Tagesüberblick Wirtschaft

Bern (awp/sda) - Mittwoch, 22. Juni 2016
22.06.2016 18:06

UNVERÄNDERT: Die Aussichten für die Schweizer Wirtschaft in den kommenden sechs Monaten beurteilen Finanzanalysten im Wesentlichen gleich wie im Vormonat. Das Referendum der Briten zu einem allfälligen Brexit hat offenbar nicht zu Meinungsumschwüngen geführt. Der sogenannte ZEW-Indikator, der die Erwartungen von 32 Analysten für die nächsten sechs Monate misst, stieg zwar leicht an. Doch eine Mehrheit der Befragten geht von einer unveränderten Konjunkturlage für die Schweiz aus.

VIELE FIRMEN BEDROHT: In den nächsten fünf Jahren bis 2021 dürften laut einer Studie der Credit Suisse in der Schweiz 70'000 bis 80'000 KMU mit über 400'000 Arbeitsplätzen an die nächste Generation weitergegeben werden. In vielen Fällen scheitert die Nachfolgeregelung, so dass zehntausende Firmen vor dem Aus stehen. Konkret plant jedes fünfte KMU in der Schweiz eine Unternehmensnachfolge innerhalb der nächsten fünf Jahre. Diese 70'000 bis 80'000 Unternehmen haben mehr als 400'000 Arbeitsplätze, was rund 10 Prozent aller Beschäftigten in der Schweiz entspricht. Und bei einem beträchtlichen Teil der Firmen geht die Nachfolge schief.

WINDPARKS VERKAUFT: Der Energiekonzern Axpo verkauft vier Windparks in Frankreich an Chorus Clean Energy AG. Das deutsche Energieunternehmen zahlt für die vier Windparks rund 120 Millionen Euro. Alle vier Anlagen mit insgesamt 22 Windturbinen befinden sich in der Region Poitou-Charentes im Westen Frankreichs unweit der Atlantikküste. Axpo wird die Anlagen auch nach dem Verkauf weiter betreiben. Die Vertragspartner haben eine entsprechende Vereinbarung über zehn Jahre abgeschlossen. Der Verkauf ist Teil der neuen Unternehmensstrategie, mit der der Energiekonzern die Erträge aus dem Geschäft mit erneuerbaren Energien erhöhen will.

SPUK IST VORBEI: Der bargeldlose Zahlungsverkehr in der Schweiz funktioniert wieder störungsfrei. Was genau zur Panne geführt hatte, ist aber nach wie vor unklar. Zwar habe die Ursache der Netzwerkstörung "erkannt" und "isoliert" werden können, teilte die SIX mit. Den konkreten Auslöser der zwei Tage anhaltenden Probleme konnte die Finanzdienstleisterin auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda indes nicht benennen. Die Ursachenforschung sei noch im Gang. Ein Hackerangriff könne aber ausgeschlossen werden. Nachdem die Techniker eine Nachtschicht eingelegt hatten, gingen bei der SIX am Mittwoch keine Meldungen über Störungen mehr ein.

STELLENABBAU: Die Firma Swiss Online Shopping, welche die Portale FashionFriends und Stromberg betreibt, baut im Zuge einer Neuausrichtung per sofort 62 von 99 Stellen ab. Die Neuausrichtung sei nötig, um das Unternehmen auch in Zukunft wirtschaftlich sinnvoll betreiben zu können. Dies habe eine "dreimonatige, sorgfältige Prüfung der aktuellen Situation" ergeben, teilte die Firma mit. Die Geschäftsleitung sei bemüht, die Folgen der Kündigungen abzuschwächen. Das operative Geschäft des Mode Online Outlets FashionFriends ist von der Neuausrichtung nicht betroffen und soll in der Schweiz fortgeführt werden.

LEBENSHALTUNGSKOSTEN: Wenn internationale Unternehmen oder Regierungsbehörden Mitarbeiter ins Ausland schicken, dann wird diese sogenannte Auslandsentsendung nach Hongkong am teuersten. Bereits auf Rang vier folgt Zürich und auf Rang acht Genf. Zu diesem Ergebnis kommt die jährlich vom Beratungsunternehmen Mercer durchgeführte weltweite Vergleichsstudie. Neben den beiden Schweizer Städten sind asiatische und afrikanische Metropolen teuer: Singapur (Rang 4), Tokio (Rang 5), Shanghai (Rang 7) und Peking (Rang 10). Auf Platz zwei liegt die angolanische Hauptstadt Luanda, auf Rang sechs Kinshasa, Hauptstadt der Demokratischen Republik Kongo und auf Platz neun N'Djamena im Tschad.

