Tagesüberblick Wirtschaft

Bern (awp/sda) - Donnerstag, 16. Juni 2016
16.06.2016 17:50

WEITERHIN EXPANSIV: Die SNB belässt, wie erwartet, den Negativzins für Sichteinlagen bei der Nationalbank bei minus 0,75 Prozent. Auch das Zielband für den Dreimonats-Libor belässt sie bei minus 1,25 Prozent bis minus 0,25 Prozent. Damit wartet die SNB den Entscheid der Briten über einen Verbleib in der EU am 23. Juni ab. Entscheiden sich die Briten für einen Austritt, müsste die SNB wohl sehr schnell handeln. Denn dann dürfte der Franken vor allem gegenüber dem Euro unter massiven Aufwertungsdruck geraten. Für diesen Fall, so bekräftigte SNB-Präsident Thomas Jordan, werde die SNB Massnahmen ergreifen. Sie wird am Devisenmarkt intervenieren und allenfalls den Negativzins verschärfen.

LEICHTER AUFSCHWUNG: Konjunkturforscher haben ihre Frühjahres-Wachstumsprognosen bestätigt. Sie erwarten eine Steigerung des Bruttoinlandprodukts (BIP) um 1,0 bis 1,5 Prozent. Allerdings werden die Risiken wie etwa ein Brexit als hoch eingestuft. Die Schweizerische Nationalbank (SNB) rechnet weiterhin mit einem Wachstum des realen BIP zwischen 1,0 und 1,5 Prozent in diesem Jahr. Die Konjunkturexperten des Bundes gehen weiterhin von einem Wachstum von 1,4 Prozent aus. Für das kommende Jahr wird sogar ein reales Wachstum von 1,8 Prozent erwartet, wie das Staatssekretariat für Wirtschaft (SECO) mitteilte. Weiterhin von einem Wachstum von lediglich 1,0 Prozent geht die Konjunkturforschungsstelle KOF der ETH Zürich aus. 2017 sollte das BIP um 1,9 Prozent zulegen, ein Zehntel Prozentpunkt weniger als noch im Frühjahr vorausgesagt.

STELLENABBAU IM AARGAU: Das Unternehmen Brugg Cables baut 60 Stellen am Hauptsitz in Brugg AG ab. Der Kabelhersteller streicht weltweit insgesamt 90 der 660 Stellen. Als Grund werden sinkende Preise und fehlende Investitionen im Kabelmarkt genannt. Der Preisdruck im Kabelmarkt steige. Diese Situation führe zu einer prekären Auftragslage, teilte Brugg Cables mit. Man sehe mittelfristig keine Erholung, wird Unternehmenschef Bernard Wasem zitiert. Die umfassenden Strukturänderungen würden die Wettbewerbsfähigkeit stärken. Der Stellenabbau soll bis Ende Jahr abgeschlossen sein. Ein Teil des Abbaus könne über natürliche Abgänge und Frühpensionierungen aufgefangen werden.

ZURÜCKWEISUNG VON KRITIK: Die aufgrund ihrer offensiven Anlagestrategie häufig in Kritik geratene Vorsorgeeinrichtung Profond hat ihr Vorgehen beim Investieren der Vorsorgegelder verteidigt. Das Management der Sammelstiftung, der rund 1700 kleine und mittlere Unternehmen ihre Pensionsgelder anvertrauen, legt auf der Generalversammlung am Donnerstag in Baden seine Beweggründe für die extrem hohen Aktienquoten von rund 50 Prozent dar. Das Investieren der Spargelder sei zu 80 Prozent auf Realwerte ausgerichtet und dazu gehörten neben Immobilien sowie vermehrt alternativen Anlagevehikeln eben hauptsächlich Aktien. Höhere Schwankungen könne man laut dem Management aushalten, weil sich die Organisation mit den Kapitalanlagen anders als in der Vergangenheit aufgestellt hat. 2016 sollen der Anteil an Immobilieninvestitionen von rund 17 Prozent auf 28 Prozent erhöht sowie vermehrt Geld in Infrastrukturprojekte angelegt werden. Für das Geschäftsjahr 2015 verzinst die Sammelstiftung das Alterskapital zu hohen 3,5 Prozent, was den Deckungsgrad um 0,9 Prozentpunkte auf rund 106,2 Prozent leicht senkt. Der Umwandlungssatz beträgt hohe 7,1 Prozent.

