Tagesüberblick Wirtschaft

Donnerstag, 26. Januar 2017
26.01.2017 17:41

MILLIARDEN-DEAL IN PHARMABRANCHE: Die Spekulationen um die Zukunft des Biotechunternehmens Actelion haben ein Ende: Der US-Konzern Johnson & Johnson hat am Donnerstag eine Kaufofferte in Höhe von 30 Milliarden Dollar vorgelegt. Eine Forschungs- und Entwicklungsgesellschaft wird dabei abgespalten. Die Verwaltungsräte beider Konzerne haben der Transaktion einstimmig zugestimmt. Die Actelion-Aktionäre sollen an einer ausserordentlichen Generalversammlung über die Fusion befinden können, die im zweiten Quartal 2017 abgehalten werden soll. Mit dem Vollzug der Übernahme werden alle Verwaltungsräte von Actelion zurücktreten. Actelion mit Sitz in Allschwil bei Basel und 2560 Angestellten weltweit ist mit Medikamenten gegen Lungenbluthochdruck (PAH) gross geworden. Das einstige Roche-Spin-off erzielte 2015 zwei Milliarden Franken Jahresumsatz und 552 Millionen Reingewinn.

REKORDHOHE EXPORTE: Die Schweizer Exporte sind 2016 um 3,8 Prozent auf 210,7 Milliarden Franken geklettert. Sie haben damit einen Höchststand erreicht. Dafür war vor allem die chemische-pharmazeutische Industrie verantwortlich, die mit neuen Wirkstoffen den Wert ihrer Exporte um 11 Prozent steigern konnte. Nicht an dem Wachstum der Ausfuhren teilhaben konnten die beiden anderen grossen Export-Sparten der Schweiz - Maschinen und Elektronik sowie Uhren. Die Ausfuhren von Maschinen und Elektronikgeräten stagnierten. Seit 2011 hat die Branche kein Wachstum mehr erlebt. Die Uhrenindustrie musste bei ihren Exporten sogar eine Einbusse um einen Zehntel hinnehmen.

EINBRUCH BEI LUXUSUHREN: Die Schweizer Uhrenindustrie hat 2016 einen markanten Exportrückgang hinnehmen müssen. So sank der Wert der ausgeführten Uhren um 9,9 Prozent auf 19,4 Milliarden Franken. Damit kehre die Branche zu den Ergebnissen von 2011 zurück, teilte der Verband der Schweizerischen Uhrenindustrie FH mit. Der Verband führt diesen Einbruch auf den starken Franken, den flauen Tourismus in Europa und die Massnahmen Chinas gegen Korruption zurück. Gleichzeitig stellt er auch eine Veränderung der Vorlieben der Konsumenten fest. Es habe 2016 allgemein eine geringe Nachfrage nach persönlichen Luxusartikeln geherrscht. Entsprechend stark rückläufig war auch der Export von Schweizer Luxusuhren. Der Absatz von Zeitmesser mit einem Wert von über 3000 Franken schrumpfte um fast 12 Prozent und war damit für rund 80 Prozent des gesamten Rückgangs verantwortlich.

SUNRISE MIT VERKAUFSPLÄNEN: Sunrise denkt über einen Verkauf eines Teils seiner Mobilfunkantennenmasten nach. Mit dem Geld will der zweitgrösste Telekomanbieter der Schweiz seine Schulden senken. Ob der erste solche Deal hierzulande zustande kommt, ist aber unsicher. Denn das Unternehmen ist in einer frühen Phase der Abklärungen, ob ein grösserer Teil der Masten veräussert werden soll. Deshalb können noch keine Angaben zur Ausgestaltung oder zum Zeitpunkt eines allfälligen Verkaufs gemacht werden. Von einen Verkauf wären lediglich die passiven Elemente des Mobilfunknetzes betroffen, das heisst nur Beton und Stahl. Die ganzen Sendeanlagen, das Netzmanagement oder Einführung neuer Technologien, wären nicht tangiert. Laut informierten Kreisen könnte ein Deal 500 Mio. Fr. bringen. Das Geld würde Sunrise zum Schuldenabbau verwenden. Damit stünde mehr Geld für zusätzliche Ausschüttungen an die Aktionäre zur Verfügung.

