Tagesüberblick Wirtschaft

Freitag, 20. Januar 2017
20.01.2017 17:07

STEIGERUNG: Der Industriezulieferer Dätwyler hat seinen Umsatz im Geschäftsjahr 2016 um 4,3 Prozent gesteigert. Das Ergebnis liegt unter den Erwartungen des Unternehmens. Grund waren unter anderem Kapazitätsengpässen und Sortimentsbereinigungen. Der Nettoumsatz nahm im Berichtsjahr um 4,3 Prozent auf 1,22 Milliarden Franken zu, wie der Urner Industriekonzern mitteilte. Ohne Währungseffekte, Zukäufe und Veräusserungen betrug das Wachstum 4 Prozent. Eine Prognose zu den Gewinnzahlen gibt Dätwyler in der Mitteilung keine ab. Diese werden am 7. Februar veröffentlicht.

HILCONA KAUFT FROSTAG: Der Fertiggerichte-Produzent Hilcona schluckt die auf die Herstellung von Teigwaren und vegetarischen Produkten spezialisierte Frostag in Landquart. Das Unternehmen erzielt mit 118 Mitarbeitern einen Jahresumsatz von mehr als 10 Millionen Franken. Damit baue das Unternehmen ihre Stellung in diesem Marktsegment weiter aus, teilte die zur Bell-Gruppe gehörende Hilcona mit. Die Übernahme erfolgt übernimmt rückwirkend per 1. Januar. Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart. Die Frostag wird als eigenständiges Unternehmen unter dem Dach von Hilcona weitergeführt. Die Mitarbeiter und das Management unter dem Geschäftsführer Christoph Caprez werden übernommen.

NÄCHSTER SCHRITT: ChemChina macht einen weiteren Schritt in Richtung der Übernahme von Syngenta. Der chinesische Staatskonzern hat bei der US-Wettbewerbsbehörde den Zulassungsantrag für die Übernahme des Basler Agrochemiemultis für 43 Milliarden Dollar gestellt. Die US-Wettbewerbsbehörde hat nun dreissig Tage Zeit, den Antrag zu prüfen. Grünes Licht für den Deal hat es bereits von den Wettbewerbshütern in Australien sowie vom amerikanischen Sicherheitskomitee CFIUS gegeben.

FINANZDIENSTLEISTUNGEN: Obwohl die Geschäfte zum Jahresende wieder an Fahrt aufnehmen konnten, schreibt der Westschweizer Finanzbroker Compagnie Financière Tradition (CFT) für das Jahr 2016 einen Umsatzrückgang von 1,4 Prozent. CFT erzielte im vergangenen Jahr 803,4 Millionen Franken, wie aus einer Mitteilung hervorgeht. Im Vorjahr betrug der Umsatz noch 814,5 Millionen Franken. Bereinigt um Beteiligungen an Gemeinschaftsunternehmen (Joint Ventures) belief sich der Umsatz auf 870,1 Millionen Franken, was einem Anstieg von 0,2 Prozent entspricht (zu konstanten Währungen). Das detaillierte Jahresergebnis wird am 10. März veröffentlicht.

MILLIARDENINVESTITION IN CHIP-FABRIK: In China entsteht für 30 Milliarden Dollar eine riesige Chip-Fabrik. Sie soll in Nanjing in der östlichen Provinz Jiangsu gebaut werden, wie die staatliche Tsinghua Unigroup mitteilte. Die Regierung in Peking will die Abhängigkeit des Landes von Importen verringern. Halbleiter kommen bislang vor allem aus den USA - im Jahr 2015 erreichte ihr Wert rund 6,9 Milliarden Dollar. Die Chips sollen vor allem in Smartphones verbaut werden, wie Tsinghua mitteilte. Das Unternehmen hatte 2015 vergeblich versucht, den US-Halbleiterhersteller Micron Technology zu kaufen. Danach entschied das Unternehmen sich für den Bau eigener Fabriken und stellte massiv Personal aus dem Ausland ein.