BRANCHE IM UMBRUCH: Dem Schweizer Versicherungsmarkt steht eine markante Umwälzung bevor. So könnten gemäss einer Studie des Beratungsunternehmens EY aufgrund der zunehmenden Digitalisierung und neuer Konkurrenz bis 2030 bis zu 70 Prozent der Schweizer Versicherer verschwunden sein. Zurzeit gibt es noch 161 Schweizer Versicherungsunternehmen. Das dürfte laut einer Studie von EY jedoch nicht so bleiben. Bis in vierzehn Jahren werden davon höchstwahrscheinlich 45 Prozent verschwunden sein. Sollten sich die Marktveränderungen sogar beschleunigen, dürfte die Verdrängungsquote sogar auf bis zu 70 Prozent ansteigen.

STÜHLERÜCKEN BEI AXA: Der Versicherungskonzern Axa hat mehrere Personalwechsel bekanntgegeben. Der designierte Konzernchef der Axa-Gruppe, Thomas Buberl (42), wird ab 1. Juli neuer Präsident des Verwaltungsrates der Axa Winterthur. Er löst Jacques de Vaucleroy ab. Gleichzeitig gab die Schweizer Tochtergesellschaft des französischen Versicherungskonzerns bekannt, dass Alain Zweibrucker (42) neuer Finanzchef der Axa Winterthur werden wird und in die Geschäftsleitung einzieht. Der Franzose Zweibrucker, welcher derzeit in leitender Position bei Axa Deutschland tätig ist, folgt auf Fabrizio Petrillo, der im Mai 2016 die Leitung des Schadenversicherungsgeschäfts bei der Axa Winterthur übernommen hat.

TEMPORÄRBRANCHE STEIGERT UMSATZ: Die Schweizer Temporärbranche hat im vergangenen Jahr den Umsatz um 3,1 Prozent auf 7 Milliarden Franken gesteigert. Über 314'000 Temporärarbeitende wurden vermittelt, 0,6 Prozent weniger als im Vorjahr, wie der Branchenverband swissstaffing mitteilte. Insgesamt leisteten Temporärarbeitende 165 Millionen Einsatzstunden, 1,4 Prozent weniger als im Vorjahr. Die Lohnsumme sei um 3,7 Prozent auf 5,2 Milliarden Franken gestiegen. Mit dem kürzlich erneuerten Gesamtarbeitsvertrag (GAV) Personalverleih bestehe für die über 300'000 Temporärarbeitenden ein massgeschneidertes Vertragswerk, das ihnen Anspruch auf Weiterbildungsleistungen gebe, unterstützt durch den Weiterbildungsfonds temptraining. Neu gelte der GAV für alle rund 850 Personaldienstleister der Schweiz, unabhängig von ihrer Grösse.

WEF-GRÜNDER GEEHRT: Klaus Schwab, der Gründer und Vorsitzende des Weltwirtschaftsforums mit seinen jährlichen Treffen in Davos, ist für sein Engagement für verantwortungsvolles Unternehmertum mit dem hochdotierten deutschen Reinhard-Mohn-Preis 2016 geehrt worden. Liz Mohn, stellvertretende Vorstandsvorsitzende der Bertelsmann-Stiftung, überreichte die mit 200'000 Euro dotierte Auszeichnung im deutschen Gütersloh. Schwab habe früh erkannt, welche Rolle Unternehmer bei der Bekämpfung weltweiter Armut spielten, sagte Mohn in ihrer Laudatio. Mit dem Forum in Davos habe er eine einzigartige Plattform des Dialogs geschaffen.

GRÜNES LICHT: Der Weg für die nächste Hilfszahlung von 7,5 Milliarden Euro an Griechenland ist geebnet. Das sagte Eurogruppenchef Jeroen Dijsselbloemin Luxemburg nach einer Sitzung beim Euro-Rettungsschirm ESM. Probleme bei den Auszahlungen werden nicht mehr erwartet. Das Geld soll dann im Laufe der nächsten Woche fliessen. Die Eurogruppe hatte sich Ende Mai grundsätzlich darauf verständigt, Hilfsgelder von 10,3 Milliarden Euro an Griechenland freizugeben, weil Athen die nötigen Reformen lieferte. Die 7,5 Milliarden Euro sind der erste Teil dieser Zahlung; der Rest des Geldes soll im Herbst ausgezahlt werden. Damit wäre das pleitebedrohte Land bis in den Herbst hinein finanziert.