KLEINERER GEWINN: Die Berner Kantonalbank (BEKB) ist im Privat- und Kundengeschäft weiter gewachsen, verdiente aber wegen der nach wie vor tiefen Zinsen im letzten Jahr weniger. Der Gewinn liegt mit 129,4 Millionen Franken 1,4 Prozent unter Vorjahr. Die BEKB konnte ihr Privat- und Firmenkundengeschäft weiter ausbauen. So haben sich die Kundenausleihungen gegenüber Vorjahr um 3,5 Prozent auf 21,4 Milliarden Franken erhöht, wie aus einer Mitteilung hervorgeht. Die betreuten Vermögenswerte stiegen um 1 Milliarde Franken auf 21 Milliarden Franken. Die nach wie vor tiefen Zinsen belasteten jedoch den Geschäftsertrag erneut. Der Erfolg aus dem Zinsengeschäft ging um 0,8 Prozent auf rund 291,4 Millionen Franken zurück. Die Kosten für die Absicherung der Zinsrisiken schlugen mit 73 Millionen Franken zu Buche. Aufgrund der starken Eigenmittelbasis werde die BEKB den Aktionären dennoch eine Dividendenerhöhung um 20 Rappen auf 6,20 Franken pro Aktie beantragen.

WENIGER GEWINN: Die Nidwaldner Kantonalbank (NKB) hat 2016 einen leicht tieferen Gewinn erwirtschaftet als vor einem Jahr. Er ging um 0,4 Prozent auf 15,6 Millionen Franken zurück. Davon würden 9,2 Millionen Franken Dividende an den Kanton Nidwalden ausgeschüttet, teilte die Bank mit. Zusätzlich erhalte der Kanton eine Million Franken als Abgeltung für die Staatsgarantie. Leicht zurück ging auch der Geschäftserfolg: Er sank um 1,3 Prozent auf 25 Millionen Franken. Die Bilanzsumme stieg um 3,8 Prozent auf 4,4 Milliarden Franken. Der Erfolg aus dem Zinsengeschäft stieg um 3,2 Prozent auf 47,7 Millionen Franken. Jener aus dem Kommissions- und Dienstleistungsgeschäft legte um 3,8 Prozent auf 7,3 Millionen Franken zu.

BANKEN: Die Schwyzer Kantonalbank (SZKB) hat im vergangenen Jahr leicht mehr verdient als 2015: Der Jahresgewinn nahm um 2,2 Prozent auf 75,2 Millionen Franken zu. Den Geschäftserfolg konnte die Bank um 4,1 Prozent auf 116,7 Millionen Franken steigern. Verantwortlich dafür waren der um 4,6 Prozent höhere Betriebsertrag und der um 5,3 Prozent kleinere Geschäftsaufwand. Der Erfolg aus dem Zinsengeschäft, der Hauptertragsquelle der Bank, erreichte mit 181,4 Millionen Franken das Vorjahresniveau. Der Erfolg aus dem Kommissions- und Dienstleistungsgeschäft nahm um 5,7 Prozent auf 32,6 Millionen Franken zu. Der Handelserfolg konnte um knapp 29 Prozent auf 14,8 Millionen Franken gesteigert werden. Der zusammen mit dem Gewinnvortrag verteilbare Bilanzgewinn beträgt 76,1 Millionen Franken. Davon erhält der Kanton 46,7 Millionen Franken - eine Million Franken mehr als im Vorjahr.