MÄSSIGES WACHSTUM: Die chinesische Wirtschaft steuert mit leichtem Rückenwind in ein schwieriges Jahr 2017. Im Schlussquartal trugen steigende Staatsausgaben und eine Kreditvergabe der Banken in Rekordhöhe zu einem Wachstum des Bruttoinlandprodukts (BIP) von 6,8 Prozent bei. Damit beschleunigte sich das Tempo erstmals seit zwei Jahren wieder. Im Gesamtjahr reichte es dennoch nur zu 6,7 Prozent, dem kleinsten BIP-Zuwachs seit 26 Jahren. Für dieses Jahr gibt die Regierung Insidern zufolge 6,5 Prozent als Zielmarke aus. Die steigende Verschuldung, die schwache globale Konjunktur und die Gefahr eines Handelskrieges mit den USA unter dem neuen Präsidenten Donald Trump könnten den Exportweltmeister belasten.

HOCHSTAPLER UND MÖCHTEGERN-DIKTATOR: Der milliardenschwere US-Starinvestor George Soros hat keine 24 Stunden vor der Amtseinführung von Donald Trump eine Breitseite gegen den neu gewählten US-Präsidenten gefahren. Trump sei ein "Blender und Hochstapler und Möchtegern-Diktator", sagte Soros bei einem Dinner am Rande des Weltwirtschaftsforums in Davos.

GESPRÄCHE ÜBER ÜBERNAHME: Der niederländische Bierriese Heineken verhandelt mit dem japanischen Rivalen Kirin über einen Kauf von dessen Brasilien-Geschäft. Es gebe Verhandlungen, aber keine Gewähr, dass es zu einem Abschluss komme, hiess es in einer knappen Mitteilung des weltweit zweitgrössten Brauerei-Konzerns. Kirin betreibt in Brasilien zwölf Brauereien. Laut japanischer Zeitung "Nikkei" ist Heineken bereit, rund 100 Milliarden Yen, umgerechnet 877 Millionen Franken, auf den Tisch zu legen.

IN WEITER FERNE: Die Europäische Zentralbank (EZB) wird Experten zufolge noch mehrere Jahre ihr Inflationsziel nicht erreichen. Der Anstieg der Konsumentenpreise wird laut einer Umfrage unter professionellen EZB-Beobachtern erst 2021 mit 1,8 Prozent wieder nahe am angestrebten Niveau liegen. Die Währungshüter peilen knapp zwei Prozent Inflation als Idealwert für die Wirtschaftsentwicklung im Euro-Raum an. Das schafft nach ihrer Ansicht einen ausreichenden Abstand zu einer gefährlichen Abwärtsspirale aus fallenden Preisen, sinkenden Löhnen und rückläufigen Investitionen. Inzwischen verfehlt die EZB ihr Inflationsziel bereits seit Frühjahr 2013. Für das laufende Jahr hoben die Experten ihre Inflationsprognose wegen des Anstiegs der Energiepreise auf 1,4 (Oktober: 1,2) Prozent an. Für 2018 erwarten sie nun eine Teuerung von 1,5 (1,4) Prozent, für 2019 einen Zuwachs auf 1,6 Prozent.

SINKENDE UMSÄTZE: Der weltgrösste IT-Dienstleister IBM kann den Umsatzschwund nicht aufhalten. Die Erlöse sanken im Schlussquartal um 1,3 Prozent auf 21,77 Milliarden Dollar. Damit erwirtschaftete der Konzern aber immer leicht höhere Umsätze als von Analysten erwartet. Zu schaffen macht IBM der stärkere Dollar. Das Unternehmen erzielt rund die Hälfte seiner Erlöse im Ausland. IBM kämpft seit mehr als vier Jahren mit schrumpfenden Umsätzen. Der Reingewinn erhöhte sich indes auf 4,5 Milliarden Dollar von 4,46 Milliarden Dollar im Vorjahreszeitraum.

(AWP)