BRITISCHE NOTENBANK BELÄSST LEITZINS: Die Notenbank in London hält eine Woche vor dem Referendum über einen EU-Austritt an ihrer ultra-lockeren Geldpolitik fest und warnt vor den Folgen eines Brexits. Die Bank of England (BoE) entschied, den Leitzins bei 0,5 Prozent zu belassen. Auch das Anleihen-Kaufprogramm im Volumen von 375 Milliarden Pfund bleibt bestehen. Wie aus dem Protokoll der Sitzung hervorgeht, entschieden die Währungshüter um BoE-Chef Mark Carney einstimmig. Über den sogenannten Brexit stimmen die Briten am 23. Juni ab. Erneut warnten die Währungshüter eindringlich vor den Folgen eines Austritts, der auch Risiken für die Weltwirtschaft berge.

GELDPOLITIK: Japans Zentralbank wird die Geldschleusen vorerst nicht weiter öffnen. Das entschied die Bank von Japan (BoJ) nach dem Abschluss zweitägiger Beratungen. Nach ihrer Ansicht hat Japans Wirtschaft ihre moderate Erholung fortgesetzt. Der Strafzins für einige Einlagen von Finanzinstituten bleibt bei minus 0,1 Prozent, wie die Bank of Japan (BOJ) mitteilte. Zugleich behalten die Währungshüter ihr Programm zum Ankauf von Wertpapieren von jährlich 80 Billionen Yen (umgerechnet rund 726 Milliarden Franken) unverändert bei. Die BOJ hielt zudem an ihrer optimistischen Konjunktureinschätzung fest, obwohl der Yen zulegte und die Exporte belastet. Notenbankchef Haruhiko Kuroda setzt darauf, dass die Wirtschaft durch die Geldschwemme nach und nach an Fahrt gewinnt.

MÄSSIGES WACHSTUM: Die deutsche Wirtschaft wächst moderat, aber stetig. Die Wirtschaftsinstitute sehen das Wachstum intakt. Neben dem starken privaten Konsum wird auch ein Anziehen der Investitionen erwartet. Die Wachstumsprognosen für dieses Jahr reichen von 1,5 Prozent beim HWWI in Hamburg bis 1,9 Prozent beim Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW). Es präsentierte wie das Münchner Ifo-Institut am Donnerstag seine Daten. Die Bundesbank rechnet mit einer Steigerung des Bruttoinlandsprodukts (BIP) um 1,7 Prozent im laufenden Jahr. Die Ifo-Ökonomen erhöhten ihre Prognose für das laufende Jahr von 1,6 Prozent auf 1,8 Prozent. Die Arbeitslosenquote werde von 6,4 Prozent 2015 auf durchschnittlich 6,1 Prozent in diesem Jahr sinken.

NEUE EURO-NOTE: Der neue 50-Euro-Schein wird am 5. Juli erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt, wie die Europäische Zentralbank mitteilte. Im Frühjahr 2017 soll der neue 50er dann in Umlauf gebracht werden. Bessere Sicherheitsmerkmale sollen ihn fälschungssicherer machen. Ein Grossteil der im vergangenen Jahr aus dem Verkehr gezogenen Blüten waren 20er und 50er. Der 50er ist die am häufigsten genutzte Stückelung der Euro-Banknoten. Mehr als acht Milliarden davon sind im Umlauf - etwa 45 Prozent aller Euro-Scheine.

RÜCKLÄUFIGE PREISE: Die Preise in der Euro-Zone fallen den zweiten Monat in Folge. Waren- und Dienstleistungen waren im Mai durchschnittlich 0,1 Prozent billiger als vor einem Jahr, wie das Statistikamt Eurostat mitteilte. Im April lag die Inflationsrate allerdings noch bei minus 0,2 Prozent. Für Druck auf die Preise sorgte erneut die Energie, die sich um insgesamt 8,1 Prozent verbilligte. Klammert man diesen Bereich aus, wäre die Jahresteuerung mit 0,8 Prozent deutlich höher - aber immer noch unter der Zielmarke der Europäischen Zentralbank (EZB). Die EZB spricht nur bei Werten von knapp unter zwei Prozent von stabilen Preisen.