BESSERE AUSSICHTEN: Die Ökonomen der Grossbank UBS rechnen für die Schweiz 2017 mit einem Wachstum des Bruttoinlandproduktes (BIP) um 1,4 Prozent. Damit wurde die bisherige Prognose (1,3 Prozent) leicht nach oben korrigiert. Für 2018 wird weiterhin von einem Wirtschaftswachstum von 1,6 Prozent ausgegangen. Das Wachstum werde in diesem Jahr solide und breiter abgestützt sein als noch im vergangenen Jahr, teilten die UBS-Ökonomen mit. 2016 sei die Erholung noch stark von einzelnen Branchen, etwa der Pharmaindustrie geprägt gewesen. In diesem Jahr sollte aber die Mehrheit der Branchen die Anpassung an die neuen Wechselkursrealitäten abgeschlossen haben und wieder zum Wachstum beitragen.

WENIGER UMSATZ: Der Technologiekonzern Ascom hat in seiner verbliebenen Sparte 2016 weniger umgesetzt. Mit dem Geschäft mit drahtloser Kommunikation (Wireless Solutions) setzte Ascom 301 Millionen Franken um, nach 304,2 Millionen Franken im Vorjahr. Auch der Auftragseingang fiel mit 303 Millionen Franken leicht dünner aus als noch im Vorjahr mit 311,8 Millionen Franken. Das Geschäft mit drahtloser Kommunikation im Gesundheitsbereich wuchs indes um rund 5 Prozent. In diesem Geschäftszweig sieht Ascom seine Zukunft. Die unrentable Sparte Network Testing, die auf Testsysteme für Mobilfunknetze spezialisiert ist, hat Ascom verkauft. Der Verkauf belastet das Ergebnis für 2016 mit 145 Millionen Franken, wie der Konzern bereits im August 2016 angekündigt hatte. Da die Sparte im vergangenen Geschäftsjahr zudem einen operativen Verlust von 20 Millionen erlitten hat, rechnet Ascom mit einem Konzernverlust von rund 146 Millionen Franken für 2016.

MEHR UMSATZ: Der Maschinenhersteller Starrag hat seinen Umsatz im vergangenen Jahr wieder leicht steigern können - auf 372 Millionen Franken. Zudem vermeldete das Unternehmen den höchsten je erzielten Auftragseingang, man habe Arbeit auf Vorrat für über ein Jahr. Starrag erhielt 2016 demnach 44 Prozent mehr Aufträge als im Vorjahr. Das entsprach 480 Millionen Franken. Der Auftragsbestand liegt bei 348 Millionen Franken. Die Zunahme erstreckte sich über fast alle Abnehmerindustrien, allen voran den Bereich Aerospace, der im Berichtsjahr rund 40 Prozent aller Neubestellungen bestritt. Asien und Nordamerika waren für den starken Anstieg der Auftragseingänge verantwortlich. Europa legte ebenfalls zu, allerdings in deutlich geringerem Ausmass. Der Umsatz 2016 lag mit 372 Mio. Franken 2,2 Prozent über dem Vorjahr, währungsbereinigt waren es bloss 1,3 Prozent.

BELIEBTE BABYNAHRUNG: Der Milchverarbeiter Hochdorf hat im vergangenen Jahr den Umsatz fast gehalten: Er belief sich auf 550,9 Millionen Franken, nach 551,2 Millionen Franken im Vorjahr. Während das Geschäft mit Pulverprodukten aus Milch und Molke unter dem tiefen Milchpreis gelitten hat, lief das Geschäft mit Babynahrung besser. Deshalb richtete sich Hochdorf verstärkt auf Premium-Produkte im Bereich der Babynahrung aus, also aufwendiger hergestellte Produkte.

TIEFROTE ZAHLEN: Das Baselbieter Pharmaunternehmen Santhera hat 2016 mit seinem einzigen Medikament Raxone den Umsatz um 340 Prozent auf 19 Millionen Franken gesteigert. Für 2016 rechnet Santhera gemäss vorläufigen Zahlen mit einem Verlust von 33 bis 38 Millionen Franken. Die flüssigen Mittel zum Jahresende 2016 beziffert das Unternehmen auf 49,8 Millionen Franken, nach 76,9 Millionen Franken Ende 2015. Man habe 2016 bedeutende Fortschritte bei der Produktentwicklung erzielte, teilte Santhera mit. Das Medikament Raxone zur Behandlung von Leberscher Hereditärer Optikus-Neuropathie (LHON), einer seltenen vererblichen Erkrankung des Sehnervs, sei in 15 EU-Ländern verkauft worden. Der Grossteil des Umsatzes wurde dabei in Frankreich und Deutschland generiert. Für 2017 erwartet Santhera einen Nettoumsatz mit Raxone in der aktuell zugelassenen Indikation von 21 bis 23 Millionen Franken.

