Tagesüberblick Wirtschaft

Donnerstag, 19. Januar 2017
19.01.2017 17:55

KEINE KURSÄNDERUNG: EZB-Chef Mario Draghi hat die scharfe Kritik aus Deutschland an der anhaltend lockeren Geldpolitik der Euro-Notenbank zurückgewiesen. "Wir müssen Geduld haben", forderte der Italiener in Frankfurt. Die Wirtschaft in der Euro-Zone sei nach wie vor auf eine erhebliche Unterstützung durch die Währungshüter angewiesen. Deshalb seien noch niedrige Zinsen erforderlich. Die konjunkturelle Erholung der gesamten Euro-Zone liege im Interesse aller - auch Deutschlands. Wenn sie sich verfestige, würden auch die Zinsen wieder steigen. Der Schlüsselsatz für die Versorgung der Geschäftsbanken mit Geld wurde bei der EZB-Ratssitzung nicht angetastet. Er liegt weiterhin auf dem Rekordtief von 0,0 Prozent. Auch am Anleihen-Kaufprogramm, mit dem Draghi die Konjunktur unterstützen und für mehr Inflation sorgen will, wurde nicht gerüttelt. Die Währungshüter pumpen seit März 2015 über den Kauf von Staatsanleihen Woche für Woche Milliarden in das Finanzsystem.

SINKENDE MIETEN: Nach langem Anstieg ist bei den Mieten die Decke erreicht. Im vergangenen Jahr sanken die Angebotsmieten um 1,3 Prozent. Das ist der erste Rückgang seit dem Jahr 2000. Neubaumieten sind 2016 gar um 3,4 Prozent gefallen. Für das laufende Jahr erwartet die UBS einen weiteren Rückgang der Angebotsmieten um 1 Prozent. Das Hoch am Immobilienmarkt ist vorbei. Die Leerstände von Mietwohnungen sind in den letzten Jahren deutlich gestiegen, was Druck auf die Mieten ausübt. Die Zahl der Gemeinden, die eine sehr tiefe Leerstandsquote von 1 Prozent oder weniger haben, ist seit dem Jahr 2013 um rund 30 Prozent gesunken. Auf der anderen Seite gibt es viel mehr Gemeinden mit sehr hohen Leerständen von über 7 Prozent. Im Durchschnitt betrug die Leerstandsquote in der Schweiz im letzten Jahr bei den Mietwohnungen 2 Prozent. Das sind 50'000 Wohnungen und doppelt so viele wie beim Tiefstand im Jahr 2009.

GESTUTZTE FLÜGEL: Der Schweizer Fluglinie Belair droht per Ende März das Aus. Die Muttergesellschaft Airberlin will sie liquidieren. Das Personal soll für zwölf Monate eine Job-Garantie erhalten. Belair, die einst aus der früheren Balair hervorgegangen war, soll den Flugbetrieb Ende März einstellen, wie Henning Hoffmann vom Berufsverband Aeropers zu Medienberichten sagte. Danach wird Belair quasi zum "Personaldienstleister". Die Piloten würden wohl zunächst für die Eurowings und die AUA ab Wien eingesetzt. Betroffen sind laut Hoffmann rund 300 Mitarbeitende. Wie es nach Ablauf der zwölfmonatigen Frist für sie weitergeht, ist offen. Airberlin äusserte sich anicht zu den Details über die "im September angekündigte Restrukturierung" des Unternehmens.

GUT AUFGESTELLT: Der Leistungsausweis der Gesundheitsgruppe Galenica für 2016 kann sich einmal mehr sehen lassen. Für Stirnrunzeln sorgt aber weiter das zögerliche Vorgehen bei der seit Jahren angekündigten Aufspaltung in einen Pharmateil und ein Apotheken- und Logistikgeschäft. Bereits im August 2014 taten nämlich die Berner kund, dass eine Trennung der beiden Geschäfte in zwei unabhängige börsenkotierte Unternehmen geplant sei. Geschehen sollte dies innert fünf Jahren. Nach der Prüfung verschiedener Varianten liege der Fokus der laufenden Vorbereitungsarbeiten auf einem Börsengang von Galenica Santé mittels öffentlicher Aktienplatzierung, heisst es der aktuellen Medienmitteilung. Galenica gibt sich dafür Zeit bis Ende 2017. Die beiden Unternehmenseinheiten scheinen tatsächlich bereit zu sein, sich eigenständig erfolgreich entwickeln zu können. Vifor Pharma und Galenica Santé trugen 2016 beide zum Anstieg des konsolidierten Nettoumsatzes um fast 9 Prozent auf 4,12 Milliarden Franken bei.

