zahlreiche Weltregionen, die aus einer schwachen Weltwirtschaft, dem sinkende Wachstum des globalen Handels und etwa aufgrund von starken Preiskämpfen resultieren. Für die Schweiz geht der Kreditversicherer im laufenden Jahr von einer Stagnation bei den Unternehmenskonkursen aus, nachdem die Zahl der Firmenpleiten 2015 um 7 Prozent und bis Ende November 2016 um weitere 5 Prozent zugelegt hatten.

KEINE PLÄNE: Die arabische Fluggesellschaft Etihad hat Spekulationen über einen möglichen Einstieg bei der Lufthansa eine Absage erteilt. Das Unternehmen habe keine Pläne, sich als Aktionärin an der Lufthansa zu beteiligen, sagte Etihad-Chef James Hogan an einer Branchenkonferenz in Dublin. Allerdings sprächen beide Seiten über eine vertiefte Zusammenarbeit in Form weiterer Codeshare-Flüge, bei der Fluggesellschaften Flüge ihrer Partnerin unter einer eigenen Flugnummer anbieten. Am Dienstag hatte die italienische Zeitung "Il Messaggero" berichtet, Etihad könnte im Zuge einer privaten Kapitalerhöhung einen Anteil von 30 bis 40 Prozent an der deutschen Fluggesellschaft erhalten.

REKORDHÖHE: Die EU-Wettbewerbshüter haben 2016 so hohe Kartellstrafen verhängt wie nie zuvor. Insgesamt wurden Firmen Geldbussen von 3,73 Milliarden Euro aufgebrummt, wie aus Daten der EU-Kommission hervorgeht. Im Jahr zuvor waren es rund 365 Millionen Euro. Die jetzige EU-Kommission trat ihr Amt erst Ende 2014 an. 2014 und 2013 beliefen sich die Strafen auf jeweils rund 1,7 Milliarden Euro. Der weitaus grösste Batzen entfiel 2016 auf die Teilnehmer eines Lastwagenkartells, die insgesamt die Rekordsumme von fast drei Milliarden Euro zahlen mussten. Allein Daimler wurde dabei zu einer Strafe von gut einer Milliarde Euro verdonnert.

INFLATION: Steigende Benzinpreise haben die Inflation in Europa zum Jahresende kräftig nach oben getrieben. Im Dezember stiegen die Konsumentenpreise in den 19 Ländern der Eurozone um 1,1 Prozent und damit auf den höchsten Stand seit September 2013, wie die Statistikbehörde Eurostat mitteilte. Sie bestätigte damit eine erste Schätzung von Anfang Januar. Im November hatte die Inflation noch bei 0,6 Prozent gelegen. In den 28 Ländern der EU betrug die Teuerungsrate 1,2 Prozent. Neben den Benzinpreisen machten auch die für Gemüse und flüssige Brennstoffe das Leben für Konsumenten teurer.

TEUERUNG: Die Inflation hat sich in Deutschland zurückgemeldet. Waren und Dienstleistungen kosteten im Dezember im Schnitt 1,7 Prozent mehr als vor einem Jahr, gab das Statistische Bundesamt bekannt und bestätigte damit eine frühere Schätzung. Das ist die höchste Teuerungsrate seit rund dreieinhalb Jahren. Im November lag sie mit 0,8 Prozent nicht einmal halb so hoch. Im Gesamtjahr 2016 blieb der Preisdruck allerdings gedämpft: Im Schnitt stiegen die Konsumentenpreise um 0,5 Prozent, nach 0,3 Prozent 2015. Die deutsche Regierung und die Wirtschaftsweisen erwarten für dieses Jahr eine durchschnittliche Inflationsrate von 1,6 Prozent in Deutschland. Es wäre der höchste Wert seit 2012.

STEIGENDE PREISE: Die Preise in den USA ziehen kräftig an und liefern der Notenbank Fed Argumente für steigende Zinsen. Die Inflationsrate legte im Dezember zum Vorjahr um 2,1 Prozent zu, wie das Arbeitsministerium mitteilte. Dies ist der höchste Anstieg seit zweieinhalb Jahren. Insbesondere höhere Benzinpreise und Mieten sorgten für Auftrieb. Im November lag die Rate noch bei 1,7 Prozent. Die Fed strebt zwei Prozent an. Angesichts der rund laufenden Konjunktur hat sie den Leitzins im Dezember auf 0,5 bis 0,75 Prozent angehoben und drei weitere Schritte nach oben für 2017 ins Auge gefasst.

TRENNUNG: Der britische Bildungsverlag Pearson will sich von seinem Anteil an der weltgrössten Buchverlagsgruppe Penguin Random House trennen. Das teilte der unter Spardruck leidende Konzern in London mit. Der deutsche Bertelsmann hält derzeit mit 53 Prozent die restlichen Anteile an dem Gemeinschaftsunternehmen. Die Gütersloher zeigten sich für eine Aufstockung ihres Anteils offen, wenn die wirtschaftlichen Konditionen angemessen seien. Der britische Verlag Pearson hat wegen schwächelnder Geschäfte vor allem in den USA seine Gewinnziele für 2017 und 2018 drastisch gesenkt. Die Aktie des 173 Jahre alten Traditionshauses stürzte am Mittwoch um 26 Prozent ab und notierte damit vorübergehend auf dem niedrigsten Stand seit Juli 2009.

MILLIONENZAHLUNG: Zur Beilegung einer Bestechungs- und Korruptionsaffäre in mehreren Ländern hat sich der britische Motorenhersteller Rolls-Royce zu einer Zahlung von 671 Millionen Pfund (knapp 823 Millionen Franken) bereit erklärt. Ein britischer Richter segnete den Vergleich am Dienstag ab. Von der Summe gehen demnach knapp 500 Millionen Pfund an Grossbritannien, der Rest an Behörden in den USA und Brasilien. Rolls-Royce war vorgeworfen worden, über Mittelsmänner in China und Indonesien Schmiergelder gezahlt zu haben.

VERKAUF: Eine weitere Privatisierung in Griechenland ist unter Dach und Fach: Die staatlichen italienischen Eisenbahnen (Ferrovie Dello Stato Italiane) haben die griechische Staatsbahn Trainose gekauft. Ein entsprechender Vertrag wurde mit dem Privatisierungsfonds (TAIPED) unterzeichnet. Dies meldete das griechische Staatsfernsehen. Nach Berichten der Athener Finanzpresse soll der Kaufpreis bei 45 Millionen Euro liegen. Privatisierungen sind wesentlicher Bestandteil des griechischen Spar- und Reformprogramms und Voraussetzung für weitere Hilfen der Gläubiger des hoch verschuldeten Lands.

(AWP)