DYNAMISCHER STELLENMARKT: Der Schweizer Stellenmarkt hat sich im Winter 2016 weiterhin dynamisch gezeigt. Im Vergleich zum Vorjahr ist das Angebot an Stellen deutlich grösser. Im Quartalsvergleich stagnierte der Adecco Swiss Job Market Index aufgrund von Saisoneffekten jedoch. Aktuell liegt der Index 12 Prozent über dem Wert vom Winter 2015. Im Vergleich mit dem Vorquartal bleibt er aufgrund saisonaler Effekte stabil. Ohne Saisonbereinigung sinkt die Anzahl der ausgeschriebenen Stellen jedoch leicht um 3 Prozent. Im Bereich persönliche Dienstleistungen ist ein deutlicher Zuwachs an Personalbedarf feststellbar, derweil die klassischen Verkaufsberufe sowie die Informatikbranche und das Ingenieurwesens eine markante Abnahme verzeichnen. Am stärksten nahm der Personalbedarf in der Gesundheitsbranche sowie im Bau - und Ausbaugewerbe zu.

MEILENSTEIN" FÜR VALORA: Valora baut seine internationale Präsenz im Geschäft mit Laugenbackwaren aus. Der Handelskonzern übernimmt das amerikanische Unternehmen Pretzel Baron. Zum Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart. Für das Jahr 2017 werde bei Pretzel Baron mit einem Umsatz im mittleren einstelligen Millionenbereich gerechnet, teilte Valora mit. Bislang wurden die USA aus den bestehenden Produktionsbetrieben von Ditsch in Deutschland beliefert. Mit der Übernahme von Pretzel Baron wird Valora nun direkt vor Ort in den USA produzieren. Valora-Chef Micheal Mueller spricht von einem "Meilenstein" für Valora.

MEHR SPIELE UND PUZZLES: Die Schweizer Spielwarenhändler haben im vergangenen Jahr den gleich hohen Umsatz erreicht wie im Vorjahr. Die Nachfrage hat sich jedoch verändert. So wurden deutlich mehr Spiele und Puzzles gekauft. Spielaktionsfiguren dagegen waren weniger gefragt. Der Umsatz mit Spielwaren in der Schweiz belief sich 2016 auf 460 Millionen Franken, wie der Spielwaren Verband Schweiz (SVS) mitteilte. Damit hat die Branche die Verkäufe auf Vorjahresniveau halten können, was der Verband als Erfolg bezeichnet. "Mit diesem Resultat dürfen wir zufrieden sein", lässt sich SVS-Präsident Rolf Burri in der Mitteilung zitieren. Der Spielwarenmarkt gehöre damit nämlich zu den wenigen Nonfood-Märkten der Schweiz, die nicht rückläufig seien.

LOGISTIK-CENTER IN AVENCHES: In Avenches VD soll bis Ende 2018 für mehrere Dutzend Millionen Franken ein grosses Logistik-Center mit bis zu 140 Arbeitsplätzen entstehen. Das Möbelhaus Ikea will sich dort einmieten, um sein Online-Geschäft auszubauen. Mit 200 Metern Länge, hundert Metern Breite und 26 Metern Höhe würde in Avenches ganz in der Nähe der Nespresso-Fabrik eines der grössten Logistik-Centren im Kanton Waadt entstehen. Wie Gaetan Aeby, Mitglied der Stadtexekutive, zu einem Bericht der Zeitung "24 Heures" sagte, hofft die Gemeinde, 140 neue Arbeitsplätze ansiedeln zu können. Damit das Projekt voranschreitet, muss der Kanton Waadt eine Bestimmung aufheben, welche die alten Mauern der ehemaligen Römerstadt schützt und jegliche Bautätigkeit verbietet.