WEITERES WACHSTUM: Der Thurgauer Bauzulieferer Arbonia (ehemals AFG) hat im Geschäftsjahr 2016 widrigen Umständen getrotzt und ist in allen drei Geschäftsbereichen gewachsen. Der konsolidierte Umsatz stieg um 5,7 Prozent auf 995,3 Millionen Franken. Die fusionierte Looser wird ab 2017 konsolidiert. Währungs- und akquisitionsbereinigt resultierte für Arbonia 2016 noch ein Plus von 0,9 Prozent. Ein anspruchsvolles Umfeld in der europäischen Bauindustrie sowie umfangreiche Restrukturierungsprojekte hätten das aufgrund der laufenden Transformation herausfordernde Geschäftsjahr geprägt, teilte der Konzern mit. In der grössten Division, der Gebäudetechnik, resultierte 2016 ein Umsatzplus um 5,3 Prozent auf 486,8 Millionen Franken (bereinigt +1,1 Prozent). In der Gebäudesicherheit stieg der Umsatz um 6,2 Prozent auf 156,7 Millionen Franken (bereinigt +4,5 Prozent). Der Bereich Gebäudehülle konnte ein Umsatzplus von 5,9 Prozent auf 331,4 Millionen Franken erzielen. Währungs- und akquisitionsbereinigt resultierte allerdings ein Rückgang um 1,2 Prozent.

UMSATZ GEHALTEN: Das seit Mitte Dezember zur Arbonia-Gruppe gehörende Industrieunternehmen Looser hat seinen Umsatz im Geschäftsjahr 2016 knapp halten können. Ohne Währungseffekte, Zukäufe und Veräusserungen schreibt das Unternehmen allerdings ein Umsatzwachstum von 5,6 Prozent. Loser erwirtschaftete im vergangenen Jahr einen Nettoumsatz von 434,3 Millionen Franken und damit 0,5 Prozent weniger als im Vorjahr.

STABILER UMSATZ: Trotz des schwierigen Marktumfelds hat die Detailhandelsgruppe Volg im letzten Geschäftsjahr ihren Umsatz bei rund 1,5 Milliarden Franken stabil gehalten. Die 585 Volg-Dorfläden als wichtigster Absatzkanal erwirtschafteten einen Umsatz von 1,1 Milliarden Franken. Dies entspricht einem Anstieg von 1,4 Prozent gegenüber Vorjahr.

ENTLASSUNGEN BEI VÖGELE: Die Gewerkschaft Unia fordert die Respektierung der gesetzlichen Konsultationsrechte bei der angekündigten Massenentlassung am Hauptsitz des Bekleidungskonzerns Charles Vögele. Man sei schockiert, dass die neue Eigentümerin, der italienische Modekonzern OVS, rund 100 Mitarbeitende aus der Abteilung Einkauf in Pfäffikon SZ entlasse, heisst es in einer Medienmitteilung. Bereits Anfang 2016 habe Vögele nämlich 50 Vollzeitstellen in Pfäffikon gestrichen, die Hälfte davon durch Entlassungen. Zusammen mit den Beschäftigten fordert Unia transparente Informationen über das Ausmass und die Folgen der geplanten Massenentlassung. Sozialpläne und Begleitmassnahmen seien nun mit den Beschäftigten und der Gewerkschaft zu verhandeln.

TIEFERE GROSSHANDELSPREISE: Die Grosshandelspreise sind in der Schweiz im vergangenen Jahr durchschnittlich um 1,8 Prozent gesunken. Grund waren hauptsächlich tiefere Preise für Mineralölprodukte und pharmazeutische Produkte. Im Vorjahr betrug die durchschnittliche Jahresteuerung noch -5,4 Prozent, wie das Bundesamt für Statistik (BFS) mitteilte. Den stärksten Rückgang im Gesamtindex im Jahr 2016 verzeichnete der Importpreisindex. Dieser schrumpfte im Schnitt um 3 Prozent. Die Preise der inländischen Produzenten verringerten sich um durchschnittlich 1,3 Prozent.