MIDEA MACHT KUKA ANGEBOT: Der chinesische Haushaltsgerätehersteller Midea hat nun ein offizielles Übernahmeangebot für den Roboterbauer Kuka abgegeben. Damit bestätigen die Chinesen ihre bereits bekannten Pläne, den Anteil an dem Augsburger Unternehmen auf über 30 Prozent erhöhen zu wollen. Wie hoch der Anteil an Kuka nach der Durchführung des Angebots tatsächlich ist, hängt davon ab, wie viele Aktionäre ihre Anteilscheine abgeben. Midea bietet wie bereits bekannt 115 Euro je Aktie. Die Annahmefrist läuft bis zum 15. Juli um 24 Uhr. Midea bekräftigte, es solle kein Beherrschungsvertrag abgeschlossen werden. Kuka solle auch nicht von der Börse genommen werden. Zum deutschen Unternehmen Kuka gehört seit bald zwei Jahren auch der Schweizer Logistikkonzern Swisslog.

MEHR AUTOS VERKAUFT: Europas Autohersteller haben im Mai 1,29 Millionen Neuwagen verkauft und damit fast so viele wie zu Zeiten vor der Wirtschaftskrise 2008. Der Absatz stieg im Vergleich zum Vorjahresmonat um 16 Prozent, wie der europäische Branchenverband Acea in Brüssel mitteilte. In den ehemaligen Krisenländern Spanien und Italien, aber auch in Frankreich, stieg der Absatz um jeweils mehr als 20 Prozent. In Deutschland wurden knapp zwölf Prozent mehr neue Autos als im Mai 2015 verkauft. EY warnte vor einem "Dämpfer" in den kommenden Monaten, je nach Ausgang des Referendums in Grossbritannien. In Europa kletterten die Neuzulassungen in den ersten fünf Monaten um fast zehn Prozent auf 6,4 Millionen.

UBER-RIVALE ERHÄLT GELDSPRITZE: Der Fahrdienst Didi Chuxing aus China, grösster Rivale des US-Unternehmens Uber, hat eine riesige Kapitalspritze bekommen: Das Unternehmen erhielt von Investoren insgesamt 7,3 Milliarden Dollar. Didi stehen somit nun umgerechnet rund 10 Milliarden Franken an freien Mitteln zur Verfügung. Das Unternehmen ist damit einer der bestfinanziertesten Onlinekonzerne weltweit. Zu den Geldgebern gehören der US-Konzern Apple, der bereits vergangenen Monat eine Milliarde Dollar investiert hatte, und der grösste chinesische Lebensversicherer China Life.

ADIDAS MIT AMBITIONEN: Adidas rechnet in seinem Fussballgeschäft im Jahr der Europameisterschaft mit Rekorden. Der Umsatz mit Trikots, Schuhen und Bällen werde verglichen mit dem vergangenen Jahr um 14 Prozent auf 2,5 Milliarden Euro zulegen, sagte der scheidende Adidas-Chef Herbert Hainer in Paris. Zumindest in den fünf grossen europäischen Märkten habe sein Haus die Position des Marktführers bei Fussballschuhen wieder vom Erzrivalen Nike zurückerobert. Gut ein Drittel aller Schuhe trügen wieder die drei Streifen des Unternehmens aus dem deutschen Herzogenaurach. Vor zwei Jahren noch hatten die Amerikaner den europäischen Platzhirsch in dem prestigeträchtigen Geschäft auf Platz 2 verdrängt.

NAPSTER KEHRT ZURÜCK: Die Musik-Download-Seite Napster kehrt zurück ins Netz. Der Online-Musikdienst Rhapsody kündigte an, er wolle den Namen des Pioniers des "Music Sharing" aus der Frühzeit des Internets verwenden: "Rhapsody wird zu Napster". Rhapsody hatte 2011 die Markenrechte an Napster erworben. Der Download-Dienst Napster war 1999 unter anderem von Silicon-Valley-Promi Sean Parker gegründet worden und hatte dem kostenlosen Austausch von Musikdateien zwischen privaten Internetnutzern zum weltweiten Durchbruch verholfen. Als ein US-Gericht jedoch zwei Jahre später entschied, dass die Seite ein illegales Forum für Raubkopierer darstellt, musste Napster sein Angebot schliessen und ging wenig später bankrott.

(AWP)