KEINE BREXIT-GEWINNER: Die Schweizer Privatbanken sehen Frankfurt und vor allem Luxemburg als potenzielle Brexit-Gewinner im Finanzbereich. Mögliche "quick wins" für die Schweiz könnten Anleger bieten, die Vermögen vermehrt in der Schweiz deponierten, solange keine Lösung gefunden sei. Von der neuen Schwäche Londons als Folge des Brexits werde man aufgrund des fehlenden Marktzugangs der Schweizer Finanzdienstleister in die EU kaum profitieren, erklärte Boris Collardi, Präsident der Vereinigung Schweizerischer Assetmanagement- und Vermögensverwaltungsbanken, in Bern. Ausserdem seien die Produktionskosten ähnlich hoch wie in der Londoner City und das regulatorische Dickicht nehme auch in der Schweiz zu. Damit dürften die wirtschaftlichen Konsequenzen aus dem Brexit für den Finanzplatz Schweiz zunächst überschaubar sein.

WENIGER ARBEITSLOSE: In Spanien ist die Zahl der Arbeitslosen im vergangenen Jahr deutlich zurückgegangen - vor allem dank der vielen Touristen. Die Quote sank auf 18,6 Prozent und damit den niedrigsten Stand seit sieben Jahren, wie das nationale Statistikamt mitteilte. Bis 2013 war die Quote auf fast 27 Prozent gestiegen, danach nahm sie stetig ab. Dennoch bleibt sie eine der höchsten in der Europäischen Union. Ein grosses Problem ist auch weiterhin die hohe Jugendarbeitslosigkeit mit einer Quote von knapp 40 Prozent unter den 20- bis 24-Jährigen. Ende Dezember waren 4,24 Millionen Menschen in Spanien arbeitslos gemeldet, wie die Statistiker mitteilten. Das waren demnach 542'000 oder elf Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Spaniens Wirtschaft wächst seit 2014 wieder. Für das vergangene Jahr geht die Regierung von einer Zunahme des Bruttoinlandprodukts um 3,2 Prozent aus. Das wäre doppelt so hoch wie der EU-Durchschnitt.

ETAPPENSIEG FÜR SHELL: Ein britisches Gericht hat Sammelklagen von mehr als 40'000 Bewohnern des nigerianischen Niger-Deltas gegen den Ölkonzern Shell wegen Umweltverschmutzung abgewiesen. Der High Court folgte damit der Argumentation des britisch-niederländischen Konzerns, wonach der Fall vor einem Gericht in Nigeria verhandelt werden sollte. Shell könne nicht für mögliche Verstösse seines nigerianischen Tochterunternehmens SPDC verantwortlich gemacht werden, erklärten die Richter am Donnerstag. Die Kläger hatten hingegen argumentiert, sie könnten nur vor britischen Gerichten zu ihrem Recht kommen. Die Anwälte der Kläger kündigten umgehend an, das Urteil anzufechten. Shell sei verantwortlich für das Fehlverhalten seiner nigerianischen Filiale, erklärten sie.

VORWÜRFE AN QUALCOMM: Beim US-Chipkonzern Qualcomm, der in vielen Smartphones für die Funkverbindung sorgt, schlägt der verstärkte Druck von Wettbewerbshütern auf das Geschäft durch. Die Strafe von 868 Millionen Dollar in Südkorea sorgte dafür, dass sich der jüngste Quartalsgewinn im Jahresvergleich mehr als halbierte. Unterdessen legte der wichtige Kunde Apple, der Qualcomm überhöhte Preise vorwirft, mit einer Klage in China nach. In den USA fordert Apple eine Milliarde Dollar von Qualcomm, in China eine Milliarde Yuan, umgerechnet 145 Millionen Franken. Qualcomm verdiente in dem Ende Dezember abgeschlossenen ersten Geschäftsquartal noch 700 Millionen Dollar - 54 Prozent weniger als im Jahr zuvor. Der Umsatz legte um vier Prozent auf sechs Milliarden Dollar zu.