KEINE KONSEQUENZEN: Der Kahlschlag des Gesamtkonzerns betrifft Ericsson Schweiz nicht. Der schwedische Netzwerkausrüster hatte im Herbst einen Abbau von 3900 Stellen in seinem Heimatland angekündigt. Er gehe nicht davon aus, dass auch in der Schweiz Personal gehen müsse, sagte Ericsson-Schweiz-Chef Martin Bürki am Rande einer Medienkonferenz im Gespräch mit der Nachrichtenagentur sda. "Wir haben hierzulande keine administrativen Einheiten." Effizienzgewinne seien kaum noch erreichbar, da Ericsson in der Schweiz schon sehr effizient unterwegs sei.

GEWINN GESTEIGERT: Die Liechtensteinische Landesbank (LLB) hat im Geschäftsjahr 2016 deutlich mehr verdient als im Jahr zuvor. Beim Konzernergebnis wird mit einer Steigerung um 20 Prozent auf 104 Millionen Franken gerechnet. Der Geschäftsertrag legte 2016 gemäss der Vorabinformation um 19 Prozent auf 371 Millionen Franken zu. Der Geschäftsaufwand stieg um 18 Prozent auf 258 Millionen Franken, dies vor allem infolge des strategischen Personalaufbaus, des Umbaus des Geschäftsstellennetzes, der Abgrenzungen für variable Vergütungen und der Bildung von Rückstellungen für Rechts- und Prozessrisiken. Das Geschäftsvolumen per Ende Dezember 2016 wird auf 58,0 Milliarden Franken beziffert.

ABZUG AUS LONDON: Die grossen Banken werden wegen des Brexits wohl Tausende Mitarbeiter aus London abziehen. Die Schweizer UBS und die britische HSBC haben nun konkrete Zahlen genannt. Etwa 20 Prozent des Handelsgeschäfts werde vermutlich nach Paris verlagert, sagte HSBC-Chef Stuart Gulliver dem Nachrichtensender Bloomberg TV am Weltwirtschaftsforum in Davos. Die Bank will damit sicherstellen, dass sie ihre Finanzprodukte auch nach einem Brexit im EU-Binnenmarkt anbieten kann. Auch UBS-Verwaltungsratspräsident Axel Weber kündigte an, etwa 1000 Jobs an andere Standorte zu verschieben, sollte Grossbritannien keinen Zugang zum Binnenmarkt erhalten. Noch gelte es abzuwarten, was bei einem Brexit-Deal herauskomme, doch man müsse für alle Fälle planen. "Wir haben das grösstenteils bereits gemacht", sagte Weber der BBC.

NEUE ÄRA: Mit der Amtseinführung Donald Trumps als US-Präsident bricht für die Weltwirtschaft einer Studie der Credit Suisse zufolge eine neue Ära an. Der Amtsantritt könnte das Ende der Globalisierung bedeuten, wie wir sie kennen, heisst es in der am Rande des Weltwirtschaftsforums (WEF) in Davos veröffentlichten Untersuchung "Getting over Globalization". "Damit wäre der Weg frei für den Übergang zu einer multipolaren Weltordnung", sagte Mitautor des Berichts Michael O'Sullivan. Dabei würden etablierte Machtzentren der Weltwirtschaft wie die USA, Asien mit China als Mittelpunkt und Europa zwar weiterhin dominieren. Andere "Pole" wie die Schwellenländer Indien, Brasilien und Südafrika würden aber an Einfluss gewinnen. Internationale Institutionen wie die Weltbank und die Welthandelsorganisationen stünden zur Diskussion.

WEG FREI: Nach jahrelangen und zähen Vorverhandlungen haben sich die Wirtschaftsunionen EFTA und MERCOSUR entschlossen, formelle Freihandelsverhandlungen aufzunehmen. Bundesrat Johann Schneider-Ammann unterzeichnete am Rande des Weltwirtschaftsforums (WEF) in Davos im Namen der Europäischen Freihandelsassoziation EFTA eine gemeinsame Erklärung mit dem südamerikanischen Staatenbündnis."Bei dieser Unterzeichnung handelt es sich um den Startschuss für Verhandlungen", sagte Schneider-Ammann. Nun komme endlich Bewegung ins Spiel. Der MERCOSUR-Markt sei riesig und eine Chance für den Schweizer Aussenhandel, auch wenn eine Öffnung für die Schweizer Landwirtschaft ganz klar eine Herausforderung darstelle.