GRÖSSTE BÄCKEREI: Nach einer Bauzeit von drei Jahren ist in Schafisheim AG das neue Logistikzentrum des Detailhändlers Coop eingeweiht worden. In der neuen, grössten Bäckerei der Schweiz werden pro Jahr 60'000 Tonnen Brot produziert. Neben der Bäckerei besteht der Gebäudekomplex aus der nationalen Verteilzentrale für Tiefkühlprodukte sowie der Verteilzentrale für die Verkaufsstellen in der Nordwestschweiz, Zentralschweiz und im Raum Zürich. Es ist das grösste Projekt in der Geschichte des Detailhändlers. "Was der neue Gotthardtunnel für die Schweiz ist, ist Schafisheim für die Coop-Logistik", lässt sich Coop-Chef Joos Sutter zitieren. Der Gebäudekomplex wurde im Beisein von Bundesrätin Doris Leuthard eingeweiht.

GERICHTLICHES NACHSPIEL: Zwei Jahre nach dem Verkauf der Inseratevermarkterin Publicitas an die deutsche Beteiligungsgesellschaft Aurelius, sieht sich die Swisscom mit Klagen konfrontiert. Diese wurden von Aurelius vor dem Zürcher Handelsgericht eingereicht. Die Swisscom bestätigte am Mittwoch einen entsprechenden Bericht der Zeitung "Finanz und Wirtschaft". So beschuldigt Aurelius die Swisscom, sie nicht umfassend über den Wegfall der NZZ als Kunde informiert zu haben. In einem weiteren Streitpunkt geht es um die unterschiedliche Auffassung bezüglich Bewertungen von einzelnen Bilanzpositionen der Publicitas. Die Swisscom ihrerseits erhebt ebenfalls Forderungen an Aurelius. Dabei geht es um den Konkurs des Logistikdienstleisters Xentive. Xentive, an der die Publicitas eine Minderheitenbeteiligung hielt, war ebenfalls Gegenstand der Transaktion an Aurelius.

NEUER CHEF GESUCHT: Die Immobiliengesellschaft Züblin setzt ihre Regeln zur guten Unternehmensführung um: Iosif Bakaleynik, Gefolgsmann von Grossaktionär Viktor Vekselberg, der im Doppelmandat Verwaltungsratspräsident und CEO war, gibt sein Amt als CEO ab. Die Generalversammlung der Züblin Immobilien Holding hat Iosif Bakaleynik als Präsident des Verwaltungsrats für ein weiteres Jahr im Amt bestätigt, teilte Züblin mit. Bis Ende des dritten Quartals will Züblin nun einen neuen CEO suchen. Solange wird Bakaleynik diese Funktion weiter wahrnehmen.

BREXIT-WARNUNG I: Die Grossbank UBS hat ihre Kunden vor möglichen Einschränkungen im Handel im Zuge des Brexit-Referendums gewarnt. Sollte es im Umfeld der Abstimmung zu extremen Schwankungen oder Liquiditätsengpässen kommen, könnte das Institut Schwierigkeiten haben, einige Aufträge auf seiner elektronischen Handelsplattform auszuführen. In dem Fall würden die Aufträge abgewickelt, sobald sich der Handel normalisiert habe, erklärte die Bank. Auch andere Institute - darunter die niederländische ING und die französische Societe Generale - hatten ähnliche Schreiben an ihre Kunden verschickt. Das zeigt, wie gross die Sorge unter Banken vor den Auswirkungen der Abstimmung an den Finanzmärkten ist. Erste Ergebnisse des Referendums von Donnerstag werden für Freitagmorgen erwartet.

BREXIT-WARNUNG II: Einen Tag vor dem Brexit-Votum in Grossbritannien haben die Chefs von fast 1300 Unternehmen für einen Verbleib in der EU geworben. Ein Austritt könnte einen "ökonomischen Schock" verursachen, den vor allem kleinere Unternehmen und deren Beschäftigte zu spüren bekämen, schrieben die Chefs in einem offenen Brief in der Zeitung "The Times". Zu den Unterzeichnern zählten unter anderem Virgin-Boss Richard Branson und US-Medienmogul Michael Bloomberg. In der Zeitung "The Sun" hatten am Dienstag hundert Chefs von kleinen Unternehmen für einen Brexit geworben. "Wir glauben, dass viele Ideale der EU nicht im besten Interesse für britische Unternehmen oder das britische Volk sind", schrieben sie in ihrem offenen Brief.

NEUAUSRICHTUNG: Der Stadtwerkeverbund Swisspower hat bekannt gegeben, wie seine im vergangenen Dezember angekündigte Neuausrichtung konkret aussehen soll. In Zukunft will die Firmengruppe den Fokus auf die Stromproduktion aus erneuerbaren Energien legen. Weiter will sie sich künftig auf die Kooperationsdienstleistungen für die Swisspower Stadtwerke fokussieren sowie auf die Interessensvertretung der kommunalen Versorgungswirtschaft, wie die Gruppe mitteilte. Gleichzeitig werden die Dienstleistungsbereiche "Strombeschaffung" und "Energielogistik" der Swisspower Energy AG an die Genossenschaft Elektra Birseck (EBM) in Münchenstein BL verkauft.