BRITISCHE WIRTSCHAFT BRUMMT: Trotz der anstehenden Trennung von der EU läuft die Wirtschaft Grossbritanniens weiter rund. Das Bruttoinlandprodukt (BIP) legte Ende 2016 um 0,6 Prozent zu, wie das Nationale Statistikamt ONS mitteilte. Ökonomen hatten lediglich ein Plus von 0,5 Prozent auf dem Zettel. Im Gesamtjahr erhöhte sich die Wirtschaftsleistung um 2,0 Prozent. Damit war das Wachstum 2016 noch einen Tick stärker als in Deutschland. In einem Volksentscheid haben die Briten im Juni 2016 dafür gestimmt, die EU zu verlassen. Premierministerin Theresa May will bis Ende März 2017 die Scheidung von der EU einreichen. 2019 soll sich das Land endgültig aus der EU verabschieden.

REKORDGEWINN IN EUROPA: Ford hat in Europa im vergangenen Jahr so viel verdient wie noch nie, rechnet 2017 aber mit Bremsspuren. Der Vorsteuergewinn hat sich hier mit 1,2 Milliarden Dollar mehr als vervierfacht. In den letzten drei Monaten 2016 habe es das siebte Quartal in Folge schwarze Zahlen gegeben, teilte der zweitgrösste Autohersteller der USA mit. Der Erzrivale General Motors kämpft dagegen mit der deutschen Tochter Opel weiterhin darum, wieder in die Gewinnzone zu kommen. 2016 summierte sich das Ergebnis unter dem Strich auf 4,6 Milliarden Dollar.

STEIGERUNG ERWARTET: Fiat Chrysler hat im Schlussquartal 2016 nur ein leichtes Plus geschafft. Umsatz und operatives Ergebnis stiegen um jeweils ein Prozent. Die Erlöse summierten sich im vierten Quartal auf 29,7 Milliarden Euro, das Betriebsergebnis auf 1,55 Milliarden Euro. Für das Gesamtjahr 2017 rechnet das Management mit einem operativen Ergebnis von mehr als sieben Milliarden Euro, wie der italienisch-amerikanische Autobauer am Donnerstag weiter mitteilte. Das würde einer Steigerung um rund eine Milliarde Euro entsprechen. Der Umsatz soll auf 115 und 120 (2016: 111) Milliarden Euro klettern.

INVESTITIONEN GEBREMST: In Grossbritannien haben die Autohersteller ihre Investitionszusagen angesichts des geplanten Brexits deutlich heruntergefahren. 2016 sei das Volumen der angekündigten Investitionen um ein Drittel auf 1,66 Milliarden Pfund (2 Milliarden Franken) eingebrochen, teilte der britische Autoverband SMMT in London mit. Verbandschef Mike Hawes warnte vor zu eiligen Handelsabkommen im Zusammenhang mit dem geplanten Austritt Grossbritanniens aus der EU. Dies könnte zu unreparierbaren Schäden für die britische Autoindustrie führen. Im vergangenen Jahr war von den Folgen des vorgesehenen Brexits noch wenig zu spüren - im Gegenteil. Die Produktion stieg im Land um 8,5 Prozent auf 1,72 Millionen Autos und damit auf den höchsten Stand seit 17 Jahren.

PROFITABLE INDUSTRIE: Die chinesische Industrie hat ihre Gewinne 2016 so kräftig gesteigert wie seit drei Jahren nicht mehr. Durch die vom Immobilienboom getriebenen Preiserhöhungen für Baumaterialien wie Zement und Stahl legten sie um 8,5 Prozent zu 2015 hatte es noch einen Rückgang von 2,3 Prozent gegeben. Die Steigerung ist zudem ungleich verteilt: Der Kohlebergbau erhöhte seinen Profit um fast 224 Prozent, die Eisen- und Stahlproduzenten gar um 232 Prozent. Dagegen meldeten die Staatsfirmen nur ein Plus von 1,7 Prozent. Die nach den USA zweitgrösste Volkswirtschaft der Welt ist 2016 mit 6,7 Prozent so langsam gewachsen wie seit 26 Jahren nicht mehr.