ZURÜCK IN GEWINNZONE: Der russische Energiekonzern Gazprom hat im dritten Quartal 2016 wieder schwarze Zahlen geschrieben. Der Gewinn summierte sich auf umgerechnet knapp 1,6 Milliarden Euro, wie der Konzern erst jetzt mitteilte. Damit wurden die Erwartungen der Analysten übertroffen. Im Vorjahresquartal hatte noch ein kleiner Verlust zu Buche geschlagen. Das vom Kreml kontrollierte Unternehmen profitierte von einem wieder stärkeren Rubel, der die Bewertung der Firmenkredite in fremden Währungen positiv beeinflusst. Der Umsatz fiel im Quartal allerdings leicht, wegen niedrigerer Gaspreise bei Verkäufen nach Europa.

REUIGER WINTERKORN: Der frühere Volkswagen-Chef Martin Winterkorn hat sich vor dem Untersuchungsausschuss des deutschen Bundestages erneut für die Diesel-Abgasmanipulationen seines Unternehmens entschuldigt. "Ich möchte meine tiefe Bestürzung darüber zum Ausdruck bringen, dass wir Millionen unserer Kunden enttäuscht haben", sagte der 69-jährige Winterkorn. Auch er hätte das nicht für möglich gehalten. Er habe als Konzernchef die politische Verantwortung für diese Vorgänge übernommen und sei deshalb im September 2015 zurückgetreten. Dies sei der schwerste Schritt seines Lebens gewesen. Die Mitglieder des Untersuchungsausschusses zur VW-Abgasaffäre äusserten sich nach Winterkorns Ausführungen enttäuscht. "Eine grundlegend neue Erkenntnis haben wir nicht gewinnen können", hiess es.

DURCHSICHTIGERE PREISE: Fünf grosse Mietwagen-Unternehmen versprechen ihren Kunden klarere Preisangaben und Geschäftsbedingungen. Avis, Europcar, Enterprise, Hertz und Sixt haben laut EU-Kommission entsprechende Zusagen gemacht. Die Vereinbarung wurde von der EU-Kommission mit nationalen Konsumentenschützern und der britischen Wettbewerbsbehörde ausgehandelt. Demnach müssen im Buchungspreis künftig alle unvermeidbaren Kosten enthalten sein - also zum Beispiel für Winterpneus, wenn diese in nationalem Recht vorgesehen sind. Zudem muss es gut verständliche Angaben zu wichtigen Eckdaten geben, etwa zu im Tarif enthaltenen Kilometern, Regelungen zum Tanken, Stornierungen oder Kaution.

KRÄFTIGES KUNDENWACHSTUM: Netflix bleibt auf Wachstumskurs. Dank zugkräftiger Eigenproduktionen hat die Online-Videothek im Schlussquartal Kundenzahl und Umsatz deutlich gesteigert. Die US-Firma gewann nach eigenen Angaben weltweit 7,1 Millionen Abonnenten hinzu. Analysten hatten lediglich 5,2 Millionen vorhergesagt. Das Unternehmen lockte trotz einer Preiserhöhung mit Serien wie "Marvel's Luke Cage" und "The Crown" neue Zuschauer an. Der Umsatz schoss um 35,9 Prozent auf 2,48 Milliarden Dollar in die Höhe.

IN TRINKLAUNE: Der französische Spirituosen-Hersteller Remy Cointreau kann schon jetzt aufs bevorstehende chinesische Neujahrsfest anstossen. Vor den grossen Feierlichkeiten in diesem Monat deckten sich viele Chinesen mit Cognac ein, wie der Remy-Martin-Hersteller mitteilte. Diese Vorratskäufe trugen im abgelaufenen Quartal massgeblich zum Umsatzplus von neun Prozent auf 323,3 Millionen Euro bei. Auch in den Vereinigten Staaten lief das Geschäft dem Unternehmen zufolge zuletzt gut. Gerade dort wollen die Franzosen die Kunden auf den Geschmack der teureren Konzernmarken bringen. Der Umsatz mit Cognac allein, dem grössten Geschäftsbereich, erhöhte sich um mehr als 22 Prozent, wie das Unternehmen aus dem westfranzösischen Ort Cognac mitteilte.

(AWP)