UHRENINDUSTRIE: In der Schweizer Uhrenindustrie sind Ende September 2015 insgesamt 58'798 Personen beschäftigt gewesen und damit etwas weniger als im Vorjahr. Trotz des leichten Rückgangs um 0,5 Prozent wurde die zweithöchste Beschäftigtenzahl seit Mitte der 1970er Jahre erreicht. Diese Zahlen gehen aus der Personalerhebung der Branche hervor, die der Arbeitgeberverband der Schweizerischen Uhrenindustrie jährlich durchführt. Der Rückgang um 314 Beschäftigte widerspiegle die Verlangsamung der Konjunktur, die in der Uhren- und mikrotechnischen Branche zu beobachten war, schreibt der Verband.

INVESTITION IN AUSBILDUNG: Der Lebensmittelkonzern Nestlé will 300'000 jungen Menschen in Afrika beim Start ins Berufsleben helfen. Die Berufsvorbereitungskurse sollen Karriereberatungen, Übungen für Vorstellungsgespräche und Hilfe beim Verfassen von Lebensläufen umfassen. Im Unternehmen selbst sollten 3000 Praktika-Plätze für junge Afrikaner geschaffen werden, kündigte Konzernchef Paul Bulcke auf einem Wirtschaftsforum in Abidjan in der Elfenbeinküste an. Das Programm werde bis 2018 laufen. Die Starthilfe für junge Menschen solle einen Beitrag gegen die hohe Arbeitslosigkeit leisten, die eine "ernste soziale und wirtschaftliche Herausforderung" in Afrika sei, sagte Bulcke.

KRÄFTIGE STEIGERUNG: Der US-Softwarekonzern Adobe hat dank der starken Nachfrage nach seinen Internet-basierten Diensten Umsatz und Gewinn im zweiten Quartal kräftig gesteigert. Im abgelaufenen Quartal stieg der Umsatz um ein Fünftel auf 1,4 Milliarden Dollar. Der Gewinn schoss um 65 Prozent auf 244,1 Millionen Dollar in die Höhe. Im dritten Quartal erwartet Adobe einen Umsatz von 1,42 bis 1,47 Milliarden Dollar.

ÜBERNAHME MODEHAUS: Das traditionsreiche französische Modehaus Balmain ist künftig in katarischer Hand. Der Investmentfonds Mayhoola werde Balmain komplett übernehmen, erklärte die Beratungsfirma Bucéphale Finance, die mit der Suche nach einem Käufer beauftragt worden war. Der Besitzerwechsel werde es dem Modehaus ermöglichen, seine Entwicklung voranzutreiben, "insbesondere mit der Eröffnung neuer Boutiquen im Ausland". Balmain gehört bisher zu 70 Prozent den Erben des früheren Chefs Alain Hivelin und zu 30 Prozent dem derzeitigen Management. Wie viel Mayhoola für die Übernahme zahlt, wurde nicht mitgeteilt. Die Wirtschaftszeitung "Les Echos" berichtete, es gehe um 485 Millionen Euro.

LASTWAGEN MIT STROM: In Schweden wird seit Mittwoch der Betrieb von Lastwagen mit Strom aus Oberleitungen getestet. Der von Siemens entwickelte "eHighway" auf dem Autobahnabschnitt nördlich von Stockholm helfe dabei, den Energieverbrauch und die Luftverschmutzung durch den Güterverkehr auf der Strasse zu senken, teilte der Industriekonzern mit. Auf der zwei Kilometer langen Strecke können sich zwei speziell angefertigte Diesel-Hybrid-Lkw des Herstellers Scania während der Fahrt an die Oberleitungen anschliessen und durch die Stromversorgung "emissionsfrei" fahren.

UMSATZ MIT MOTOREN: Die Mikromotorenherstellerin Maxon Motor Gruppe ist 2015 gewachsen. Der Umsatz nahm um 6 Prozent auf 402,5 Millionen Franken zu. Zugelegt hat das in Sachseln ansässige Unternehmen in Asien und Nordamerika. Im umsatzmässig wichtigsten Markt, in Europa, musste Maxon einen leichten Rückgang hinnehmen. Als Gründe werden der schwache Euro und die Währungsrabatte genannt. Das Unternehmen hat nach eigenen Angaben wegen des Frankenschocks rascher als geplant Produktionsverlagerungen nach Ungarn und Südkorea vorgenommen.

(AWP)