IM KRIECHGANG: Der US-Baumaschinenriese Caterpillar blickt trotz von US-Präsident Donald Trump angekündigten Investitionen in die Infrastruktur mit Vorsicht auf das Jahr 2017. Es gebe zwar positive Signale, insgesamt bleibe das Umfeld für den Weltmarktführer aber schwierig, sagte Konzernchef Jim Umpleby. Ein Überangebot an gebrauchten Maschinen bremse weiterhin den Absatz. Zudem blieben die Geschäfte im Nahen Osten und in Afrika wohl wegen der dortigen Abhängigkeit von der Entwicklung der Ölpreise schwach. Das Management rechnet daher für 2017 mit einem Gewinn unter den Expertenerwartungen. Im vierten Quartal wuchs der Verlust auf 1,17 Milliarden Dollar an von 94 Millionen Dollar ein Jahr zuvor. Der Umsatz fiel um 13 Prozent auf 9,6 Milliarden Dollar.

VERSTÄRKTE KREDITVERGABE: Angesichts des schwächelnden Aufschwungs drängt die türkische Regierung die Banken des Landes zur verstärkten Kreditvergabe. Die Finanzinstitute sollten jedem Unternehmen Darlehen gewähren, das auch nur das "geringste Lebenszeichen" zeige, sagte Vize-Ministerpräsident Nurettin Canikli in Ankara. Die Regierung hatte im Dezember einen staatlichen Garantiefonds für Kreditgeschäfte im Volumen von 250 Milliarden Lira (65 Milliarden Franken) aufgelegt, den Banken bei der Darlehensvergabe an Unternehmen in Anspruch nehmen können. Laut Canikli wurden bislang 40 Milliarden Lira abgerufen. Die türkische Wirtschaft leidet unter Verunsicherung nach dem Putschversuch im Sommer 2016 und Anschlägen wie etwa an Silvester in Istanbul. Das wichtige Geschäft mit Ferienreisenden ist eingebrochen. Die Landeswährung Lira ist zum Dollar auf Talfahrt gegangen.

ERFOLGREICHES WEIHNACHTSGESCHÄFT: Bei der Online-Handelsplattform Ebay ist das Weihnachtsgeschäft besser gelaufen als erwartet. Im vierten Quartal kletterten die Erlöse verglichen mit dem Vorjahreswert um überraschend starke drei Prozent auf 2,4 Milliarden Dollar. Dank einer enormen Steuergutschrift stieg der Überschuss aus dem fortgeführten Geschäft von 523 Millionen auf 5,9 Milliarden Dollar. Der bereinigte Gewinn wuchs je Aktie von 0,50 auf 0,54 Dollar. Bei Anlegern kamen die Zahlen sehr gut an - die Ebay-Aktie schoss nachbörslich zeitweise um über acht Prozent nach oben.

ENTTÄUSCHENDES WEIHNACHTSGESCHÄFT: Der grössten US-Spielzeugkonzern Mattel hat ein enttäuschendes Weihnachtsgeschäft hinter sich. Der verschärfte Wettbewerb in der Branche und eine schwache Nachfrage in Nordamerika sorgten beim Hersteller von Barbie-Puppen für Rückgänge bei Umsatz und Gewinn. Nach Angaben des Mattel-Managements sank der Umsatz im abgelaufenen Quartal um mehr als acht Prozent auf 1,83 Milliarden Dollar. Der Gewinn sackte um rund ein Fünftel ab auf 174 Millionen Dollar. Nach Angaben der Marktforscher der NPD Group war im Weihnachtsgeschäft vor allem Spielzeug auf Basis der "Star Wars"-Saga gefragt, für das Hasbro die Lizenzrechte hat.

(AWP)